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Gartentipps Aralia californica – Eine selten gepflanzte dekorative Schönheit
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16:40 13.10.2013
Aralia californica: dunkle Fruchtstände und im Oktober einsetzende Herbstfärbung. Quelle: Traub
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Hardegsen

Natürlich gibt es längst regalfüllende wissenschaftliche Studien und Erkenntnisse, die Wirksamkeit und Nutzen solcher längst von Rechnern „entworfenen“ Namen nachgehen, und dies gewiss nicht nur bei Automobilen.

Im Garten allerdings, so will es scheinen, ist derlei digitale Kreativität noch nicht angekommen. Jedenfalls ist mir bisher nicht aufgefallen, dass die Namensfindung von Pflanzen neuerdings auch an Computer delegiert wird, deren wunderliche Wortschöpfungen meist Assoziationen von Freiheit und Abenteuer, Kraft und Souveränität, Attraktivität und Wohlstand wecken.

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Nein, bei den Pflanzen geht es noch etwas gemütlicher zu. Dass das nicht immer der Weisheit letzter Schluss sein muss, zeigt der deutsche Name unserer heutigen Protagonistin, den hat gewiss kein Computer verkaufsfördernd zusammengemischt. Er hört sich eher nach Volksmund an.

Unverschämter Geselle

Wie kann man eine so wunderschöne, imposante und doch friedliche, keinesfalls wuchernde Großstaude „Elefantengiersch“ nennen? Jeder Gartenanfänger weiß, hier nennt man einen der größten Schrecken im Beet beim Namen: Aegopodium podagraria, besser bekannt als Giersch.

Wer ihn im Garten hat, lernt viel über eine der gärtnerischen Haupttugenden, die Geduld. Aber dazu ein andermal. Dass nun auch noch die Steigerung dieses unverschämten Gesellen existieren soll, wird wohl eher Entsetzen hervorrufen als die Karriere der heute vorgestellten, überaus gartenwürdigen Pflanzengestalt befördern.

Botanisch heißt die zu Unrecht Verleumdete Aralia californica und hat mit dem üblen Beetunterwanderer rein gar nichts zu tun. Das hört sich schon netter an, nicht wahr? Aber der südliche Anklang im Namen sorgt erneut für ein Missverständnis. Kann denn jemand, der in Kalifornien zu Hause ist, unsere Winter überstehen?

Aber ja, ohne auch nur ein Würzelchen einzubüßen, erträgt Aralia californica erhebliche Minusgrade, verabschiedet sich zu Winterbeginn voller Hoffnung auf Wiederkehr von ihren oberirdischen Teilen und schlummert so ohne Schaden dem kommenden Frühjahr entgegen.

Charakterstark

Nach dem Erwachen Ende April erfreut sie uns bald wieder mit ihren tatsächlich ein wenig an Giersch erinnernden gefiederten Blättern und den eleganten, bis zu einem halben Meter langen cremefarbenen Doldenrispen. Im Herbst nehmen die nicht weniger reizvollen Fruchtstände mit den schwarzen, ungenießbaren Beeren einen tiefen Brombeerton an, das Laub färbt sich dazu leuchtend gelb.

In ihrer Heimat findet man Aralia californica an feuchten, schattigen Plätzen. Bei uns fühlt sie sich im nicht zu trockenen Halbschatten am wohlsten. Gegen ein gutes Nahrungsangebot hat sie zwar nichts einzuwenden, findet sich aber auch mit weniger gut versorgten Böden erstaunlich gut ab.

Sogar Sommertrockenheit wird ohne Murren ertragen. Sie taugt zum Star in großen Beeten, wirkt überaus dekorativ vor dunklen Hecken, adelt als Vorpflanzung Gehölzensembles, wächst aber auch, charakterstark wie sie ist, mühelos in naturnahem Gelände.

Wer sie bei sich aufnehmen will muss wissen, dass sich das unscheinbare Kind im Topf in wenigen Jahren zu einer ausladenden Riesin entwickeln wird, die trotz sanften Wesens viel Raum braucht, um ihre eindrucksvolle Schönheit zu entfalten. Ein Prachtgeschöpf für Mutige mit einem Hang zur Großzügigkeit also. Ein Versuch lohnt allemal.

Von Angelika Traub