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Tipp des Tages Diese Filme laufen ab Donnerstag in den Kinos der Region
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15:54 23.01.2019
Sylvester Stallone (l) als Rocky Balboa und Michael B. Jordan als Adonis Creed in einer Szene des Films "Creed II" Quelle: Warner Bros. Entertainment
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Göttingen

Disney nimmt sich im Internet selbst auf sie Schippe. Der alternde Silvester Stallone will’s im Boxring noch mal wissen. Und Hundedame Bella will wieder nach Hause. Das sind die neuen Kinofilme, die in dieser Woche in der Region Göttingen anlaufen. Hinzu kommen überregionale Kinostarts.

„Chaos im Netz“: Ralph reicht’s mal wieder

Ralph und Vanellope erleben verrückte Abenteuer mitten im Internet. Quelle: dpa

Randale-Ralph ist zurück. Er war der klobige Antiheld im Animationsfilm „Ralph reicht’s“ (2012), der in einem Uralt-Videospiel Gebäude schrottete. Die Bewohner seines Blocks schnitten den Grobian, weil sie Rolle mit Persönlichkeit verwechselten, und so machte sich der gutherzige Riese auf den Weg in ein anderes Spiel, wo er der Rennfahrerin Vanellope zu Ruhm und Ehre verhalf. Die beiden Außenseiter wurden beste Freunde für immer. Einspielergebnis gut, alles gut.

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Jetzt kehren sie zurück. In „Chaos im Netz“ hat jemand das Steuerrad des Videospielautomaten zerbrochen, in dem Vanellope ihre „Sugar Rush“-Rennen fährt. Nur wenige Tage bleiben ihr und Ralph, um Ersatz zu beschaffen, sonst wird der Besitzer das Spiel entsorgen.

Moderne Zeiten ziehen zeitgleich in „Litwac’s Family Fun Center“ ein. „Wi-Fi, das ist ein Hund oder was Französisches“, mutmaßt Ralph. Und – schwupps – schon sind er und Vanellope via Wi-Fi im Internet, das in diesem Film ein virtuelles Metropolis ist. Dort treffen sie auf Pop-up-Werbung, Ad-Blocker und Chefalgorithmen – alles witzige Figuren – und können in Browsern, die wie Flugtaxis aussehen, über Datenautobahnen zu den Wolkenkratzern diverser Websites flitzen.

Disney erklärt das Internet

Disney bevölkert und erklärt das Internet. In „Ralph reicht’s“ erzählten die Regisseure Rich Moore und Phil Johnston aus dem Alltag von Videospielfiguren, die mehr waren als binäre Kreationen, die ein Leben und Gefühle hatten. Sechs Jahre später wird der Blick geweitet. Und die hoffnungslosen Landeier Ralph und Valellope stolpern überfordert durchs Web, müssen erkennen, dass es bei der Ebay-Auktion um das einzige „Sugar Rush“-Steuerrad nicht nur um lustiges Ausrufen immer höherer Zahlen ging. 27 001 Dollar schulden sie Ebay.

Und so wird Ralph mit viralen Videos zum Star der fiktiven Youtube-Konkurrenz Buzzztube. Aus den Likes (in diesem Fall rosa Herzchen) werden Dollar. Während Vanellope von der wiggeligen neuen Welt hingerissen ist („Wo warst du mein ganzes Leben?“), ist Ralph bald abgetörnt. Erst recht, als der Shitstorm der Kommentare über ihn hinwegrollt. Da reicht’s Ralph mal wieder.

Reichlich Spitzen

Die Regisseure leisten sich nicht nur Spitzen gegen die Auswüchse des Internets, sondern auch gegen die Motive von Disney-Filmen. Gipfel des Vergnügens ist ein Besuch Vanellopes auf der Website Disney.com. Die versammelten Disney-Prinzessinnen – von Schneewittchen bis zur Eiskönigin – befragen sie auf ihre Erfahrungen: „Glauben die Leute bei dir auch, dass all deine Probleme gelöst waren, nur weil ein starker Mann kam?“

Die Moral von der Geschicht‘: Nachdem Ralph beim furiosen Showdown vor Eifersucht beinahe das Internet lahmgelegt hat, muss der starke Mann lernen, dass Freiheit das Herz der Freundschaft ist. Die Disney-Prinzessin Vanellope emanzipiert sich. Ein Fortschritt!

