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09:30 14.10.2013
Schon auf einer Fläche von wenigen Quadratmetern können im Weinkeller mehrere hundert Flaschen lagern. Quelle: Neuschwander GmbH
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Hannover

Finster, muffig und vollgerümpelt – viele Keller waren früher nicht sonderlich einladend. Doch ihre Bedeutung hat sich gewandelt: Heute werden Kellerräume als Werkstatt, Waschküche, Wellnessbereich und sogar als Büro oder Kinderzimmer genutzt. Auch der Partykeller hat nicht ausgedient. „Ein Keller ist nie verkehrt“, meint Eva Reinhold-Postina vom Verband privater Bauherren in Berlin. Viele der standardisierten Haustypen, die zu rund 90 Prozent gebaut werden, würden mit Keller angeboten. Vor allem auf kleinen Grundstücken sei dieser sinnvoll. Bei Architektenhäusern werde dagegen oft auf eine Unterkellerung verzichtet, weiß Meike Alonso von der niedersächsischen Architektenkammer: „Das ist häufig eine Finanzierungsfrage.“ Soll der Keller für Wohnzwecke genutzt werden, müssen zusätzlich zu den Baukosten Ausgaben für Dämmung, Heizung und Elektroinstallationen kalkuliert werden.

Ausbau des Kellers auch nach dem Einzug möglich

Ein Ausbau des Kellers könne ähnlich wie beim Dachboden auch nach dem Einzug vorgenommen werden, heißt es auf der Website fertighaus.de. Für den Bau eines Kellers spreche unter anderem, dass einer Umfrage unter Maklern zufolge Immobilien zu einem höheren Preis verkauft werden könnten, wenn sie unterkellert seien. Ein wichtiges Entscheidungskriterium sei auch die geplante Heizungsanlage, sagt Reinhold-Postina. Denn wer etwa mit Pellets heize, sei auf Lagerfläche angewiesen. Ein Wasserspeicher für eine solarthermische Anlage benötige ebenfalls viel Platz.

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Kostenpunkt: 35.000 - 50.000 Euro

Ein Keller koste zwischen 35.000 und 50.000 Euro, sagt Klaus-Dieter Hammes, Bauingenieur und Sachverständiger in Aachen. Nicht nur das Ausheben der Baugrube verursache Kosten. Vor allem der Bau einer weißen Wanne aus wasserundurchlässigem Stahlbeton sei teuer. Günstiger seien gemauerte Keller etwa aus Leichtbeton- oder Wärmedämmziegeln, die bituminös abgedichtet werden. Drücke sehr viel Wasser gegen die Wände, sollten zusätzlich zu den Schwarzabdichtungen Dränagen angelegt werden, erläutert Hammes. Gemauerte Keller haben den Vorteil, dass sie sich als Sichtmauerwerk etwa für Hochkeller eignen, die mindestens fünfzig Zentimeter über die Erdoberfläche hinausragen. In der Kombination mit stoßfesten Wärmedämmplatten sorgen sie zudem für ein angenehmes Raumklima.

Rechtzeitig ein Baugrundgutachten anfordern

Reinhold-Postina rät, rechtzeitig ein Baugrundgutachten von einem unabhängigen Sachverständigen einzuholen. Auch sollte in einem frühen Planungsstadium über die Nutzung des Kellers entschieden werden. Ist darin ein dauerhafter Aufenthalt geplant, müssen baurechtliche Bestimmungen eingehalten und ein Wärmeschutznachweis erbracht werden, erläutert sie. „Ganz wichtig ist es außerdem, Tageslicht und Frischluft hineinzubringen.“ Eine gute Lösung hierfür sei der Einbau von Betonlichtschächten und Kellerfenstern mit Isolierverglasung, heißt es in einer Broschüre des Infozentrums Pro Keller e. V. Wer sanitäre Einrichtungen einbaut, muss darauf achten, dass es nicht zu einem Rückstau komme, warnt Hammes. Der Abfluss sollte daher über Kanalniveau liegen. Ist dies nicht der Fall, müssten Pumpen installiert werden. Zudem sollten in die Leitungen Rückstauventile eingebaut werden.

Wenn der Keller einer Bestandsimmobilie saniert werden soll, sei es sinnvoll, die Wände auszuschachten und eine Isolierung von außen aufzubringen, rät Alonso. Eine Innendämmung führe unter Umständen dazu, dass sich Luftfeuchtigkeit niederschlage und sich in der Folge Schimmel bilde. Damit kein Wasser in höhere Wände aufsteigen könne, sollte zudem eine horizontale Abdichtung, eine sogenannte Z-Sperre, erfolgen, erläutert Alonso. Aus energetischen Gründen sei außerdem eine Dämmung der Kellerdecke von unten zu empfehlen.

Rücksicht ist nötig

Häufig gehören zu einer Mitwohnung auch Kellerräume. Wie diese genutzt werden dürfen, regle der Mitvertrag, sagt Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterschutzbund in Berlin. Ist dort nichts bestimmt, dürfe jeder grundsätzlich alles machen und lagern, was er wolle. Selbstverständlich müsse dabei Rücksicht auf die Belange anderer Bewohner genommen werden. Mietrechtlich sei der Keller wie eine Wohnung zu werten. Auch Brandschutzbestimmungen seien beispielsweise einzuhalten. Die Gemeinschaftsfläche vor dem Kellerraum dürfe zudem nicht zugestellt oder möbliert werden.

Sebastian Hoff