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Bauen & Wohnen Ein Schweinestall als Alterssitz
Mehr Bauen & Wohnen Ein Schweinestall als Alterssitz
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00:00 16.03.2013
So wohnlich kann ein Heuboden sein. Am Esstisch ist Platz für alle Kinder und Enkelkinder.
So wohnlich kann ein Heuboden sein. Quelle: Thorsten Schirmer
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Burgwedel

Auf dem Gehöft in Burgwedel bei Hannover wohnen Gisela und Ralf Schirmer seit 1979, im Haupthaus leiten sie derzeit noch ein Kinderheim. Den ehemaligen Schweinestall hat das Ehepaar bereits zum Altersitz umbauen lassen. „Die Idee dazu hatte ich schon immer“, erzählt Ralf Schirmer. Als ausführender Architekt bot sich ihr Sohn an, der mit seiner Familie ebenfalls auf dem ehemaligen Bauernhof lebt und dort ein Büro hat.

Das architektonisch anspruchsvolle Vorhaben beinhaltete mehrere Schwierigkeiten: Zunächst einmal musste eine Ausnahme von der Bauordnung erwirkt werden, weil das Gebäude nicht den notwendigen Grenzabstand einhielt. „Das konnten wir mithilfe des Denkmalschutzes erreichen, der ein Interesse an einer dauerhaften Wohnnutzung hatte“, sagt Architekt Thorsten Schirmer. Weil das Erdgeschoss teilweise sehr niedrige Decken hat, konnten einige Räume nicht zum Wohnen genutzt werden. Dort entstanden daher ein Werk- und ein Hauswirtschaftsraum. Die bestehenden Fenster werden durch ein Vordach verschattet, der Architekt entschied sich deshalb dafür, zusätzlich sieben firstnahe Fenster in die Dachschrägen einzubauen.

Bis auf den Einbau weiterer zwei Fenster an den Stellen, wo sich früher Rolltore befanden, wurde die Fassade des Gebäudes nicht verändert. Innen jedoch wird modernste Architektur sichtbar, die energetisch auf einem hohen Standard ist: Vor die Wände kam ein Holzständerwerk, in das eine 25 Zentimeter dicke Zellulosedämmung eingeblasen wurde. Das Dach erhielt ebenfalls eine 30 Zentimeter starke Dämmung. Zusätzlich sorgen Lüftungsanlage und Fußbodenheizung dafür, dass der Energieverbrauch bei nur 36,08 kWh pro Quadratmeter liegt - das ist fast Passivhausstandard. „Für ein denkmalgeschütztes Gebäude haben wir sensationelle Werte erreicht“, freut sich Architekt Schirmer. Was an Wärme noch benötigt wird, erzeugen ein Gasbrennwertgerät im Nachbargebäude sowie eine solarthermischen Anlage.

Schirmer achtete darauf, dass ökologische Baustoffe verwendet wurden und regionale Handwerksbetriebe zum Einsatz kamen. „Die Lesbarkeit des alten Bestandes sollte erhalten werden. Alle Materialien und Umbauten wurden deshalb dem historischen Gebäude angepasst“, betont der Architekt. So wurde für die Treppe Roteichenholz verbaut, aus dem auch die Böden gemacht sind. Die alte Klinkerwand, die Schlaf- und Badezimmer vom Wohnbereich trennt, wurde durch Steine eines abgerissenen Hauses aus der Nachbarschaft ergänzt und nicht überputzt. Das Tragwerk des ehemaligen Heubodens blieb sichtbar. Der gesamte Umbau zog sich über etwa zwei Jahre hin, die Kosten beliefen sich auf rund 170000 Euro.

Das Ehepaar Gisela und Ralf Schirmer bewohnt seit 2010 die rund 107 Quadratmeter große Wohnung auf zwei Etagen: Im Erdgeschoss befinden sich Flur, ein kleines Bad und ein kombiniertes Gäste- sowie Arbeitszimmer. Unter dem Dach gehen die großzügige Küche und der 4,70 Meter hohe Wohnbereich ineinander über. Daran schließen sich Bad und Schlafzimmer an. „Mein Sohn und ich haben gleiche Grundvorstellungen von dem, was Wohnen ist“, freut sich Ralf Schirmer. „Die Wohnung ist daher genauso geworden, wie ich sie mir gewünscht habe.“

Sebastian Hoff