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Fit & Gesund Göttingen Histaminunverträglichkeit: Wie eine Patientin damit klar kommt
Mehr Gesundheit Fit & Gesund Göttingen Histaminunverträglichkeit: Wie eine Patientin damit klar kommt
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11:00 19.03.2019
„Ich komme gut damit klar.“: Corina Myrth.Klages bei der Blutabnahme fpr die Laboruntersuchungen. Quelle: Christina Hinzmann
Göttingen

Als Corina Myrth-Klages vor fast 30 Jahren zum ersten Mal dunkle Flecken auf ihren Oberschenkeln bekam, ahnte die heute 48-Jährige noch nicht, dass ihre Krankheit einmal ihr Leben radikal ändern wird. Und dass sie später einmal regelmäßig alle paar Monate zu Kontrolluntersuchungen in das MVZ Endokrinologikum Göttingen kommen wird.

Myrth-Klages hat eine systemische Mastozytose – eine Erkrankung der Mastzellen unter den Blutzellen. Diese erzeugen – neben anderen Enzymen – den Eiweißstoff Histamin. Produziert der Körper durch bestimmte Reize zu viel Histamin, kann es zu einer Immunreaktion kommen – bis hin zu einem Kreislaufschock.

Mit Flecken auf den Beinen fing es an

Wir nehmen aber auch ständig über die Nahrungsmittel Histamin ein. In manchen Lebensmitteln wie Tomaten, Spinat und leicht verderblichem Fleisch ist es in besonders großen Mengen enthalten. Auch in fermentierten und lange gereiften Lebensmittel wie viele Käsesorten und Rotwein. Und schließlich entsteht Histamin, wenn zubereitete Speisen lange lagern und aufgewärmt werden.

Patientin Corina Myrth-Klages im Gespräch mit ihrer Fachärztin Prof. Heide Siggelkow. Quelle: Christina Hinzmann

 

Produzieren Patienten zu viel eigenes Histamin oder reagieren auf viel zugeführtes Histamin, spricht man von einer Histaminunverträglichkeit. Sie kann sich in vielen Symptomen äußern. Myrth-Klages Flecken auf den Beinen wurden schnell als Urticaria pigmentosa diagnostiziert, einer Untererkrankung der Mastozytose. Damals war sie 20 Jahre alt und ihr Hautarzt warnte sie, dass neben solchen Flecken und Hitzeempfindlichkeit andere Beschwerden durch Nahrungsmittel kommen könnten.

Sie kamen sieben Jahre später – unter anderem mit Übelkeit, Schwindelgefühl, Hitzeempfindlichkeit. Viele Betroffene haben auch Bauchweh, Blähungen, Durchfall. Sie haben keinen Appetit, sind müde und antriebslos. Bei Myrth-Klages kamen die Beschwerden schließlich heftig: Als sie bei einer Party „vielleicht vier oder fünf“ Krabben aß – „eine meiner absoluten Lieblingsspeisen“. Sie bekam sie einen anaphylaktischen Schock und drohte zu ersticken. Nur eine Notbehandlung konnte sie retten.

„Ich bin inzwischen ein Salatjunkie“

Inzwischen hat Myrth-Klages ihre Ernährung radikal umgestellt: so gut wie keine Schalentiere, keine Schokolade, kein Alkohol, kein Geräuchertes, keinen lang gereiften Käse, keine Schalentiere, nur frisch Zubereitetes – „ich bin inzwischen ein echter Salatjunkie.“

Das ist anstrengend, aber mit Disziplin machbar, ermuntert sie andere. Für sie sei es inzwischen Alltag. Für ihren Ehemann und Sohn kocht sie „normal“, sie selbst ist oft etwas anderes. Wenn sie dann doch einmal sündigt, muss sie darauf achten, dass nur ein wenig isst. Und zur Not können auch Medikamente den Histaminabbau unterstützen. „Und ich komme gut mit allem klar“, sagt sie und klingt dabei fröhlich wie selbstbewusst.

Schwieriger ist der Umgang mit der Mastozytose, die Myrth-Klages Histaminunverträglichkeit an erster Stelle bewirkt. Die Mastzellen können sich auch im Knochenmark vermehren und Knochen zersetzen – also zu einer Osteoporose. Vor diesem Hintergrund kommt die 48-Jährige regelmäßig in das MVZ Endokrinologikum Göttingen – ein Zentrum für Hormon- und Stoffwechselerkrankungen mit einem Schwerpunkt in der Versorgung von osteologischen Erkrankungen.

Laborwerte: Alles ist gut

Hier wird ihr Blut abgenommen und im Labor unter anderem gemessen, wie hoch der Anteil der Tryptase in den Mastzellen ist, erklärt Prof. Heide Siggelkow, Fachärztin für innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie sowie Osteologin am Endokrinologikum. Sind die Werte zu hoch, müsse die Patientin gezielt behandelt werden. Bisher „ist Frau Myrth-Klages aber sehr, sehr diszipliniert“ und steuert mit ihrer Ernährung gegen.

Was das MVZ Endokrinologikum ist und welche Reise Myrth-Klages Blut in die der „unsichtbaren“ Medizim in den Laboren macht, lesen Sie hier: Die Unsichtbare Medizin in Göttingen: Wie Blutproben durch ein Labor gehen.

Mehr zum Thema:

Die Unsichtbare Medizin in Göttingen: Wie Blutproben durch ein Labor gehen

Von Ulrich Schubert

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