Von Matthias Halbig

„Chaos im Netz“, Regie: Rich Moore, Phil Johnston, 112 Minutzen, FSK 6 // Cinemaxx Göttingen, Mouvitown Duderstadst, Kinowelt Herzberg

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Sylvester Stallone (l) als Rocky Balboa und Michael B. Jordan als Adonis Creed in einer Szene des Films "Creed II". Quelle: dpa

Boxdrama: „Creed 2“ – Rocky kann’s nicht lassen

Nach dem Erfolg von „Creed – Rocky’s Legacy“ (2015) folgt mit „Creed 2“ Teil acht der „Rocky“-Saga. Sylvester Stallone spielt wieder die Boxlegende Rocky Balboa, Michael B. Jordan teilt als Jungboxer Adonis Creed aus.

Adonis Creed ist in „Creed 2“ in die Fußstapfen seines Vaters Apollo getreten. Als Ivan Dragos Sohn Viktor (Florian Munteanu) mit ihm kämpfen will, ist Rocky dagegen: Er erinnert sich, wie Viktors Vater im Ring Apollo Creed totschlug.

Der Trailer zu „Creed 2“

 

Überraschenderweise sind die Rollen von Gut und Böse nicht eindeutig verteilt. Und eine leibhaftige RTL-Dschungelkönigin ist auch dabei: Brigitte Nielsen. eco

„Creed 2“, Regie: Steven Caple Jr., mit Sylvester Stallone, 130 Minuten, FSK 12 // Cinemaxx Göttingen, Mouvietown Duderstadt, Kinowelt Herzberg

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„Chaos im Netz“: Ralph reicht’s mal wieder

Ashley Judd (r) als Mutter und Jonah Hauer-King als Lucas in einer Szene des Films "Die unglaublichen Abenteuer von Bella" (undatierte Filmszene). Quelle: dpa

Von treuen Hunden erzählt das Kino gern und immer wieder, siehe die nimmermüde „Lassie“. In „Die unglaublichen Abenteuer von Bella“ geht es nun um eine putzige kleine Hundedame namens Bella, die 400 Meilen zurücklegt, um wieder bei ihrem Besitzer zu sein – im englischsprachigen Original trägt der Film denn auch den treffenden Titel „A Dog’s Way Home“.

Von klein auf war Bella bei ihrem Herrchen Lucas, einem Medizinstudenten. Zusammen haben sie so manches Abenteuer bestanden. Eines Tages aber verläuft sich Bella bei der Jagd nach einem Eichhörnchen. Auf ihrer langen Reise zurück zu Lucas bekommt es Bella mit Elchen, Wölfen und Pumas zu tun, genauso aber auch mit Lawinen – und auch mit fremden Menschen, die es nicht nur freundlich mit ihr meinen. Auf der Leinwand zu sehen sind neben dem Hund Ashley Judd („Die Bestimmung“-Reihe) und Jonah Hauer-King. Kino für die ganze Familie – und keineswegs nur für Hundefreunde. aln

„Die unglaublichen Abenteuer von Bella“, Regie: Charles Martin Smith, mit Ashley Judd, Jonah Hauer-King, 96 Minuten, FSK 0 // Cinemax Göttingen

Der Trailer zu „Bella“https://youtu.be/AsKDAasP7bo

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Weitere überregional anlaufende Filme

Emma Stone als Abigail Masham in einer Szene des Films "The Favourite - Intrigen und Irrsinn" (undatierte Filmszene). Quelle: dpa

„The Favourite“

Was ist bloß in Yorgos Lanthimos gefahren? Der Meister der Analyse gesellschaftlicher Perversionen legt Puder und Perücke auf und inszeniert ein üppiges Historiendrama.

