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Gartentipps Gartentipps für September: Reiche Ernte, leiser Abschied
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18:46 15.09.2013
Reiche Blütenpracht im September: Zinnien, Astern und Salbei wetteifern um die Gunst des Beschauers. Quelle: Callauch
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Den ganzen Sommer hindurch sind sie kaum aufgefallen, haben ihre gegenständigen Blätter stetig vermehrt und alle Kraft für die Blüte im Herbst vorgehalten.

Jetzt stehen Pfeffer-, Wasser-, Polei- und Rossminze voll in Blüte und verströmen den typischen Minzengeruch. Er lockt unzählige Insekten an, aber auffällig ist die große Zahl von metallisch grün schimmernden Goldffliegen, die anscheinend magisch vom würzigen Geruch der lavendelfarbenen Lippenblüten angezogen werden. 

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Die schillernden Farben der Fliegen passen gut zu den Blüten, eine Lehrstunde in Ästhetik. Ab sofort kann das blühende Minzenkraut geerntet, frisch aufgebrüht oder zum Trocknen für die spätere Teebereitung in einen luftigen Kellereingang gehängt werden und wird noch lange seinen belebenden Duft verströmen.

Wenn man einen sonnigen Hang mit minderwertigem Boden, einen sumpfigen Teichrand oder eine staunasse Schale auf der Terrasse erfolgreich begrünen, den Insekten einen großen Gefallen tun und gleichzeitig noch etwas ernten möchte, dann ist die Pfefferminze eine Option.

Blaue Farbe belebt die Erinnerung

Allerdings ist sie auch ein schrecklicher Wucherer und bedrängt Beerenbüsche genauso wie konkurrierende Stauden, die nach einiger Gegenwehr meist in kurzer Zeit untergehen. Minzen sind daher Kandidaten für eine Kübelbepflanzung. Im Kräutergarten sollte man sie im versenkten Topf kultivieren, denn Thymiane, Bohnenkraut und Lavendel haben gegen sie keine Chance.

Ebenfalls spät und von hohem Nutzen für die Gesundheit des Menschen blühen jetzt Zahn- und Augentrost, Zitronenmelisse und immer noch Borretsch. Seine blaue Farbe belebt die Erinnerung an die verwandten, frühlingsblühenden Vergissmeinnicht und trägt dazu bei, dass das Blau im September nicht verloren geht.

Blaue Kugeldisteln stehen neben den ebenso gefärbten Eisenhüten, und auch die unverwüstliche Hundszunge spiegelt die Farbe eines schönen Sommerhimmels noch im Herbst wieder.

Zeit, die Früchte zu ernten

Eine besondere Kostbarkeit ist das Bleikraut aus China (Ceratostigma plumbaginoides). Deren Blau wird zunächst von grünen, aber im weiteren Monatsverlauf rot färbenden Blättern spektakulär eingerahmt.

Im September beginnt die Zeit der Herbstastern, und auch sie stellen eine Attraktion für Bienen und Hummeln dar. Ihre Fülle neuer Blüten lässt fast vergessen, dass wir am Ende der Vegetationsperiode sind, doch der Blick in die Obstbäume belehrt uns eines Besseren.

Es ist Zeit, die Früchte zu ernten, und auch wenn die Äpfel in diesem Jahr wegen der Trockenheit zu klein geblieben sind, so gibt es doch reichlich Zwetschgen, Mirabellen und ein paar Pfirsiche.

Alle wollen schnell verarbeitet werden, und so manche geplante Mußestunde wird dem Hantieren mit dem Entkernen und dem  Gelierzucker geopfert. Doch gibt es etwas Köstlicheres als frische Mirabellenmarmelade?

Leichten Herzens in einen bunten Herbsttag ziehen

Braunfäule (Monilia) scheint in unserer Gegend dieses Jahr zusätzliche Opfer unter den Kernfrüchten zu fordern. Da hilft nur Absammeln und Wegwerfen der befallenen Früchte, zu genießen sind sie nicht mehr.

Trotzdem lohnt sich der biologische Anbau von Obst im eigenen Garten, denn jeder Biss in einen selbst erzeugten Apfel oder Pfirsich zeigt den gewaltigen Geschmacksunterschied zur Handelsware, auch wenn die stippigen und kleinen Eigenbaufrüchte nicht mal Handelklasse C erreichen würden.

Auch im Gras unter den Obstbäumen gibt es noch etwas zu sehen. Die Herbstzeitlosen schieben ihre hellvioletten Blütenkelche über die sattgrünen Gräser, und wenn man die Obstwiese bereits gemäht hatte, dann darf man sich nochmals über eine zweite Blüte von Ackerwitwenblumen und Skabiosen freuen. 

Wer wollte angesichts solch üppig blühender, von Obst berstender Septembergärten dann nicht leichten Herzens in einen bunten Herbsttag ziehen?

Der Autor ist Kustos des Neuen Botanischen Gartens der Universität Göttingen.

Von Rolf Callauch