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Gartentipps Unkomplizierter Dauerblüher mit naturhaftem Charme
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19:19 22.09.2013
Echinacea tennesseensis mit Calamintha (Steinquendel), hoher Nepeta (Katzenminze) und Perovskia (Russischer Salbei) an sonnig-trockenem Standort. Quelle: Traub
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Göttingen

Sind sie wirklich zuvor auf ihren Gartenwert, also Gesundheit, Blühfreude und Standfestigkeit, Bodenansprüche und vieles mehr untersucht worden? Wie seriös kann diese inflationäre Entwicklung sein?

Besonders bei den Echinaceen, also den Purpur-Sonnenhüten, fragt man sich das nicht ohne Arg. Lange Zeit beschränkte sich das Sortiment auf die schöne Wildform Echinacea purpurea, die bewährten Sorten „Magnus“, „Rubinstern“ und vielleicht noch ein, zwei andere Vertreter dieser kleinen Pflanzenfamilie, die in den Prärien Nordamerikas beheimatet ist.

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Das änderte sich explosionsartig, als durch Zufallskreuzungen, die man in einer niederländischen Gärtnerei entdeckte, in den späten Neunziger Jahre eine regelrechte Kreuzungswut in Gang kam.

Nicht nur Gewinner hervorgebracht

In rascher Folge wurden dem staunenden Gartenmenschen immer neue Züchtungen in den unterschiedlichsten Farben und Formen, bis hin zu skurrilen Geschöpfen wie „Razzmatazz“ und „Hot Papaya“ mit ihren merkwürdig pomponartig gefüllten Blütenschöpfen angeboten.

Das Einkreuzen von Echinacea paradoxa, der einzigen gelbblühenden Wildart, sorgte zudem für völlig neue Farbnuancen im Spektrum Gelb, Orange, Rost bis hin zu leuchtendem Rot. Dieser muntere Genreigen hat wahrlich nicht nur Gewinner hervorgebracht, viele der Sorten  sind wenig vital oder verabschieden sich bereits im zweiten Standjahr.

Aber auch einige stabile, wertvolle Neuheiten mit faszinierendem Farbspiel brachte der ungebremste Züchterdrang hervor. Zum Beispiel „Fatal Attraction“ in schönem Purpurrosa oder die leuchtend rote „Tomato Soup“ – ein wenig liebreizender Name für diese feurige Schönheit – haben sich durchaus bewährt.

Unbekümmerte Leichtigkeit

Auch einige gelungene weiße und gelbe Sorten finden sich. Gute Beratung erspart hier manche Enttäuschung. Diesen Service ambitionierter Staudengärtnereien zu nutzen, sei jedem geraten.

Mein erklärter Liebling im schwer zu überblickenden „Echinaceenwald“ schwebt über all dem Für und Wider züchterischen Ehrgeizes mit unbekümmerter Leichtigkeit und herbem, naturhaftem Charme.

Seine Heimat hat ihn gelehrt, genügsam zu sein und, anders als die verwöhnte züchterisch bearbeitete Verwandtschaft, auch mit Trockenheit und weniger nährstoffreichen Böden zurechtzukommen.

Klein? Na ja

Vom Juni bis weit in den Herbst hinein reckt Echinacea tennesseensis, der Tennessee-Scheinsonnenhut, unablässig seine fröhlichen „Sonnenrädchen“ dem Licht entgegen, die gern zwischen ebenfalls Trockenheit liebenden Gräsern herumtanzen oder sich mit anderen Bewohnern ähnlicher Herkunft verbünden.

Die weithin leuchtenden hellblauen Blütenstände des russischen Salbeis (Perovskia atriplicifolia) oder der ebenfalls dauerblühende, Insekten magisch anlockende und herrlich aromatisch duftende Steinquendel Calamintha nepeta „Triumphator“ sind wunderbare Partner für diesen wilden kleinen Präriebewohner. Klein? Na ja, so ganz stimmt das nicht, auch er wird 70 cm hoch, wirkt aber immer zart und transparent.

In seiner nordamerikanischen Heimat Tennessee ist er ein äußerst seltener Endemit. Nun erobert sich der liebenswerte Wildling seit ein paar Jahren mit wachsender Beliebtheit einen Platz in unseren Gärten. Schön, dass er jetzt bei uns ist, wir hätten ihn sonst sehr vermisst.

Von Angelika Traub