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Auto-Modelle und Fahrberichte Schöne Grüße aus dem Windkanal
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00:40 15.10.2011
Das kräftige, fast skulpturale Design soll den jugendlichen Anspruch der generationsübergreifenden Familienkutsche unterstreichen. Quelle: Mercedes-Benz
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Mercedes sortiert sich in der Kompaktklasse neu: Ab sofort sollen auch die kleinen Modelle aus Stuttgart dem Anspruch genügen, ein echter Mercedes zu sein. Denn A- und B-Klasse zählten nie so richtig zum inneren Kreis im Portfolio der Schwaben. Zu groß war die Lücke zu den Premiumfahrzeugen. Das soll sich ändern. Den Anfang macht die neue B-Klasse, die am 19. November auf den Markt kommt. Hochwertige Materialien im Innenraum, ein flottes Design und viel Technik sollen von vorneherein den Verdacht ausräumen, dieses Auto könnte ein Langweiler sein. Der „kompakte Sports-Tourer“, so der offizielle Sprachgebrauch, soll junge Familien ansprechen, ohne die eher als konservativ eingestufte Mercedes-Klientel zu verprellen.

Noch nie habe man bei einem Modellwechsel so viele Neuheiten eingebaut, ließ Mercedes bei der Präsentation der B-Klasse wissen. Zwei vollkommen neu entwickelte Motoren (1,6-Liter-Benziner, 1,8-Liter-Diesel) mit jeweils zwei Leistungsstufen, zwei neue Getriebe, ein neues Fahrwerk mit einer Vierlenker-Hinterachse und das gesamte Paket an Sicherheitssystemen aus den Oberklassen sollen dem jüngsten Spross aus Stuttgart einen schönen Vorsprung vor der Konkurrenz sichern. Dass man im Vergleich zum Vorgänger den Verbrauch um bis zu 21 Prozent senken konnte, gehört mittlerweile bei Neuvorstellungen zum guten Ton.

Effizienz und Sauberkeit bei Verbrennungsmotoren sind ein Kernthema bei nahezu allen Herstellern. Allerdings sind solch drastische Verbesserungen nicht allein mit neuen Maschinen zu bewerkstelligen. Einen hohen Anteil daran hat auch die Arbeit an der Aerodynamik, die man für die Brot- und Butterautos wiederentdeckt hat. 275. 000 Simulationsstunden am Computer und rund 1100 Teststunden im Windkanal lassen ahnen, wie akribisch dieses Thema bearbeitet wurde. Das Ergebnis ist ein CW-Wert von 0,26. Oder etwas bildhafter: Jetzt zischt der Fahrtwind nahezu verwirbelungsfrei unter dem Fahrzeug durch. Zumindest damit dürfte man an der Spitze des Wettbewerbs liegen.

Vom Design her ist die neue B-Klasse deutlich frischer geworden. Front und Heck liegen breit auf der Straße, die Motorhaube geht fast nahtlos in die A-Säule über und die vorderen Kotflügel schwingen in einer fast schon skulpturalen Seitenlinie aus, die bis zum Heck reicht. Das ist deutlich dynamischer als beim etwas betulichen Vorgänger. Was nichts daran ändert, dass die B-Klasse auch weiterhin B-Klasse bleibt. Also viel Platz auf allen Sitzplätzen, ein variabler Innenraum, der noch bedienungsfreundlicher geworden ist, und eine hohe Sitzposition, wie sie vor allem von Frauen und älteren Menschen geschätzt wird.

Wirklich neu ist die Ausgestaltung des Innenraums. Ganz klar, die stoffliche Anmutung entspricht der eines Premiumfahrzeugs. Doppelnähte an den fest konturierten Sitzen, ein griffiges Lederlenkrad, Luftausströmer aus Aluminium oder die dreidimensionale Querspange in verschiedenen hochwertigen Dekors, auf der das Navi wie ein Flachbildschirm thront – das alles verströmt das Flair der Oberklasse. Natürlich ist das Auto auf Wunsch auch internetfähig, sodass nach Herzenslust gepostet und getwittert werden kann – den nächsten Italiener findet man in einer fremden Stadt ebenfalls kinderleicht. Leistungsmäßig schafft die neue B-Klasse zumindest mit den stärkeren Motorisierungen das Sportabzeichen, wobei der Wagen dank seines tiefen Schwerpunkts erstaunlich flott um die Kurven kommt. Das von Mercedes in Eigenregie entwickelte Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe erlaubt sich allerdings beim Gasgeben einen gefühlt ziemlich langen Hänger. Da hinken die Schwaben hinterher. Und der Handschalter muss mit spitzen Fingern geschaltet werden, zumindest dann, wenn die Cup- holder belegt sind – ansonsten besteht akute Gefahr für Becher oder Flaschen.

Als Weltneuheit in diesem Segment hat Mercedes dem Fahrzeug serienmäßig einen radargestützten Kollisionswarner mit adaptivem Bremsassistenten spendiert, der Auffahrunfälle verhindern oder mindern soll. Das System, so hofft man, werde ein ähnlicher Erfolg wie seinerzeit das Elektronische Stabilitätsprogramm ESP. Damit hatten die Stuttgarter aus der Not heraus – wir erinnern uns: Die erste A-Klasse war beim legendären Elchtest umgekippt – quasi über Nacht einen völlig neuen Sicherheitsstandard definiert und die Konkurrenz mächtig in Zugzwang gebracht. Obwohl alles neu und viel schöner geworden ist, ruft Mercedes mit 26.001 Euro den alten Preis auf. Das ist jedenfalls ein Angebot.

Und es ist erst der Anfang. Denn auf derselben Plattform sollen noch die neue A-Klasse (inklusive einer AMG-Version mit mehr als 300 PS), ein kleines SUV, ein Coupé unterhalb des CLS und ein Shooting Brake (dynamisch-sportlicher Kombi) folgen. Es wird gemunkelt, dass auch noch ein Cabriolet in der Pipeline steckt. Man darf also gespannt sein.

Gerd Piper

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