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Tipp des Tages Diese Filme sind neu in den Göttinger Kinos
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15:17 17.10.2018
Rowan Atkinson als Johnny English in einer Szene des Films «Johnny English - Man lebt nur dreimal» Der Film kommt am 18. Oktober in die deutschen Kinos. Quelle: Universal Pictures/dpa
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Göttingen

Die Kinostarts der Woche im Überblick:

„Johnny English 3“

Nach einem Cyberangriff sind alle Geheimagenten Ihrer Majestät enttarnt. Der MI7 muss auf Ehemalige zurückgreifen und aktiviert Johnny English (Rowan Atkinson) – ausgerechnet jenen Mann, der bereits in zwei (Film-)Abenteuern gezeigt hat, dass er alles nur noch schlimmer macht, bevor er versehentlich doch noch zum Erfolg kommt.

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Seinen alten Kumpel Bough (Ben Miller) im Schlepptau, macht sich der Agent ohne Angst und ohne Ahnung in gewohnter Manier an die Ermittlungsarbeit. Die Spur führt zum Internetunternehmer Jason Volta (Jake Lacey), der die Premierministerin (Emma Thompson) überzeugen will, ihm die Datensicherheit des Landes anzuvertrauen. Dass die Welt sich in rasendem Tempo digitalisiert hat, ficht einen Old-School-Spion nicht an. Johnny English geht lieber in eine Telefonzelle, statt zum Handy zu greifen. Sein Exoskelett-Anzug wird mit einer altertümlichen Floppy Disk aktiviert. Wenn er sich eine VR-Brille aufsetzt, hält er prompt die virtuelle für die echte Realität – was in einer gut geschnittenen Sequenz zu allerlei Chaos führt.

Die Handlung ist logischerweise eine Persiflage auf James Bond. Mit Olga Kurylenko als schöner Schergin des Schurken ist sogar ein Ex-Bond-Girl („Ein Quantum Trost“) mit von der Partie. Doch der Plot ist Nebensache. Die Attraktion ist der Hauptdarsteller. Regisseur David Kerr verlässt sich auf die Gesichts- und Körperakrobatik von Rowan Atkinson als Schussel-Spion. Allerdings sieht man Atkinsons Slapstick-Einlagen oft schon von Weitem kommen. Mancher Gag wird erst dadurch wirklich amüsant, dass die Mitspieler so schön verständnislos schauen.

„Johnny English – Man lebt nur dreimal“, Regie: David Kerr, mit Rowan Atkinson, Olga Kurylenko, Emma Thompson, 88 Minuten, FSK 6. Läuft im Cinemaxx Göttingen, in der Neuen Schauburg Northeim, im Movietown Eichsfeld in Duderstadt und in den Central-Lichtspielen Herzberg.

„Der Vorname“

Sönke Wortmann zettelt Streit im Eigenheim an: Die bissige Gesellschaftskomödie „Der Vorname“.

Das Ultraschallbild wird herumgereicht. Man staunt, wie sich das gehört. Ein Junge soll es werden. Wie soll der Kleine denn heißen? „Ratet mal“, sagt der werdende Vater Thomas (Florian David Fitz). So etwas kann dauern. Als man bei „Donald“ angelangt ist, kann sich das Rateteam kaum halten vor Lachen. Dann fällt der tatsächliche Wunschname: Adolf soll der Stammhalter heißen. Entsetzen macht sich breit.

Elisabeth (Caroline Peters) und ihr Mann Stephan (Christoph Maria Herbst) hatten zum Essen ins wohlige Bonner Eigenheim geladen. Indisches Huhn soll es geben. Ihr Bruder Thomas hat eine teure Flasche Wein mitgebracht, der enge Kindheitsfreund der Familie, René (Justus von Dohnányi), einen schlechten Rosé. Die werdende Mutter Anna (Janina Uhse) wird etwas später erwartet.

