Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Bauen & Wohnen Schönheitskur für den Heizkörper
Mehr Bauen & Wohnen Schönheitskur für den Heizkörper
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:05 09.09.2013
Lackiert werden Heizkörper an ihrem Standort. Nur Profis können die Geräte ausbauen. Quelle: Deutsches Lackinstitut
Anzeige
Wuppertal

Bevor die Heizsaison losgeht, kümmern sich Hausbesitzer meist darum, dass die Anlage einwandfrei läuft. Das ist wichtig – keine Frage. Aber was ist mit der Optik? Wer den Lack auf dem Heizkörper ausbessert, sollte das zeitig erledigen, bevor er das erste Mal hochgedreht wird. Denn ist der Radiator kühl, nimmt er den Lack besser auf, erklärt Michael Bross, Geschäftsführer des Deutschen Lackinstituts. Andernfalls trockne der Anstrich zu schnell, und der Lack lasse sich kaum verteilen. Die Folge sei eine unregelmäßige und raue Oberfläche.

Vor dem Lackieren sollte der Heimwerker schauen, ob sich Rost am Heizkörper breitgemacht hat. Gerade die Kanten von Plattenmodellen seien Schwachstellen, erläutert Matthias Wagnitz, Referent beim Zentralverband Sanitär, Heizung, Klima. Dort stoße etwa der Schrubber beim Hausputz immer wieder an – und der Lack blättert ab. Anfällig sei auch der untere Bereich des Heizkörpers.

Anzeige

Den Rost bis auf das Metall abschleifen

Das Deutsche Lackinstitut empfiehlt, den Rost bis auf das Metall abzuschleifen. „Sonst rostet der Heizkörper unter dem Metall weiter“, erläutert Bross. Treten rostige Stellen in Ventilnähe oder am Rücklauf auf, sollte ein Fachmann hinzugezogen werden. Dies ist ebenso nötig, wenn sich der Heizkörper irgendwo feucht anfühlt oder Wasser austritt. Dann ist er womöglich durchgerostet.

Damit die Grundierung besser hält, sollte man die gesamte Oberfläche des Heizkörpers mit Schleifpapier anrauen, erklärt der Lackexperte. Abblätternde Farbe schleift die Drahtbürste ab. Sonst sind später Übergänge sichtbar. Für Schmutz und Fett reicht ein Schwamm mit Seifenlauge. Anschließend muss die Oberfläche vollständig abtrocknen.

Lackiert wird der Heizkörper an seinem Standort. Von einem Ausbau rät Bross ab. Das sei nur etwas für den Profi. Thermostat und Ventil sollten vor Beginn der Arbeiten mit Kreppband abgeklebt werden, den Boden kann man mit Papier oder Abdeckfolie vor tropfender Farbe schützen.

Material und Werkzeug mitentscheidend

Neben den Vorarbeiten ist für ein gelungenes Ergebnis das richtige Material und Werkzeug entscheidend. „Lacke für die Heizung müssen hitzebeständig sein“, erklärt Ulrich Seiss, Dozent im Studiengang Farbtechnik, Raumgestaltung, Oberflächentechnik der Universität Wuppertal. Im Baumarkt sowie im Malerfachhandel gibt es spezielle Heizkörperlacke, die den hohen Temperaturen standhalten.

„Die Standardfarbtöne sind Weiß und Beige, man kann sich aber auch den gewünschten Farbton im Handel anmischen lassen“, sagt Seiss, der auch Vorstandsmitglied im Deutschen Farbenzentrum ist. Aber: „Weiß lackierte Heizkörper können nach drei bis vier Jahren vergilben.“ Dieser Prozess werde durch das Bindemittel verursacht. Das betreffe jedoch eher ältere Modelle. „Hingegen hält der Lackanstrich auf neuen, pulverbeschichteten Heizkörpern meist zehn Jahre.“

Seiss rät, die von Rost gesäuberten Stellen mit einem Rostschutzgrund vorzustreichen. Sobald dieser getrocknet ist, sollte die Fläche erneut angeraut und gereinigt werden. Dann erst folgt der deckende Anstrich, für den Seiss einen Acryllack empfiehlt. „Dieser wasserbasierte Lack ist umweltverträglicher und geruchsärmer und vergilbt weniger schnell als ein lösemittelhaltiger Alkydharzlack.“

Der richtige Ablaufplan

Als Erstes werden die Rohre, Anschlussstellen und Halterungen mit dem Pinsel gestrichen, erklärt Seiss. Kunststoffborsten eignen sich für Acryllacke und Naturborsten, sogenannte China- borsten, für Alkydharzlacke. Gerollt werde hauptsächlich auf Heizkörperplatten. Hierzu benötige der Heimwerker eine Lackrolle mit einem flusenfreien Bezug aus Polyesterfasern. Damit lässt sich die Platte gleichmäßig von oben nach unten lackieren.

Bei Gliederheizkörpern arbeitet man sich Parzelle für Parzelle vor. In die Rippen gelangt am besten ein Eckpinsel mit langem Stil und angewinkelten Borsten, erklärt Seiss. Die Vorderseiten werden anschließend mit dem Pinsel verschlichtet. Das heißt: Die Kanten erhalten einen zusätzlichen Anstrich, sodass ein glattes Farbbild entsteht.

„Je weniger Farbe aufgetragen wird, umso besser“, ergänzt Matthias Wagnitz. „Zu viele Farbschichten behindern die Wärmeleitfähigkeit der Heizung.“ Wenn möglich, sollte besonders bei alten, mehrfach überstrichenen Gussradiatoren zuvor die alte Farbe vollständig entfernt werden. Wagnitz rät, ein Farbspray zu verwenden – so kommt nur eine hauchdünne Schicht Farbe auf den Heizkörper. Allerdings lässt sich diese Arbeit nicht an jedem Ort umsetzen. Der Sprühnebel der Farbe kann die Umgebung verschmutzen, vor allem die hinter dem Heizkörper liegende Wand.

Vorsicht ist grundsätzlich auch bei Designheizkörpern geboten. „Ihre Oberflächenstrukturen und Farbgebungen sind so speziell, dass Heimwerker sie nicht einfach so nachempfinden können“, sagt der Sanitärexperte. Wagnitz empfiehlt, diese lieber von einem Profi ausbessern zu lassen.

Evelyn Steinbach