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Gesundheit Bio-Tampons: In der Regel umweltfreundlicher?
Mehr Gesundheit Bio-Tampons: In der Regel umweltfreundlicher?
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14:03 25.06.2019
Ob Bio-Tampon oder Menstruationstassen: Bei Hygieneartikeln auf die Umwelt zu achten, liegt im Trend. Quelle: picture alliance/BSIP
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Hannover

Hygieneartikel wie Tampons und Binden sind Wegwerf-Produkte – und damit ein Umweltproblem. Immer mehr Frauen greifen deshalb zu Alternativen, die vollständig aus Baumwolle bestehen. Doch sind Bio-Tampons nachweislich besser als die herkömmlichen Modelle?

Was sind Bio-Tampons?

Die meisten herkömmlichen Tampons bestehen aus Zellwolle, Viskose und/oder Baumwolle. Dazu kommt eine synthetische Schicht, die aus verschiedenen Polymeren besteht und Frauen das Ein- und Ausführen des Tampons erleichtern soll. Sie verhindert auch, dass Watte-Rückstände in der Scheide zurückbleiben.

Bio-Tampons hingegen bestehen vollständig aus Baumwolle. Sie stammt, anders als bei konventionellen Tampons, aus biologischem Anbau und ist frei von Pestiziden und Gentechnik. Damit sind Bio-Tampons vollständig biologisch abbaubar.

Toxisches Schocksyndrom: Mit Bio-Tampons unwahrscheinlicher?

Eine Studie des New York Medical Center wies in Labortests nach, dass das Risiko eines Toxischen Schocksyndroms (TSS) bei der Verwendung von Tampons aus reiner Biobaumwolle geringer sei als bei Tampons aus konventionellem Anbau. Dennoch sollten die Hygieneartikel regelmäßig gewechselt werden. „Junge Mädchen tragen Tampons oft zu lange, weil sie sich keine Menstruationshygieneartikel leisten können. In Irland und Schotland geht jedes zehnte Mädchen während ihrer Periode nicht zur Schule“, erklärt Doris Scharrel, Landesvorsitzende des Berufsverbandes für Frauenärzte in Schleswig-Holstein.

Das Toxische Schocksyndrom

Das sogenannte „Toxische Schocksyndrom“ entsteht durch giftige Stoffe von Bakterien namens Staphylokokken. Sie gehören eigentlich zur herkömmlichen Flora der Schleimhäute. Nur einzelne Stämme können Gifte bilden. Dabei sind die genauen Zusammenhänge noch unklar. Zu lange in der Scheide liegende, saugfähige Tampons begünstigen aber offenbar die Vermehrung von Keimen: Gifte können schnell in den Kreislauf gelangen. Die Folge: Fieber, Schüttelfrost, Erbrechen, Muskelschmerzen, Blutdruckabfall und Schwindel. Im weiteren Verlauf kann ein sonnenbrandähnlicher Ausschlag auftreten.

Tampons sind fast immer schadstofffrei

Einige Hersteller von Bio-Tampons werben damit, dass die Produkte keine Chemikalien oder Pestizide enthalten. Das gilt allerdings auch für herkömmliche Tampons. „Fast alle sind schadstofffrei“, so Scharrel. Bio-Tampons unterscheiden sich von herkömmlichen Modellen daher hauptsächlich durch ihre umweltfreundlichere Herstellung.

Öko-Test zeigt: Qualität von Tampons hat sich verbessert

Dass die Qualität von Tampons sich hierzulande in den letzten Jahren deutlich verbessert hat, zeigt sich auch in den Untersuchungen der Stiftung Ökotest. 2007 untersuchten die Experten 16 Tampons – mit erschreckendem Ergebnis. In allen konnten Formaldehyd sowie Pestizide oder halogenorganische Verbindungen nachgewiesen werden, die Allergien auslösen können.

Zehn Jahre später, im Jahr 2017, testeten die Experten erneut 15 verschiedene Tampon-Modelle, darunter drei Bio-Marken. Nur bei den „U by Camelia Tampons Normal“ wurden bedenkliche Inhaltsstoffe nachgewiesen. Die Herstellungsprozesse wurden dementsprechend grundsätzlich verbessert.

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Sind Bio-Tampons teurer als herkömmliche Tampons?

Herkömmliche Tampons kosten zwischen drei und acht Cent pro Stück – Bio-Artikel hingegen liegen bei 19 bis 25 Cent. Das liegt zum einen an den teureren Materialien, die zur Herstellung benötigt werden. Zum anderen halten große Konzerne auf dem deutschen Markt 75 Prozent des Marktanteils und können deshalb zu niedrigeren Preisen produzieren.

Studie: Bio-Artikel können Irritationen im Intimbereich vorbeugen

Im Rahmen einer Studie der italienischen Minerva Ginecologica-Gesellschaft erhielten 200 Frauen mit widerkehrenden Hautirritationen im Intimbereich für ihre Periode konventionelle Binden mit einem hohen Anteil an synthetischen Materialien. Für die darauf folgende Menstruation bekamen sie ausschließlich Binden aus reiner Bio-Baumwolle. Das Ergebnis: Binden aus biologischer Baumwolle sind für Frauen, deren Haut zu Irritationen neigt, die bessere Wahl. Symptome wie Jucken und Brennen im Intimbereich besserten sich erst, nachdem die Probandinnen während ihrer Periode auf Bio-Binden umgestiegen waren.

Menstruationstasse als Alternative

Noch umweltfreundlicher als Bio-Tampons sind Menstruationstassen. „Sie bestehen aus medizinischem Silikon, Kunststoff oder Latex und sind wie Tampons und Binden in verschiedenen Größen erhältlich“, erklärt Scharrel. „Die Menstruationstasse ist für junge Mädchen, aber auch für Frauen, die bereits ein Kind geboren haben, geeignet.“ Außerdem sei die Nutzung auf Dauer kostengünstiger als die von Tampons.

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Von RND/Jessica Orlowicz

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