Einstweilen bringt Thomas Argumente für die Namenswahl vor: Den Adolf-Grimme-Preis habe auch keiner abgelehnt, nur weil der Vorname an einen Massenmörder erinnert. Josef sei akzeptiert trotz Stalin und dem Gulag. Die Tabuisierung des Namens Adolf mache den Mythos Hitler nur noch größer. Sein Sohn Adolf werde gerade wegen seines Namens von früh auf ein politisch denkender Mensch sein.

Jedes Argument, das Thomas, der gewiefte Immobilienmakler, vorträgt, bringt seinen Schwager auf die Palme. Stephan ist Hochschullehrer, ein intellektuelles Alphatier. Die Namenswahl kränkt sein linksliberales Ehrgefühl. Das Dinner eskaliert schon vor der Vorspeise. Dabei fungiert der Namensstreit in Sönke Wortmanns „Der Vorname“ nur als Türöffner für eine bissige Gesellschaftskomödie, in der die Konflikte bald vom Politischen ins Persönliche führen.

Die Geschichte beruht auf einem Theaterstück von Alexandre de La Patellière und Matthieu Delaporte, das bereits 2012 in Frankreich sowie 2015 in Italien verfilmt wurde. Wortmann transportiert den Stoff glaubwürdig in deutsche Bildungsbürgerstuben. Der Film erinnert an Klassiker wie „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ oder „Gott des Gemetzels“, auch wenn ihm die gallig-bittere Note fehlt.

Mit Genuss treibt Regisseur Wortmann die Konfliktspirale in einer Gruppe weiter, die sich seit Kindheitstagen kennt. Aber gerade auf dem Feld lebenslanger Vertrautheit gedeihen Voreingenommenheit, das Nie-Gesagte bricht hervor, Geheimnisse werden spektakulär gelüftet. Das Drehbuch ist klug gebaut, die scharfsinnigen Dialoge entwickeln immer wieder überraschende Explosionskräfte, das Ensemble geht mit Spaß und Präzision zu Werke.

Florian David Fitz streift ja immer wieder das Image des netten Schönlings ab und lässt es fies angehen. Christoph Maria Herbst spielt das, was er fast immer spielt, aber diesmal mit noch mehr Gift. Justus von Dohnányi trumpft mit Teddybär-Charme auf. Einzig bei Caroline Peters wundert man sich, warum ein Energiebündel wie sie für die Rolle der braven Hausfrau ausgewählt wurde – bis sie so richtig loslegt.

„Der Vorname“, Regie: Sönke Wortmann, mit Caroline Peters, Christoph Maria Herbst, Florian David Fitz, 91 Minuten, FSK 0. Läuft im Cinemaxx Göttingen.

„The Guilty“

Dänischer Thriller im Oscar-Rennen: „The Guilty“ spielt in einer Notrufzentrale.

Die Regeln der Thriller-Telefonie im Kino lauten so: 1. Du kannst nichts sehen, das Telefon kann dich also betrügen. 2. Du kannst alles hören, aber du bist zu weit weg, um zu retten.

So ist das auch in „The Guilty“, dem Regiedebüt von Gustav Möller. Der exzellente Jakob Cedergren verkörpert einen Telefonisten in der Notrufzentrale. Plötzlich hat er eine Frau in der Leitung, die entführt wurde, die im Auto des Kidnappers sitzt und wimmert. Vom Entführer erhält er den Rat: „Halten Sie sich da raus!“ Macht Holm nicht. Berufsehre.

Kleines Setting, riesige Spannung. Alles spielt in der Notrufzentrale. Holm ist ein nach einem „Vorfall“ zum Bürodienst verdonnerter Polizist. Blind vor Tatendrang will er etwas Gutes und Großes tun. Doch Hybris bringt ihn dazu, Kompetenzen zu überschreiten, falsche Entscheidungen zu treffen. Das Skript von Möller und Emil Nygaard Albertsen ist bis zum Ende voller Finessen. Der Film ist Dänemarks Einreichung für die Oscars 2019. Nicht, dass ein kleiner Thriller eine Chance hätte, aber Hollywood wird binnen fünf Jahren garantiert ein Remake machen. Das ist so sicher wie das nächste unheilvolle Telefonklingeln im Kino.

