Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Gartentipps Der Garten im Januar
Mehr Familie Tipps Gartentipps Der Garten im Januar
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
16:25 19.01.2014
Auch im eigenen Garten zu verwirklichen: Moorbeet mit Wollgras. Quelle: Callauch
Anzeige
Göttingen

So wurden in burmesischem Bernstein kürzlich 100 Millionen Jahre alte Blüten entdeckt, bei denen sich zweifelsfrei die Keimung der Pollenschläuche auf der Narbe erkennen lässt, ein Schlüsselvorgang der modernen Blütenpflanzen. Damit wurde ein Fenster aufgestoßen in eine Zeit, in der Dinosaurier, Farne und Nadelbäume noch unseren Planeten beherrschten und an den Menschen noch gar nicht zu denken war.

In einer tropischen Welt entstanden die modernen Blütenpflanzen, die mit ihren Blüten Insekten anlockten und effektiv als Bestäuber einzusetzen verstanden. Eine neue Strategie wurde geboren, die sicherer zur nächsten Generation führte als es bei den altertümlichen Farnpflanzen und den windbestäubten Nadelbäumen der Fall war.

So erfolgreich wurde diese Gruppe, dass sie heute die Pflanzenwelt dominiert und die Menschheit ernährt. Es sind die Blütenpflanzen, die uns Nahrung, Kleidung, Medikamente und saubere Luft schenken. Ihre Inhaltsstoffe sind Arznei oder Gift, wie uns das soeben zur „Giftpflanze des Jahres“ gekürte Maiglöckchen beispielhaft zeigt.

Früher manchmal wegen seiner roten Beeren Ursache von Vergiftungen, heute durch Verwechslung mit dem an ähnlichen Standorten wachsenden Bärlauch immer wieder für Todesfälle durch Herzstillstand verantwortlich.

Gewinner im Klimawandel

Ebenfalls eine Blütenpflanze ist der Baum des Jahres 2014, die Traubeneiche (Quercus petraea). Sie ist oft kaum von der zweiten, einheimischen Eiche Quercus robur (Stieleiche) zu unterscheiden und gehört zum Inventar unserer Buchenwälder. Eine große Zahl von Tieren findet ihren Lebensraum in der Krone alter Eichen und macht sie zu einem wertvollen Bestandteil der Ökosysteme.

Auf keiner anderen Baumart leben mehr Insekten, Spechte, Käuze und Fledermäuse. Eichen werden nachweisbar 1000 Jahre alt und können Trockenperioden besser ertragen als andere, einheimische Laubbäume, was sie zu Gewinnern im prognostizierten Klimawandel machen wird.

Leider eignen sich die meisten Eichenarten nicht für kleine Gärten, aber in Landschaftsparks haben sie ihren festen Platz. Jede Gemeinde ist gut beraten, für reichlich Grün in ihren Wohngebieten zu sorgen, denn dann wird sich auch eine artenreiche Fauna einstellen.

Mehrere Studien im Experimentellen Botanischen Garten in den vergangenen Jahren haben gezeigt, wie artenreich bereits eine solch vergleichsweise kleine Fläche im städtischen Umfeld sein kann. Fast die Hälfte der in Niedersachsen vorkommenden Wildbienenarten und über 30 Zikadenarten tummeln sich auf den abwechslungsreichen Standorten dieser Universitätseinrichtung.

Zufriedenheit im Grünen größer

Es ist die Vielfalt an Lebensräumen und die reiche Auswahl an Blütenpflanzen, die dazu geführt hat, dass aus dem eintönigen, ehemaligen Nutzland ein reicher Lebensraum geworden ist. Viele Elemente dieses Gartens lassen sich auch im eigenen Hausgarten verwirklichen. Trockenstandorte mit grobem Schotter, Felsbrocken, Sand und Kies machen einen Steingarten aus.

Teiche, Sümpfe und schattig-feuchte Auen können kleinräumig als Feuchtbiotop umgesetzt werden. Bunte Wiesen lassen sich bereits durch reduzierte Mahd erzielen.

Von allem profitieren zahlreiche Tiere aber zuletzt auch immer der Mensch. Eine englische Langzeitstudie konnte belegen, dass die Zufriedenheit der Bevölkerung in grünen Stadtteilen höher ist als in Betonwüsten. Bereits beim Zuzug ins grünere Umfeld steigt das Lebensgefühl, beim Wechsel ins urbanere Milieu sinkt es zunächst, um sich dann erneut einzupendeln.

Man gewöhnt sich an die Stadt, blüht aber im Grünen regelrecht auf. Das kommt uns Naturliebhabern durchaus bekannt vor und so schauen wir erwartungsvoll und mit Vorfreude auf ein weiteres grünes Jahr, welches uns die Blütenpflanzen in all ihrer Pracht bald bescheren werden.

Von Rolf Callauch