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Aktuelles Mercedes GL ist ein SUV der Luxusklasse
Mehr Auto & Verkehr Aktuelles Mercedes GL ist ein SUV der Luxusklasse
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15:15 25.09.2012
Der neue Mercedes-Benz GL.
Der neue Mercedes-Benz GL. Quelle: Hersteller
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Stuttgart

Wenn es um Luxusautos geht, spielt die Musik immer häufiger woanders. Jüngstes Beispiel ist die GL-Klasse von Mercedes-Benz. In Amerika war das mächtige SUV mit mehr als 27000 verkauften Fahrzeugen im vergangenen Jahr der Verkaufsschlager in seinem Segment schlechthin, noch vor den amerikanischen SUV. In Deutschland konnten die Schwaben dagegen nur durchschnittlich 2500 Fahrzeuge pro Jahr verkaufen. Laut der Zulassungszahlen des Kraftfahrtbundesamtes waren es 2011 sogar nur 1155 Einheiten - wo die Differenz abgeblieben ist, weiß kein Mensch. Für die Stuttgarter kein großes Problem - denn wie gesagt: In der neuen Welt lechzt man nach dem automobilen Luxusartikel, der zwar an den Reißbrettern in den deutschen Ingenieurbüros entstanden ist, aber im amerikanische Tuscaloosa vom Band rollt.

Wenn Mercedes ein Fahrzeug mit dem Buchstaben „G“ versieht, bedeutet das Geländetauglichkeit. Hier machen die Schwaben nur wenig Kompromisse. Um diese Eigenschaften auch im GL voll nutzen zu können, gibt es ein aufpreispflichtiges Geländepaket mit sechs verschiedenen Fahrprogrammen, Geländeuntersetzung, Mittendifferenzialsperre und Unterfahrschutz. Das allerdings ordern weniger als fünf Prozent der GL-Fahrer. Ein deutliches Indiz dafür, was die Käufer tatsächlich wollen. Nämlich Fahrkomfort, Luxus, viel Platz und natürlich Leistung. Letztere bekommen sie im brandneuen GL reichlich in Form von zwei riesigen Achtzylindern, die aus 4,6- bzw. 5,5-Litern Hubraum 320 kW/435 PS und 410 kW/557 PS schöpfen. Auch wenn die Verbräuche dank aufwendiger Technik im Vergleich zu den Vorgängermaschinen deutlich gesenkt werden konnten, sind die Motoren natürlich immer noch keine Kostverächter, sobald der Fahrer die Leistung abruft. Mit ein Grund, warum die mächtigen Maschinen hierzulande kaum nachgefragt werden. Deutschland bleibt Dieselmarkt, gerade im Bereich der SUV.

Damit man auch hier ein Angebot vorweisen kann, hat man den Wagen mit dem 350 BlueTech bestückt, einem famosen Motor (190 kW/258 PS), der mit dem Zusatz AdBlue, einer wässrigen Harnstofflösung, zwar zu den saubersten Dieseln des Planeten zählt, aber in bestimmten Fahrsituationen - beispielsweise wenn es bei Steigungen ans Überholen geht - mit dem 2,5 Tonnen schweren Fahrzeug seine liebe Not hat. Auch beim Anfahren braucht es eine Gedenksekunde, bis der Wagen ins Rollen kommt. Doch wer einen Blick aufs Datenblatt wirft, sieht, dass er seine Sache insgesamt sehr ordentlich macht.

Eine wirkliche Verbesserung zum Vorgänger ist die Geräuschdämmung. Hier schlägt der GL manche Luxuslimousine locker: Egal, welchen Antrieb man wählt, die Maschinen säuseln fast unhörbar vor sich hin. Im Zusammenspiel mit der serienmäßigen Luftfederung und der im Hintergrund arbeitenden Siebengang-Wand-lerautomatik ergibt sich ein Fahrkomfort, der vor Kurzem noch unvorstellbar war. Selbst auf amerikanischen Straßen, die ja reichlich mit Längs- und Querfugen und anderen Unebenheiten gesegnet sind, bügelt der GL das meiste weg. Das Gleiche gilt fürs Gelände, auch hier werden die Insassen kaum einmal durchgeschüttelt. Das ist einfach große Klasse.

Natürlich spielt bei dieser Fahr- und Komfortqualität die Elektronik eine wichtige Rolle. Neu sind im GL, der äußerlich nur ganz moderat modernisiert wurde, ein Seitenwind- und Lenkassistent sowie der Beladungsassistent - sie garantieren während der Fahrt, dass buchstäblich nichts durcheinandergerät oder ins Rutschen kommt. Mit dem automatischen kamerabasierten Parksystem lässt sich das 5,15 Meter lange Fahrzeug außerdem nur durch Befehle aufs Gas- und Bremspedal einparken - ein Kinderspiel und alles andere als selbstverständlich bei einem Wagen von derartigen Ausmaßen.

Weil amerikanische GL-Fahrer das SUV offensichtlich gerne dazu nutzen, eine halbe Baseballmannschaft zu transportieren, wurde das Fahrzeug als Siebensitzer ausgelegt - die Sitze 6 und 7 lassen sich elektrisch umlegen, was Laderäume von bis zu 2300 Litern möglich macht. So praktisch die dritte Sitzreihe für größere Familien auch sein mag, so ist sie doch dafür verantwortlich, dass es in Sitzreihe 2 trotz des riesigen Platzangebots vergleichsweise eng zugeht. Angeblich war es konstruktiv nicht möglich, die Sitzreihe so einzubauen, sodass man sie bei Bedarf ein paar Zentimeter nach hinten verschieben kann. Wobei ein Mercedes einräumt, dass man über die Lösung dieses Problems bereits nachdenkt.

Dass der GL bis zu 3,5 Tonnen Nutzlast auf den Haken nimmt, macht ihn auch für diejenigen interessant, die Sportboote oder große Pferdeanhänger ziehen und auf Luxus nicht verzichten wollen - denn wo Last, Lust und Luxus zusammentreffen, wird das Angebot sehr dünn.

Gerd Piper