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Bauen & Wohnen Wenn Schimmel zum Streitthema wird
Mehr Bauen & Wohnen Wenn Schimmel zum Streitthema wird
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00:05 29.09.2012
In Badfugen bildet sich besonders häufig Schimmel. Das Fugenmaterial sollte bei starkem Befall erneuert werden.pastorscott/istockphoto.com
In Badfugen bildet sich besonders häufig Schimmel. Quelle: pastorscott/istockphoto.com
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Hannover

Die Wände schimmern grüngelblich, die Fugen im Bad sind vollständig verfärbt, und selbst die Möbel mit Schimmelpilzen durchsetzt: Solche Horrorbilder gibt es immer wieder im Fernsehen zu sehen. „Das hat mit der Normalität aber wenig zu tun“, sagt Claus Deese, Vorstand des Mieterschutzbundes e.V. in Recklinghausen: „In der Regel ist der Schaden deutlich geringer.“ Allerdings ist das Problem weit verbreitet: Etwa 25 Prozent aller Anliegen, die dem Mieterschutzbund zugetragen werden, haben mit Schimmel zu tun.

Immer wieder komme es deswegen zu Konflikten: „Die Standardreaktion der Vermieter ist häufig, der Mieter habe falsch gelüftet und geheizt“, sagt Deese. „In der Regel gehen Schimmelschäden aber auf Baumängel zurück, die vom Vermieter behoben werden müssen.“ Oftmals seien mehrere Faktoren ursächlich für die Schimmelbildung, nur selten liege ausschließlich ein Fehlverhalten des Mieters vor. „Rechnerisch müsste in manchen Gebäuden bis zu 30-mal am Tag gelüftet werden“, sagt Deese. Mehrere Gerichte urteilten aber, dass vom Mieter nur verlangt werden könnte, zweimal am Tag zu lüften, einmal morgens und einmal am Abend. Sollte trotzdem Schimmel auftreten, muss der Mieter dem Vermieter den Schaden umgehend melden. Im besten Fall setzen sich beide Parteien dann an einen Tisch und finden gemeinsam eine Lösung.

Oftmals jedoch gibt es keine gütliche Einigung. Kornelia Doll vom Bundesverband Schimmelpilzsanierung (BSS) e.V. rät daher, dass der Mieter Zeugen hinzuzieht und den Schaden mit Fotos dokumentiert. Am besten werde zudem ein gerichtsfestes Gutachten angefertigt, empfiehlt Deese. Eine Minderung der Miete sollte erst dann erwogen werden, wenn der Gutachter den Schaden eindeutig auf Baumängel zurückführe. Die Kosten für ein Gutachten beziffert der Mieterschutzbund-Vorsitzende auf bis zu 1000 Euro. Der Mieter müsse damit manchmal in Vorleistung treten, so Deese. Die Ausgaben bekomme er aber in der Regel später ersetzt. Reagiert der Vermieter auch nach Vorlage des Gutachtens nicht, sollte der Mieter vor Gericht auf Instandsetzung klagen.

Doll weist darauf hin, dass es unter den Gutachtern und Sanierungsfirmen jede Menge schwarze Schafe gebe. Der Bundesverband hat daher Qualitätsstandards entwickelt und bietet regelmäßig Schulungen an. Eine Liste mit fachkundigen Sachverständigen und Firmen findet sich auf der Website des Bundesverbandes Schimmelpilzsanierung. Auch die örtlichen Gesundheitsämter und Verbraucherzentralen helfen weiter.

Bei einer aufwendigen Beseitigung von Schimmelschäden können mehrere Tausend Euro Kosten anfallen, die in der Regel von einer entsprechenden Versicherung des Vermieters übernommen werden, erläutert Doll. Wird dem Mieter jedoch vor Gericht nachgewiesen, dass er für den Schimmelbefall verantwortlich ist, kann der Vermieter von diesem die Sanierungskosten einfordern. Wer kleinere Schimmelstellen selbst beseitigt, könne die Ausgaben dafür beim Vermieter einreichen, sagt Deese. Dieser sei aber nur verpflichtet zu zahlen, wenn ihm der Schaden frühzeitig gemeldet wurde und er eine gesetzte Frist zur Beseitigung verstreichen ließ.

Schimmel auf Flächen, die kleiner als 20 Quadratzentimeter sind, kann auch ohne fachmännische Hilfe entfernt werden, heißt es in der Broschüre „Schimmel im Haus“, die vom Umweltbundesamt herausgegeben wird. Dazu sollte hochkonzentrierter Alkohol verwendet werden, der mit Schutzkleidung für Augen, Mund und Hände verrieben wird. Abgeraten wird davon, Essig einzusetzen, weil dieser das Schimmelwachstum fördern kann. Chemische Mittel wiederum können ihrerseits die Gesundheit gefährden.

Bei größerem Schimmelbefall sollten unbedingt Fachleute hinzugezogen werden, betont Doll: „Die Ursachenforschung ist dann das A und O. Der auslösende Schaden muss gefunden und mit dem Schimmel restlos beseitigt werden.“ Falls dies nicht geschieht, kann der Schimmel zurückkommen. Und selbst abgetöteter Schimmel kann allergische Reaktionen wie Kurzatmigkeit, Kopfschmerzen und Schnupfen auslösen.

Sebastian Hoff