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Bauen & Wohnen Der Staat finanziert den Hausbau mit
Mehr Bauen & Wohnen Der Staat finanziert den Hausbau mit
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09:00 17.06.2013
Foto: Ein Haus zu bauen oder zu modernisieren kostet viel Geld. Günstige Kredite gibt es bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau.
Ein Haus zu bauen oder zu modernisieren kostet viel Geld. Günstige Kredite gibt es bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau. Quelle: iStockphoto.com/Pavlen
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Frankfurt

Ein Prozent Effektivzins - selbst in Zeiten niedriger Bauzinsen klingt das ausgesprochen attraktiv: Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) mit Sitz in Frankfurt bietet besonders günstige Konditionen. Der Staat wolle derzeit vor allem den Bau selbst genutzter und energieeffizienter Immobilien und die energetische Sanierung von bestehendem Wohnraum fördern, erläutert Sybille Bauernfeind, Sprecherin der KfW-Bank. Die Programme werden in Absprache mit den zuständigen Ministerien aufgelegt. Der Bund gibt Zuschüsse, ein Teil der Fördermittel stellt die KfW-Bank bereit.

Die Programme bestehen im Schnitt zwei bis drei Jahre. Derzeit hat die KfW zwölf Programme im Angebot, die sich an private Bauherren und Hausbesitzer richten, darunter vier besonders bedeutsame. Das Programm 124 „selbst genutztes Wohneigentum“ fördert den Neubau oder Kauf von Eigenheimen und Wohnungen durch zinsgünstige Kredite. Im vergangenen Jahr wurden rund 100.000 Wohneinheiten mit gut 4,5 Milliarden Euro gefördert. Das Programm 153 „KfW-Effizienzhaus“ unterstützt den Erwerb und Bau von Wohneigentum, das den Vorgaben der Energieeinsparverordnung (EnEV) entspricht. Über das Programm 152 können Einzelmaßnahmen wie die Dämmung von Wänden oder die Erneuerung der Heizungsanlage finanziert werden. 2012 wurden hierfür rund 82.000 Anträge mit einem Fördervolumen von gut zwei Milliarden Euro bewilligt. Für den altersgerechten Umbau von Wohnraum ist das Programm 159 „Barrierereduzierung“ vorgesehen, mit dem 2012 knapp 13.000 Wohneinheiten mit rund 202 Millionen Euro gefördert wurden. Hinzu kommen Programme, die spezielle Maßnahmen fördern - etwa die Modernisierung der Heizungsanlage, die Nutzung von Photovoltaik oder die Anschaffung von Batteriespeichersystemen.

Insbesondere der Tilgungszuschuss sei attraktiv

Auch Investitionszuschüsse und Zuschüsse für die Baubegleitung können beantragt werden. Einzelne Programme sind miteinander kombinierbar. Die maximale Kredithöhe beträgt für die Sanierungsprogramme 50.000 Euro.

„Besonders attraktiv ist die Förderbank für Hauseigentümer, die ihre Immobilie von Grund auf sanieren, etwa Dach und Fassade dämmen, die Fenster austauschen und die Heizung erneuern“, sagt Eva Reinhold-Postina vom Verband Privater Bauherren (VPB) in Berlin. Insbesondere der Tilgungszuschuss sei attraktiv. Dieser beträgt bei den Sanierungsprogrammen bis zu 17,5 Prozent des Zusagebetrages. Damit erhielten Kunden den Kredit in den ersten zehn Jahren fast umsonst, sagt die VPB-Sprecherin. Als einen großen Pluspunkt sieht Martin Meyer-Below, Berater bei der Verbraucherzentrale Niedersachsen, die Möglichkeit, die Darlehen jederzeit und sogar „bis auf null“ tilgen zu können. Negativ sei hingegen, dass die Darlehenslaufzeit mindestens ein tilgungsfreies Jahr enthalte, was die Abzahlung des Kredites verlängere.

Oft werden KfW-Kredite mit anderen Darlehen kombiniert

Bauernfeind empfiehlt, sich vor einer Finanzierungsberatung seitens der vermittelnden Bank genau zu überlegen, welches KfW-Programm infrage komme. In der Praxis beantragen Kunden fast nie ausschließlich KfW-Kredite. Wer das wolle, bekomme von der Bank häufig einen Korb, kritisiert Reinhold-Postina: „Je kleiner die benötigte Summe, desto schwerer haben es Hauseigentümer, einen Geldgeber zu finden.“ Einzelne KfW-Darlehen würden oft erst ab 25.000 Euro vergeben.

In der Regel werden KfW-Kredite also mit anderen Darlehen kombiniert - darin jedoch sieht Meyer-Below ein Problem. Denn in Zeiten niedriger Bauzinsen schließen die meisten Kunden das Hauptdarlehen über einen deutlich längeren Zeitraum als zehn Jahre ab. Wenn das KfW-Darlehen nach einer maximal zehnjährigen Zinsbindung auslaufe, müsse eine Anschlussfinanzierung ausgehandelt werden, erläutert der Verbraucherberater: „Und dann hängen die Kreditnehmer am Angelhaken der Banken.“ Diese erhielten in der Regel die Grundschuld als Sicherheit und könnten daher später wesentlich höhere Zinsen durchsetzen.

Als Alternative empfiehlt Meyer-Below daher Darlehen der niedersächsischen NBank, die einige KfW-Programme für die Bewohner des Bundeslandes sogar zu besseren Konditionen anbiete. Nach Ablauf der zehnjährigen Zinsbindung könne die Anschlussfinanzierung neu verhandelt werden - auch mit anderen Banken. Bei der NBank sei „ein Deckel drauf“, sagt Meyer-Below. Mehr als sechs Prozent betrage der neue Zinssatz auf keinen Fall.

Sebastian Hoff