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Auto-Modelle und Fahrberichte Subaru WRX STI
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16:39 29.11.2010
Subaru WRX STI
Der Subaru WRX STI – ein Sportwagen jenseits der Schamgrenze? Die Fahrleistungen entsprechen jedenfalls der Optik. Quelle: Handout
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Man muss schon Fan sein. Oder wenigstens mächtig mutig: Der Su-baru WRX STI mit seinem Riesenspoiler auf dem Kofferraumdeckel fällt auf. Zumindest auf einer Rennstrecke verschafft sich die Mittelklasselimousine mit diesem Auftritt reichlich Respekt. Zu Recht: Der sportlich anmutenden Viertürer hält, was seine Optik verspricht. Immerhin 300 Pferdestärken, losgelassen auf alle vier Rädern und sorgsam geführt von kundiger Hand und nicht minder talentiertem Fuß, machen die Umrundung der 20,8 Kilometer langen Nürburgring-Nordschleife in sieben Minuten und 55 Sekunden möglich. Das hat Klasse.

Sportler im Limo-Look

Echte Rallyefreunde innerhalb der Subaru-Fangemeinde waren vor drei Jahren ziemlich herb enttäuscht, als es die Straßenkopie des früheren Rallye-Weltmeisterwagens nur noch im schnöden Golf-Format mit Schrägheck und großer Klappe gab. Doch diese düsteren Zeiten sind nun vorbei. Der WRX STI ist jetzt wieder so zu haben, wie er nach Meinung seiner Freunde auszusehen hat: vier Türen, Limousinenform, separater Kofferraum mit kleinem Deckel und großem Spoiler am Heck. Seinen Familiennamen Impreza hat der Subaru WRX STI mittlerweile abgegeben, was noch deutlicher macht, dass dieses Automobil mit der Vernunft einer Großserien-Limo nicht viel zu tun hat. Der WRX ist wie ehedem eine der schärfsten Kisten, die für Landstraße und Rennstrecke zu bekommen sind. Dabei ist die Zeit des werksseitig-professionell betriebenen Rallyesports bei Subaru erst einmal vorüber. Doch Kunden mit gutem Erinnerungsvermögen können den Rallyemeister vergangener Zeiten immerhin noch privat zu sportlichen Höchstleistungen treiben.

Rock am Ring

Wie das richtig geht, zeigten die letzten Testfahrten mit dem viermaligen Rallyeweltmeister Tommi Mäkinen eindrucksvoll. Er hetzt den Subaru WRX STI in der eingangs erwähnten, höchst beachtlichen Zeit von sieben Minuten und 55 Sekunden über die Nordschleife des Nürburgrings. Hier, in den schnellen Kehren, auf Berg- und-Tal-Passagen, kann sich der WRX STI sehen lassen. Wenn der Turbolader dem 2,5 Liter großen Vierzylinder-Boxer volle 1,1 Bar Ladedruck zur Verfügung stellt, gibt es kein Halten mehr.

Dabei hält sich der Boxer des Power-Subarus akustisch selbst bei hoher Drehzahl überraschend zurück. Bei unseren eher beschaulichen Probefahrten über öffentliche Landstraßen jedenfalls gebärdete sich das zu maximal 300 PS fähige Aggregat als sehr zivil. Das unter voller Last erreichbare Drehmomentmaximum von 407 Nm bei vergleichsweise hurtigen 4000 U/min macht sozialverträgliches Autofahren mit gedrückter Drehzahl zu einer einfachen Übung. Für fein dosierte Zwischeneinlagen auf der Straße und – selten legal möglich – abseits befestigter Wege stehen jederzeit ausreichende Leistungsreserven parat.

Flotte Fahrleistungen

Dank seines Allradantriebs mit Differenzialsperren und Sportprogrammen schafft der 1,6 Tonnen schwere Subaru den Spurt von 0 auf Tempo 100 in werksgemessenen 5,2 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit wird bei 255 Stundenkilometern abgeregelt. Viel mehr wäre auch ohne die elektronischen Zügel nicht drin, denn seine stärkste Phase hat der Allradler zwischen 80 und 180 Stundenkilometern. Ab Tempo 200 sei der Sportler durch die betont lang ausgelegten Gänge fünf und sechs ziemlich zäh unterwegs, berichtet ein in TV-Diensten stehender Exrennfahrer. Zäher jedenfalls, als man es von einem 300-PS-Bolzen erwarten würde. Wir verzichten bei den Probefahrten auf öffentlichen Straßen gern auf Tempoexzesse jenseits der 200er-Marke.

Bei höheren Geschwindigkeiten erweist sich der optisch bisweilen als aufdringlich bezeichnte Heckflügel als sinnvoll, weil er dann für zusätzlichen Abtrieb sorgt. Im normalen Alltagsfahrbetrieb jedoch ist er vor allem ein Statement. In derartigen Einsätzen könnten vielleicht sogar die als EU-Normverbrauch auf dem Prüfstand ermittelten 10,5 Liter Superplus je 100 Kilometer wenigstens ansatzweise erreichbar sein. Auf der Rennpiste ist ein solcher Wert nahe der Einstelligkeit nicht zu erreichen. Dort wird erst geschaltet, wenn die rote Leuchte im Cockpit blinkt.

Die Kraftübertragung besorgt ein optimal abgestimmtes Sechsgang-Handgetriebe. Ohne Hakeln lassen sich blitzschnell die Gänge wechseln. Die Lenkung reagiert direkt und bei jeder Geschwindigkeit präzise auf die Befehle des Fahrers. Die Federung ist straff, was bei sportlich ambitionierten Piloten gern gesehen ist.

Hans-Jürgen Wildhage