„The Guilty“, Regie: Gustav Möller, mit Jakob Cedergren, Jessica Dinnage, 85 Minuten, FSK 12. In Göttingen im Cinemaxx.

The Man Who Killed Don Quixote“

Den besten und charmantesten Witz liefert Terry Gilliam schon vor dem Film - mit einer Texttafel: „Nach mehr als 25 Jahren in Arbeit … oder Nicht-Arbeit … endlich im Kino.“ Denn die epische Produktionsgeschichte des Werks ist mit dem Wort Katastrophe noch zurückhaltend beschrieben und war für den Filmemacher ein wahres Martyrium. Dass der Film überhaupt noch das Licht der Leinwand erblickt, gleicht einem mittelgroßen Wunder.

Der nun endlich fertiggestellte „Don Quixote“ ist typisch Terry Gilliam: ein schräges, leicht chaotisches Spektakel mit wilden Bild-Ideen und Szenarien, umweht von einem Hauch Monty-Python-Anarchie. Jonathan Pryce als Don Quixote und Adam Driver als zynisch-eitle Regisseur Toby liefern sich ein grandioses schauspielerisches Duell, und auch für die weiteren Rollen konnte Gilliam große Stars gewinnen.

The Man Who Killed Don Quixote“, Regie: Terry Gilliam, mit Adam Driver, Jonathan Pryce, 132 Minuten. In Göttingen im Lumière.

„Foxtrot“

Für den Architekten Michael und seine Frau Dafna bricht eine Welt zusammen, als eines Tages Offiziere vor der Tür ihres Hauses in Tel Aviv stehen und ihnen mitteilen, dass ihr 19-jähriger Sohn Jonathan, der gerade seinen Militärdienst leistet, gefallen sei.

Dafna ist wie gelähmt, doch Michaels anfängliche Trauer und Verständnislosigkeit wird langsam zu rasender Wut. Als dann auch noch ein Bestattungsoffizier auftaucht, um mit den trauernden Eltern die bürokratischen Details der Beerdigung zu klären, verschlimmert das die Situation weiter. Aber dann nimmt das Schicksal von Michael und Dafna plötzlich eine unvorhergesehene Wendung...

„Foxtrot“, Regie: Samuel Moaz, mit Lior Ashkenazi, Sarah Adler, Yonatan Shiray, 113 Minuten, FSK 12. In Göttingen im Lumière.

„Shut Up and Play the Piano“

Chilly Gonzales ist exzentrischer Musiker und Komponist, der bei seinen Auftritten ganz selbstverständlich gegensätzliche und scheinbar unvereinbare Musikgattungen wie Kammermusik, Rap und elektronische Musik miteinander vermengt. Aufgrund seines einzigartigen Stils gilt Gonzales als Vorbild für zahlreiche andere Künstler.

„In Shut Up and Play the Piano“ zeichnet der Regisseur Philipp Jedicke den Weg von Gonzales aus seiner kanadischen Heimat über die Berliner Underground-Szene der 90er Jahre bis in die Pariser Konzerthäuser der Gegenwart nach und beleuchtet dessen Bühnenfigur von allen Seiten. In der Dokumentation ist unveröffentlichtes Material aus Gonzales’ persönlichem Video-Archiv genauso zu sehen wie neu gedrehte Interviews, Live-Mitschnitte von Auftritten und Spielfilmszenen.

„Shut Up and Play the Piano“, Regie: Philipp Jedicke, 85 Minuten, FSK 0. In Göttingen im Lumière.

Von Jörg Brandes, Martin Schwickert, Matthias Halbig

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