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Gartentipps Züchtungen orientalischen Mohns bereichern Gärten
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18:32 16.06.2013
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Die Schattenseite seiner prachtvollen, weithin leuchtenden Erscheinung ist nämlich der für uns Gärtner nur durch planerisches Geschick zu kaschierende  Rhythmus seines Wachsens, Werdens und Vergehens. Aber keine Sorge, da gibt es Tipps und Tricks, die allen Pflanzwilligen helfen. Dazu später mehr.

Iran, Ost-Türkei und Kaukasus

Beheimatet ist der längst weltweit vertretene vitale Geselle im Iran, der Ost-Türkei und dem Kaukasus, in Aserbeidschan und Georgien. Anfang des 18. Jahrhunderts fanden die ersten Pflanzen ihren Weg nach Europa. In seiner Heimat bewohnt er, ausgestattet mit kräftigen, auch in steilem Gelände Halt gebenden Pfahlwurzeln, gern felsige Kalksteinhänge. Sonne, Kalk und durchlässiger Boden sind folglich auch in unseren Gärten so recht nach seinem Geschmack. Ein gutes Nährstoff­angebot schlägt er nicht aus, aber es ist für sein Gedeihen weniger wichtig, als man aufgrund der kräftigen Gestalt vermuten mag. Ein paar Schaufeln Kalkschotter mit feinen und groben Anteilen hingegen können einem kränklichen Exemplar, das in schwerer, kalkarmer Erde um sein Leben ringt, wieder zu Gesundheit und Wüchsigkeit verhelfen.

Große, leuchtend zinnoberrote Blüten, mit dem stolzen, nicht minder spektakulären blauen Rittersporn als Pendant, so malte ihn Nolde, so steht er uns vor Augen, der Gartenmohn unserer Kindheit – aber dieses Bild wollen wir heute ein wenig „übermalen“, denn die Zeiten, sie ändern sich, auch im Garten.

Vielfalt neuer Mohn-Züchtungen

Lauten, plakativen Farben werden zunehmend delikate, fein nuancierte Abstufungen vorgezogen. Die Vielfalt an Farben und Formen neuer Mohn-Züchtungen trägt diesem Wandel aufs Schönste Rechnung. Das Spektrum reicht von weißen, zart oder kräftig rosafarbenen über zurückhaltende Mauve- und Pflaumentöne bis hin zu tiefstem, mit Silbernem und Blauem einfach hinreißend zu kombinierenden Dunkelrot.

Die zierliche, hellrosa erblühende „Karine“ kann ihre zauberhafte Ausstrahlung auch in kleinen Gärten entfalten, ohne ihre Umgebung eitel zu übertrumpfen. „Patty’s Plum“ ist eine hohe, geheimnisvoll pflaumenfarbene Sorte, deren Blüten von einem aparten Kranz aus Kelchblättern eingefasst werden. Am malerischsten aber ist wohl „Marlene“, mittelhoch und überaus blühfreudig, beschenkt sie uns mit einem edlen, tiefen Dunkelrot, das im Verblühen aufhellt, wie wir es von vielen alten Rosen kennen.

Horst welkt nach Blüte rasch

Eines haben die gepriesenen Schönen allerdings gemein: Ihr gerade noch frischgrüner, stattlicher Horst welkt nach der Blüte rasch – er zieht ein, wie es der Fachmann trocken nennt. Bis im Herbst frisch austreibendes Grün den neuen Wachstumszyklus ankündigt, wird Sommerschlaf gehalten, da ist nichts zu machen.

Was also  tun, wenn keine hässlichen Lücken im Beet zurückbleiben sollen? Ganz einfach: Wir machen uns  den frühen Zeitpunkt im Gartenjahr zunutze und umpflanzen die Sommerschläfer mit Begleitern, die jetzt erst richtig loslegen, also entstehende Lücken freundlich überwallen werden. Erste Wahl sind hier die dauerblühende hohe Katzenminze (bot. Nepeta) „Walkers Low“ und die Schleierkraut-Hybride (bot. Gypsophila) „Rosenschleier“, beides hervorragende Partner. Aber auch diverse Storchschnabelsorten  übernehmen diese Arbeit gern. Einen Garten ohne Mohn – wer will das schon.

Von Angelika Traub

Alle Folgen der Tageblatt-Gartenserie finden Sie hier.