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Bauen & Wohnen Die Fassade muss gewahrt werden
Mehr Bauen & Wohnen Die Fassade muss gewahrt werden
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10:15 21.10.2013
An diesem denkmalgeschützten Fachwerkhaus im Harz dürfen nur behutsam Veränderungen vorgenommen werden. Quelle: Swen Pförtner
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Hannover

Egal, ob eine historische Mühle, ein Wasserturm oder einfach nur ein altes Haus – in denkmalgeschützten Gebäuden zu wohnen ist etwas Besonderes. Das Problem: Soll das Gebäude saniert werden, müssen vom Eigentümer zahlreiche Auflagen umgesetzt werden. Ohne Beratung können Besitzer hier schnell Probleme bekommen.

Frühzeitig Fachleute hinzuziehen

„Um die Denkmalauflagen erfolgreich umzusetzen oder zu umschiffen, sollten möglichst frühzeitig Fachleute wie Architekt und Denkmalpfleger hinzugezogen werden“, empfiehlt Wolfgang Riesner, Architekt und Experte für historische Gebäude aus Petershagen in Nordrhein-Westfalen. Bei einem Ortstermin werden die Besonderheiten des historischen Gebäudes in Augenschein genommen. Der Denkmalpfleger hält fest, welche Bestandteile des Hauses nicht beeinträchtigt werden dürfen.

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„Häufig sind die Auflagen der Denkmalpfleger nicht so streng wie befürchtet“, hebt Riesner hervor. Als Faustregel gelte: Wenn Aussagekraft und Struktur des Denkmals bewahrt bleiben, werde der Umbau zumeist gewährt. Schwieriger werde es, wenn in die Konstruktion eingegriffen werden soll: „Natürlich wird man keine Holzbalkendecke in eine Betondecke umwandeln dürfen.“ Auch tragende Wände zu versetzen oder die Raumaufteilung zu verändern werde in der Regel nicht möglich sein. „Wenn man es genau wissen will, muss man sich aber den Einzelfall ansehen“, sagt Riesner.

Energetische Sanierungsmaßnahmen sind hingegen weniger ein Problem. „Man sollte sich nicht nur auf einen Lösungsansatz versteifen, denn meistens führen verschiedene Wege zum Ziel“, erklärt Riesner. Während in vielen Fällen eine Außendämmung nicht möglich sein wird, um die Fassade zu erhalten, kann eine Innendämmung von Wänden und oberer Geschossdecke durchaus einen Einspareffekt bewirken. Eine Solaranlage zur Warmwassererzeugung wird meistens nicht störend sein, bei großflächiger Photovoltaik zur Stromerzeugung sieht es anders aus.

Alle Veränderungen sind erlaubnispflichtig

„Grundsätzlich sind alle Veränderungen an einem denkmalgeschützten Gebäude erlaubnispflichtig“, erklärt Andreas Galland, Leiter der Unteren Denkmalbehörde der Stadt Neuss. Die Denkmalschutzbehörden geben in der Regel Hilfestellungen und sind verpflichtet, die finanzielle Belastung für den Eigentümer in Grenzen zu halten. Über die konkreten Auflagen entscheidet das jeweilige Denkmalamt im Einzelfall. Zuständig ist in der Regel die Untere Denkmalbehörde, die je nach Bundesland bei der Stadt oder Gemeinde, dem Stadtbezirk oder beim Kreis angesiedelt ist.

Wenn baurechtlich genehmigungspflichtige Arbeiten geplant sind, muss der Bauantrag beim zuständigen Bauamt gestellt werden. Die Denkmalbehörden werden dann automatisch hinzugezogen. Eingereicht werden müssen unter anderem Fotografien, Maßnahmebeschreibungen und Planzeichnungen. „Im Vorfeld des formalen Verfahrens berät das Denkmalamt nach Bedarf, inwieweit der Antrag Aussicht auf Erfolg hat“, erklärt Galland. Es empfiehlt sich also, alle Sanierungsmaßnahmen vorab zu besprechen. Nach Antragstellung prüft die Denkmalbehörde die Unterlagen und erteilt im besten Fall die Erlaubnis. Maßgeblich ist dabei, ob die historische Bausubstanz ausreichend geschont und das Erscheinungsbild des Gebäudes gewahrt wird.

Mit den Behörden zusammenarbeiten

Grundsätzlich gilt: Die Denkmalschützer bei den Behörden sollte ein Eigentümer nicht als Gegenspieler ansehen, sondern als Helfer und Unterstützer. Wichtig für den Bauherrn ist zudem die Leidenschaft für alte Immobilien und das historisch handwerkliche Erbe. Wer unkonventionell denkt, hartnäckig verhandelt und flexibel reagiert, kann eine Denkmalsanierung erfolgreich stemmen. So gelingt der Spagat zwischen der Beachtung denkmalpflegerischer Vorgaben einerseits und den Anforderungen an zeitgemäßen Wohnkomfort und Energieeinsparung andererseits. Denn nur wenn historische Häuser auch bewohnt und genutzt werden, bleiben sie erhalten.

Steuerliche Absetzung

Nach Fertigstellung des Umbaus findet eine Bauabnahme durch Architekt und Denkmalbehörde statt. Bei positiver Begutachtung stellt die Denkmalbehörde eine Bescheinigung aus, damit die Bauherren steuerrechtliche Abschreibungen in Anspruch nehmen können. Steuerlich gefördert werden neben dem Erwerb die Sanierungskosten sowie der Erhaltungsaufwand einer Denkmalimmobilie. Förderfähig sind alle zum Erhalt und zur sinnvollen Nutzung des Denkmals erforderlichen Aufwendungen. Dazu zählen zum Beispiel der Einbau eines Bades, Energiesparmaßnahmen, Heizung, Dachreparatur, Fachwerkrestaurierung oder auch die Planungskosten des Architekten.

dpa

Jan Hinnerk Roloff