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Gartentipps Schönastern: Ein kaum bekannter Blumenschatz
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19:23 11.08.2013
Blickfang in einer Staudenpflanzung: Kalimeris „Madiva“. Quelle: Traub
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Aber das hat durchaus sein Gutes für Gartenleute, bietet so ein Extremwetter doch eine hervorragende Gelegenheit, Verhalten und Gartentauglichkeit unserer Pflanzen zu erforschen, also wertvolle Erfahrungen zu sammeln, die helfen können, Spreu von Weizen zu trennen. Ohne „trial and error“, Versuch und Irrtum, geht es ohnehin meist nicht.

Das wird gern vornehm verschwiegen in all den Gartenbüchern, die auf den Markt drängen und uns überschütten mit atemberaubenden Fotos von Beeten, die uns stets auf dem Zenit ihrer Schönheit entgegenstrahlen. Denn es dauert seine Zeit, bis Pflanzungen zu Pracht und Fülle finden. Immer wieder müssen wir eingreifen, nachbessern, korrigieren.

Garten ist Dialog, Prozess, Leben

Garten ist Dialog, Prozess, Leben – und immer wieder Überraschung. Denn es geschieht trotz kluger Standortwahl nun mal zuweilen, dass etwas einfach nicht gedeihen will, oder aber – das ist die freundliche Seite der Geheimnisse, die unsere Gärten manchmal für sich behalten – auch in  einem Sommer wie diesem makellos und kerngesund bleibt, obwohl niemand eine so unerschütterliche Trockenheitstoleranz vermuten würde.

Ein solcher, übrigens immer noch erstaunlich wenig bekannter  Gartenschatz, der die Feuerprobe dieses Sommers bravourös bestanden hat, ist Kalimeris incisa „Madiva“.  Sie gehört zur recht kleinen Familie der Schön­astern, ist also eng mit den Astern verwandt. Ihre Heimat ist Ostasien, interessanterweise finden wir sie aber auch auf Hawaii am Naturstandort. Erstmals beschrieben wurde Kalimeris im Jahr 1825 von Alexandre de Cassini, einem französischen Botaniker. Erstaunlich, dass man ihren Gartenwert erst spät erkannte.

Besonders „Madiva“ wird heute aufgrund ihrer Ausstrahlung und vieler guter Eigenschaften auch gern von Planern großer Gartenschauen verwendet. Es wurden inzwischen weitere Sorten ausgelesen, die gute Staudengärtnereien bereithalten. Das Farbspektrum reicht von weiß über fröhlich hellblau bis hin zu rötlich-violett, Höhen von 50 bis 150 Zentimeter lassen keine Wünsche offen. 

Lehm- und Sandböden sind ihnen recht

Man kann den „schönen Astern“ einen sonnigen oder halbschattigen Platz anbieten. Kompostgaben lieben sie sehr, und sowohl Lehm- als auch Sandböden sind ihnen recht. Obwohl sie gute, nicht zu trockene Erde bevorzugen, finden sie sich auch mit ärmeren Verhältnissen ab, bleiben dann aber etwas zierlicher.

„Madiva“ bildet einen kräftigen, nicht wuchernden Horst von 80 Zentimetern Höhe, beschenkt uns von Juli bis in den Oktober hinein mit einem weithin leuchtenden Blütenmeer von zartlila überhauchten Blüten, die allmählich ganz zu Weiß verblassen. Sie fügt sich trotz ihrer Stattlichkeit  in die verschiedensten Pflanzungen harmonisch ein, ist von absoluter Gesundheit und legendärer Standfestigkeit. Im Herbst färbt sich ihr Laub wunderschön gelborange.

Und dessen nicht genug: Zu unserm  Glück kann Arion lusitanicus, dieser spanische Einwanderer, ihr rein gar nichts abgewinnen. Einwanderer? Waren das nicht diese feurigen weißen Hengste der Spanischen Hofreitschule, die so hießen? – Knapp daneben. Hinter diesem wohlklingenden Namen verbirgt sich, braunschleimig und böse, ein Geschöpf, das wohl ganz am Ende der gärtnerischen Beliebtheitsskala steht: Die Spanische Wegschnecke. „Madiva“ scheint sie nicht zu mögen – wir tun es umso mehr.

Von Angelika Traub

Alle Folgen der Tageblatt-Gartenserie finden Sie hier.