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Aktuelles Gut gebrüllt, Löwe!
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12:22 30.09.2013
Gelungen: Mit der neuen Front wirkt der kompakte Franzose nicht mehr so großmäulig. Quelle: Herrsteller
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Hannover

Totgesagte brüllen länger: Während nicht wenige Fachleute schon seit zwei Jahren das jederzeit bevorstehende Ende des PSA-Konzerns bemühen, bringen Citroën und Peugeot munter neue Modelle auf den Markt. So ist ab Ende September in Deutschland der Peugeot 308 erhältlich. Und dieses Fahrzeug dürfte viele Fans der Löwenmarke überraschen, denn in Sachen Design, Interieur, Raumausnutzung und Leichtbau setzt das ab 16.450 Euro erhältliche Kompaktfahrzeug gleich mehrere Ausrufezeichen.

Veränderungen im Vergleich zum Vorgänger

So ist der zunächst nur in der Schrägheckversion erhältliche Franzosen-Golf im Vergleich zum Vorgänger um bis zu 140 Kilogramm leichter geworden. Gleichzeitig hat es Peugeot geschafft, den Platz im nur 4,25 Meter langen und 1,46 Meter hohen Fahrzeug optimal auszunutzen. Der Kofferraum fällt mit einem Fassungsvermögen von 420 Litern (nach VDA-Norm) bzw. 470 Liter nach PSA-Messmethode für ein Fahrzeug in dieser Klasse riesig aus. Das geht zwar ein wenig zulasten des Fonds, wo das Platzangebot nur durchschnittlich ist, dafür sitzen Fahrer und Beifahrer fürstlich.

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Vom kleineren Schwestermodell 208 übernommen hat der 308 das tief stehende Lenkrad. Der Fahrer schaut hier nicht durch den Kranz auf die Instrumente, sondern über den sehr kleinen Volant hinweg. Das soll angeblich den Blickwechsel zwischen Straße und Instrument erleichtern. Wir können das nach ersten Testfahrten nicht bestätigen, allerdings stört das Gokart-ähnliche Lenkrad auch nicht weiter.

Neben der sorgfältigen und im Detail geradezu liebevollen Verarbeitung fällt vor allem der fast zehn Zoll große Bildschirm ins Auge. Der wirkt nicht nur hochwertig, über ihn lassen sich auch Einstellungen zu Klima oder Infotainment steuern; was wiederum für wenige Knöpfe und Schalter im Innenraum und damit für ein ausgesprochen aufgeräumtes Ambiente sorgt.

So edel wie der Innenraum wirkt auch das Außendesign des 308. Von hinten erinnert er ein wenig an den Audi A3, und bei der Seitenführung könnte der VW Golf Pate gestanden haben. Nur in der Frontansicht ist der Peugeot wirklich anders. Der chromgefasste Kühlergrill kommt deutlich zurückhaltender und somit optisch langlebiger als im etwas großmäuligen alten 308 daher. Die Motorhaube mit dem zwischen zwei Falzen angeordneten Löwen unterstreicht das neue Markengesicht.

Nur leichte Veränderungen beim Motor

Bei den Motorisierungen tut sich dagegen wenig. Neu ist das nur mit drei Zylindern arbeitende Basisaggregat. Der 1,2-Liter-Benziner leistet 60 kW/82 PS und soll sich mit 5,0 Litern je 100 Kilometer begnügen. Für den 308 mit diesem Aggregat verlangt Peugeot 16.450 Euro, immerhin 600 Euro weniger als für die bisherige Einstiegsvariante. Außerdem sind noch die bekannten Benziner aus der BMW-Kooperation mit 1,6 Litern Hubraum und 92 kW/125 PS beziehungsweise 115 kW/156 PS im Angebot. Und es gibt zunächst zwei Diesel, ebenfalls 1,6-Liter, mit 68 kW/92 PS und 85 kW/ 115 PS. Letzterer markiert mit 24.600 Euro in der höchsten Ausstattungsstufe Allure zunächst auch das Ende der Preisliste. 2014 folgen neue Motoren, die dann die Euro-6-Norm erfüllen, unter anderem Dreizylinder-Turbobenziner mit bis zu 130 PS sowie zwei Diesel mit 120 und 150 PS.

Die zwei von uns getesteten Motorisierungen entfalten ihren Charakter – wenig überraschend – sehr unterschiedlich. Der 115-PS-Diesel überzeugt mit gutem Durchzug im unteren und mittleren Drehzahlbereich, ist leise und sparsam. Bei höheren Drehzahlen auf der Autobahn geht ihm aber dann doch schnell die Luft aus. Der große Turbobenziner mit 156 PS hat dagegen eine kleine Anfahrtsschwäche, gibt sich aber danach sehr drehfreudig. Das verführt zu einer eher sportlichen Fahrweise, die viele Schaltvorgänge erfordert. Die versprochenen 5,6 Liter Verbrauch wird man so eher nicht erreichen – ein Spaßaggregat also.

Schwache Assistenzsysteme

Das Fahrwerk des neuen 308 können die beiden Motoren jedenfalls nicht in Verlegenheit bringen. Die gelungene Mischung aus französischem Komfort und deutscher Sportlichkeit unterstreicht den schon bei Design und im Innenraum angedeuteten neuen Weg. Schwächen legt die Testfahrt auch offen, allerdings betreffen sie nicht wirklich den Kern des Fahrzeugs. Es sind eher die weiterhin langsamen Navi-Systeme, eine zumindest für einen deutschen Autofahrer nicht immer logische Bedienführung sowie eine für ein neues Modell eher schmale Auswahl an Assistenzsystemen. Auch das Angebot an Apps ist mickrig.

Die Ziele Peugeots

Davon abgesehen dürfte der 308 eine der positivsten Überraschungen der Saison sein. Bleibt zu hoffen, dass die Franzosen noch genügend Zeit und Geld haben, diesen Weg konsequent weiterzugehen. Zunächst sind die Ziele bescheiden. „Wir wollen in Deutschland im kommenden Jahr 15.000 Fahrzeuge verkaufen“, gibt Peugeot-Deutschland-Geschäftsführer Marcel de Rycker die Richtung für den drittgrößten europäischen Peugeot-Markt vor. Rund 4.000 Einheiten des ab April nächsten Jahres verfügbaren Kombis (SW) hat er da schon eingerechnet.

Peugeot380

  • Motoren: 3 Benziner, 2 Diesel
  • Benziner: 60/115-82/156 kW/PS
  • Diesel: 68/85-92/115 kW/PS
  • Max. Drehmoment: 118-270 Nm
  • CO2-Emission: 95-134 g/km
  • Beschleunigung (0-100km/h): 9,3-15,2 s
  • Höchstgeschwindigkeit: 171-213 km/h
  • Länge/Breite/Höhe: 4,25/1,80/1,46 m
  • Verbrauch: 3,6/3,7 l Diesel,5,0/5,8 l Super
  • Kofferraum: 420-1309 l
  • Radstand: 2,62 m
  • Preis: 16.450 bis 24.600 Euro

Fazit:

+ sehr gelungener Kompaktwagen in der umkämpften Golf-Klasse

– die Bedienung ist manchmal umständlich / Navi zu langsam

Peter Eck