Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Bauen & Wohnen Einmal waschen, schneiden, legen
Mehr Bauen & Wohnen Einmal waschen, schneiden, legen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:21 16.09.2013
Auf dem eigenen Grundstück dürfen auch geliehene Minibagger selbst bedient werden. Quelle: istockphoto.com/nicolamargaret
Anzeige
Hannover

Das Garagendach reinigen, Fliesen schneiden oder Pflastersteine festrütteln – viele Arbeiten machen Heimwerker nur sehr selten. In diesen Fällen lohnt es sich nicht, die dafür notwendigen Geräte anzuschaffen. Dann empfiehlt es sich vielmehr, diese bei einem professionellen Verleiher zu mieten. „Entscheidend ist die Relation zwischen Kaufpreis und Miete sowie Nutzungshäufigkeit“, erläutert Michael Pommer, Trainer an der Heimwerkerschule DIY-Academy in Köln. „Wenn ich eine Wand einreißen will, ist das oft eine einmalige Geschichte. Löcher bohre ich hingegen häufiger.“ Seine Faustformel lautet: Sobald der Mietpreis ein Drittel des Kaufpreises übersteigt, sollte man das Werkzeug erwerben.

Mehrere Verleihstellen in Deutschland

Zu leihen gebe es mittlerweile so ziemlich alles, von der handgeführten Maschine bis zu hydraulischen Geräten wie Hebebühnen, sagt Stefan Trippler, Geschäftsführer der Rentas GmbH in Essen. Das Unternehmen betreibt im Franchise-System mehrere Verleihstellen in Deutschland. „Unser Sortiment für Privatkunden haben wir in den vergangenen Jahren ausgedehnt, weil sich viele immer mehr zutrauen.“ Unter den Kunden seien Studenten, die ihre Wohnung renovieren, ebenso wie Bauherren, die viele Arbeiten in Eigenleistung erbringen. Besonders häufig werden seiner Erfahrung nach Stemm- und Meißelhammer, Teppichreinigungsgeräte und Rüttelplatten gemietet. Die Preise schwanken zwischen fünf Euro am Tag für einfache Geräte und bis zu 100 Euro für einen Bagger. Besonders günstig sind bei Rentas – wie auch bei anderen Verleihern – die Wochenendtarife von Freitagnachmittag bis Montagfrüh.

Anzeige

Konstantin Krohne, Niederlassungsleiter der Firma Baumgarten, die Filialen in mehreren niedersächsischen Städten betreibt, hat beobachtet, dass Kleingeräte seit einiger Zeit seltener geliehen werden, weil die Preise dafür gesunken sind und sich Heimwerker diese häufig selbst anschaffen. Kondenstrockner oder Parkettschleifgeräte etwa seien hingegen konstant stark nachgefragt. In der Regel könnten fast alle Geräte kurzfristig bestellt und abgeholt werden. Größere Maschinen wie Minibagger würden auch zur Baustelle geliefert, sagt Krohne. Die durchschnittliche Leihdauer betrage zwei bis drei Tage.

„Jeder dürfe grundsätzlich alles leihen“

Grundsätzlich dürfe jeder alles leihen, betont Trippler: „Auf dem eigenen Grundstück ist alles erlaubt, auch das Fahren mit dem Minibagger.“ Jeder Kunde erhalte aber eine ausführliche Einweisung, die er schriftlich bestätigen muss. Alle Geräte seien vorm Verleihen zudem auf ihre Sicherheit und Funktionstüchtigkeit hin geprüft worden. Eine qualitativ hochwertige Maschine erkenne der Kunde am Markennamen und am Prüfsiegel, heißt es bei einer Baumarktkette, die ebenfalls an vielen Standorten Geräte vermietet. Wer dort leihen möchte, muss seinen Personalausweis zeigen und eine Kaution hinterlegen.

Die Firma Baumgarten empfiehlt Kunden zusätzlich den Abschluss einer Versicherung gegen Schäden unter anderem durch unsachgemäßen Gebrauch. Dafür werden neun Prozent des Mietpreises fällig. Gratis hingegen gibt es oftmals eine ausführliche Beratung. „Wir lassen uns von den Kunden meistens erklären, was sie vorhaben, und empfehlen ihnen anschließend das passende Gerät“, erläutert Krohne. „Außerdem sagen wir ihnen, wie sie damit am besten arbeiten.“ Hilfreich sei es, wenn die Kunden Materialproben mitbrächten oder Bilder auf ihrem Smartphone zeigten.

Dass Heimwerker mit den Geräten umgehen können und diese zu ihren Fähigkeiten passen, hält Pommer für essenziell wichtig: „Vor allem das Verhältnis Leistung zu Kraft muss stimmen – beim Menschen ebenso wie bei der Maschine.“ Seiner Erfahrung nach überschätzten und übernähmen sich viele Heimwerker: „Sie stellen sich vielleicht vor, dass sie für die Arbeit nur fünf Minuten brauchen, und dann dauert es aber zwei Stunden.“ Dabei erweise sich unter Umständen das gemietete Gerät als zu groß und zu schwer für eine längere Nutzung. „Die Arbeit soll doch Spaß machen“, meint Pommer. „Deswegen ist es nicht gut, wenn man sich selbst überfordert.“

Nachteile des Geräteleihs

Der Trainer ist der Ansicht, dass Heimwerker einen gewissen Satz an Geräten selbst im Haus haben sollten. Dazu gehörten etwa ein Bohrhammer, ein Akkuschrauber oder eine Stichsäge. Das Leihen von Geräten habe nämlich häufig einen gravierenden Nachteil: „Man steht damit unter Zugzwang, es in einer bestimmten Zeit schaffen zu müssen.“ Oder man müsse die Mietdauer verlängern, was höhere Kosten verursache.

Wenn ein Kunde mehrfach das gleiche Gerät mieten wolle, würde ihm auch schon mal nahegelegt, dieses zu kaufen, erzählt Trippler. „Wir sprechen das aktiv an. Er kann dann bei uns ein Gebrauchtgerät erwerben.“ Grundsätzlich sei die Ausleihe eine unemotionale Angelegenheit. In seltenen Fällen komme es aber vor, dass sich ein Kunde von einem gemieteten Gerät nur ungern wieder trenne – zum Beispiel von einem Minibagger, erzählt Trippler: „Wenn dann der Anruf kommt ‚ich schaff’ es nicht bis morgen’ – dann weiß ich oft, da sitzt einer drauf, der hat einfach Spaß daran.“

Sebastian Hoff