Zur Erinnerung: Lanthimos ist der griechische Regisseur, der in „Dogtooth“ (2009) die Familie als abgeschottetes Zwangssystem entdeckte, in „Lobster“ (2015) Paarbeziehungen ad absurdum führte und zuletzt in „The Killing of a Sacred Deer“ (2017) ein archaisches Spiel um Schuld und Sühne in den heutigen USA veranstaltete. Und nun lädt ausgerechnet dieser Filmemacher ein zu Opulenz am Hof der britischen Königin Anne.

Olivia Colman (r) als Queen Anne und Rachel Weisz als Lady Sarah in einer Szene des Films "The Favourite - Intrigen und Irrsinn" (undatierte Filmszene). Quelle: dpa

 

Doch bleibt Lanthimos auch im aristokratischen Ambiente zu Beginn des 18. Jahrhunderts ein der Welt zugeneigter Regisseur, der sich von prächtigen Kulissen und ausufernder Dekadenz keineswegs den Blick auf unsere Gegenwart verstellen lässt. Zugleich aber hat er Spaß an lächerlichen männlichen Gockeln, die im Schloss Entenrennen oder Zielwerfen mit Orangen auf nackte Geschlechtsgenossen veranstalten. Die sogenannten Herren der Schöpfung können mit der Gewitztheit der Frauen ganz und gar nicht mithalten.

Denn das ist der Clou an der schwarzhumorigen Kostümkomödie „The Favourite“, die beim Filmfestival in Venedig im September den Großen Jury-Preis gewann: Die große Politik machen die Frauen unter sich aus. Die Herren der Schöpfung übernehmen hier – nun ja – das Frauenprogramm.

Die launische Königin Anne (Olivia Colman, für diese Rolle gerade mit dem Golden Globe ausgezeichnet) lässt sich mit ihren Gebrechen im Rollstuhl durch den Palast schieben, ist sich ihrer unangefochtenen Machtstellung aber durchaus bewusst. Das macht den Umgang mit ihr nicht eben einfacher.

Ihre engste Vertraute ist Lady Sarah (Rachel Weisz). Diese rauscht mit dem Furor eines Musketiers durchs Schloss, verfügt aber leider nicht über jene Tugenden, wie sie die Fechtkünstler zumindest bei Romanautor Alexandre Dumas besaßen. Zudem kann sie sich Moral auch nicht leisten, wenn sie im aristokratischen Spinnennetz nicht gefressen werden will.

Sarah weiß ihre Herrin zu manipulieren. Sie ist die Strippenzieherin auch bei Fragen von Krieg oder Frieden im Konflikt mit Frankreich. Für diese Vorrangstellung muss Sarah einen Preis zahlen: Sie ist der Königin Tag und Nacht zu Diensten – und zwar in jeder Hinsicht.

Zu den beiden stößt alsbald Sarahs im gesellschaftlichen Abseits gelandete Cousine Abigail (Emma Stone). Mit List und Tücke infiltriert die so unschuldig Dreinblickende das Vertrauensverhältnis zwischen Königin und Lady und schiebt sich selbst unmerklich zwischen die beiden. Die Auseinandersetzung der Rivalinnen um die Gunst der Königin wird bis aufs Blut geführt. Ein Taubenschießen in den königlichen Gärten gerät zum subtilen Duell.

Was bei den gefährlichen Liebschaften am Hofe der Königin auf der Strecke bleibt, sind die surrealen Einsprengsel, für die Lanthimos bislang stets gerühmt wurde. Hier bleibt er auf dem Boden der Historie, installiert dort aber erstaunlich modern wirkende Figuren.

Erstmals hat Lanthimos das Drehbuch nicht selbst verfasst, sondern diesen Job anderen überlassen (Deborah Davis, Tony McNamara). Der Regisseur konzentriert sich ganz darauf, die Bösartigkeit unter dem Puder sichtbar zu machen. Je länger die Macht- und Liebesspielereien im Dunstkreis der politisch Herrschenden dauern, desto verwunderter reibt sich der Zuschauer die Augen: Das wirkt doch alles erstaunlich gegenwärtig.

