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Finanzen „Deutschland kann noch eine ganze Menge mehr Touristen vertragen“
Mehr Finanzen „Deutschland kann noch eine ganze Menge mehr Touristen vertragen“
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07:30 07.03.2019
Tourismus-Staatssekretär Thomas Bareiß (CDU): „Wir setzen in Deutschland ganz klar auf Qualität.“ Quelle: JENS SCHLUETER/EPA-EFE/REX/Shutterstock
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Herr Bareiß, eines der Schwerpunktthemen bei der Tourismusmesse ITB ist der sogenannte Übertourismis. Haben wir auch in Deutschland zu viele Touristen?

Nein, ganz sicher nicht. Im Gegenteil: ich sehe für den Tourismus in Deutschland noch große Wachstumspotenziale. Wir haben wunderschöne Landschaften, reizvolle Städte, qualitativ hochwertige Unterkünfte und eine gute Infrastruktur. Deshalb wachsen die Übernachtungszahlen bereits das neunte Jahr in Folge. Gemessen an dem tollen Angebot aber könnte unser Land noch eine ganze Menge mehr Touristen vertragen.

Overtourism in Deutschland gibt es also gar nicht?

Lassen Sie es mich so formulieren: Overtourism ist in Deutschland ein sehr lokales Phänomen. An besonders herausgehobenen Sehenswürdigkeiten mag es in der Hochsaison vorkommen, dass zu bestimmten Stoßzeiten zu viele Touristen gleichzeitig dort sind. Am Brandenburger Tor in Berlin oder auf Schloss Neuschwanstein in Bayern kommt das temporär vor. Darauf muss man dann reagieren.

Wie?

In dem sich Fremdenverkehrsvereine und Verwaltungen kluge Konzepte zur Tourismussteuerung überlegen. Da kann man ja sehr viel machen und da wird ja auch schon viel gemacht.

Keinen Party-Tourismus fördern

Wie wollen Sie Berlin-Reisende vom Besuch des Brandenburger Tores abhalten?

Das will ich nicht, und das kann ich auch gar nicht. Wer nach Berlin fährt, will das Brandenburger Tor und den Reichstag sehen, und das soll er auch. Aber es gibt ja viele andere spannende Sehenswürdigkeiten in der Hauptstadt. Klug wäre es, wenn Berliner Reiseveranstalter ihre Tagesprogramme so organisieren, dass die Touristen in den Stoßzeiten die Ränder der Stadt besuchen und die Hauptsehenswürdigkeiten in den Randzeiten. Dadurch verteilen sich die Tourismusströme besser und am Ende profitieren alle: Reisende und Einheimische.

Gerade die Berliner leidet unter dem so genannten Party-Tourismus: Mit dem Billigflieger am Freitag hin und am Sonntag zurück, dazwischen das totale Delirium. In Trendbezirken wie Friedrichshain, Kreuzberg oder Mitte sind die ganzen Feiernden eine echte Belastung für die Einheimischen geworden.

Party Tourismus ist natürlich etwas, das wir keinesfalls aktiv befördern. Wir wollen ja hochwertigen und nachhaltigen Tourismus in Deutschland und setzen ganz klar auf Qualität.

Airbnb und Co. stärker regulieren

Aber was kann man dagegen tun?

Das Problem muss lokal geregelt werden. Etwa indem Städte dafür sorgen, dass nicht noch mehr normale Wohnungen als Ferienwohnungen vermietet werden. Durch solche Wohnungen, die häufig über Plattformanbieter vermietet werden, entsteht auch den professionellen Tourismusbetrieben eine unfaire Konkurrenz. Für mich ist das ein wichtiges Thema. Es muss klar sein, dass die Spielregeln für alle Anbieter gleich sind. Und sie müssen natürlich auch von jedem eingehalten werden.

Wenn Overtourism in der Breite nicht existent ist und sich lokale Ausreißer durch klügere Steuerung und schärfere Regulierung einfangen lassen, warum muss sich dann die wichtigste Tourismus-Messe des Landes mit dem Thema beschäftigen?

Es ist nicht verkehrt, wenn die Branche frühzeitig auf Entwicklungen reagiert, um Fehler zu vermeiden, deshalb ist Dialog über nachhaltigen Tourismus und über die Vermeidung von Overtourism weltweit wichtig. Ein Erfahrungsaustausch zwischen Stakeholdern im Rahmen der weltgrößten Reisemesse ITB kann hierzu wertvolle Impulse geben. Ich sage nicht, dass es keinen Overtourism gibt. Ich sage nur, er ist aktuell kein sehr großes Problem in Deutschland. Und wir sollten alle daran arbeiten, dass er auch keines wird.

Lesen Sie auch: Erste Erfolge im Kampf gegen Touristenmassen

Von Andreas Niesmann/RND

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