Von Stefan Stosch

Regie: Yorgos Lanthimos, mit Olivia Colman, Rachel Weisz, / 120 Minuten, FSK 12

 

Interview mit Emma Stone: „Ich musste Lehrgeld zahlen“

Emma Stone, wie gefiel Ihnen als Amerikanerin dieser Ausflug an den englischen Hof?

Die britische Monarchie und dieses ganze höfische Protokoll waren für mich Neuland. Und dann die komplizierten Schießeisen aus dem 18. Jahrhundert, dazu das Reiten! Auf der anderen Seite stand das moderne Verhalten der Frauen. Sie brauchen keine Männer, sie gehen ihren eigenen Weg. Drei starke Frauen im Fokus, Männer als Randfiguren – diese Rollenverteilung ist ziemlich rar im Kino.

Emma Stone Quelle: dpa

 

Einmal sagt Ihre Figur Abigail: „Ich bin immer auf meiner Seite“: Können Sie mit diesem Motto etwas anfangen?

Natürlich muss man auf sich achtgeben. Aber zu glauben, die eigene Sicht der Dinge sei die einzig wahre, halte ich für ungesund. Abigail ist eine Überlebenskünstlerin. Sie braucht diese Stärke, um sich durchzuboxen, sonst würde sie wieder in Armut landen.

Wie haben Sie sich denn in Ihren Anfangsjahren in Hollywood durchgeboxt?

Ich musste oft vorsprechen für meine Rollen, vielleicht half mir dabei eine gewisse jugendliche Naivität. Ich bin ins kalte Wasser gesprungen. Natürlich musste ich auch Lehrgeld zahlen. In Los Angeles jagen viele denselben Träumen hinterher, viele bleiben auf der Strecke. Glück gehört auch dazu.

Als Kind litten Sie unter Panikattacken. Heute immer noch?

Die Schauspielerei half mir, die Attacken einzudämmen, aber sie sind nicht verschwunden. Sie gehören wohl zu meiner Persönlichkeit. Die Ängste werde ich wahrscheinlich nie ganz unter Kontrolle kriegen. Als Dreißigjährige gehe ich allerdings anders damit um – ich bin seit 13 Jahren im Geschäft.

Bereuen Sie es manchmal, die Schule früh verlassen zu haben?

Ab und an denke ich, ich hätte sie vielleicht durchziehen sollen. Aber damals schien es mir falsch. Ich habe inzwischen mein inneres Gleichgewicht gefunden und lasse mich auch nicht von Ehrgeiz auffressen.

Interview: Margret Köhler

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„Beautiful Boy“: Entzug und Rückfall

Gelungenes Drogendrama mit Timothée Chalamet: „Beautiful Boy“

Timothee Chalamet als Nic in einer Szene des Films "Beautiful Boy" Quelle: dpa

 

Am Ende steht eine Texteinblendung, die eine Ungeheuerlichkeit verkündet: Die häufigste Todesursache bei Menschen unter 50 in den USA ist die Überdosierung von Drogen. Ähnlich wie kürzlich „Ben is Back“ zeigt auch Felix van Groeningens „Beautiful Boy“, dass Drogenmissbrauch nicht nur ein Problem Unterprivilegierter ist, sondern längst die US-Wohlstandsgesellschaft erfasst hat.

Das Haus des Journalisten David Sheff (Steve Carell) im schönen Marin County nördlich von San Francisco ist ein warmes, komfortables Nest. „Warum?“, fragt David irgendwann, als er es nicht mehr aushält, dass sein Sohn (Timothée Chalamet) mit Crystal Meth die verheerendste aller Drogen nimmt. Eine Antwort kann er nicht wirklich erwarten.

 

Dem belgischen Regisseur van Groeningen („Broken Circle“) geht es in seinem US-Debüt nicht um die Ursache, sondern um die Wirkung der Drogen. Es ist ein Kreislauf aus Entzug und Rückfall. Chalamet („Call Me By Your Name“) spielt die unfertige, in Auflösung befindliche Persönlichkeit des Süchtigen atemberaubend.

Von Martin Schwickert

„Beautiful Boy“, Regie: Felix van Groeningen, mit Steve Carell, Timothée Chalamet, 120 Minuten, FSK 12

Von Ulrich Schubert