Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Gesundheit Zeitumstellung in der Kritik
Mehr Gesundheit Zeitumstellung in der Kritik
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:26 25.03.2018
Sommerzeit ab 25. März: Dann werden die Uhren vorgestellt.
Sommerzeit ab 25. März: Dann werden die Uhren vorgestellt. Quelle: dpa
Anzeige
Göttingen

Aber welche Zeit sollte im Falle einer Abschaffung der Zeitumstellung übernommen werden? Sandra Sonhrey, Betreiberin eines Milchhofs in Esebeck, ist egal, welche Zeit die allgemeingültige werden soll: „Hauptsache die erhöhten Kosten hören auf.“ Gerade die Umstellungen in der Lkw-Logistik und die Auswirkungen für die Kühe seien negativ: „Man kann es mit uns Menschen vergleichen, die Kühe sind auch Gewohnheitstiere und haben ihren natürlichen Rhythmus. Normalerweise kommen wir in den Stall, und die Kühe laufen zu den Melkeinheiten. Wird ihnen eine Stunde geklaut, machen sie dies natürlich nicht, und wir müssen sie hochtreiben, bis sie sich dran gewöhnt haben. Das nehmen die uns ganz schön übel.“

Kühe sind auch Gewohnheitstiere

1980 wurde in Deutschland die Zeitumstellung von Winter- auf Sommerzeit eingeführt, um mit einer Stunde mehr Tageslicht die Energiekosten zu senken. Allerdings haben Studien belegt, dass vor allem in den Wintermonaten dafür morgens mehr geheizt wird. Das Europäische (EU) Parlament hat im Februar mit 384 Stimmen für die Abschaffung der Sommerzeit gestimmt, 154 EU-Abgeordnete waren dagegen. Mit der Abstimmung im EU-Parlament wurde die EU-Kommission beauftragt, die Vor- und Nachteile der Zeitumstellung zu prüfen. Eine wirkliche Abschaffung der Zeitumstellung ist damit allerdings noch nicht in Sicht.

Im Bundestag ist die FDP für eine Abschaffung de Winter- und dauerhafte Einführung der Sommerzeit, so würden die langen Sommernächte erhalten bleiben, meint Michael Theurer, wirtschaftspolitische Sprecher der FDP.

Längere Biergartenzeiten, mehr Umsatz im Paulaner

Für das Beibehalten der Sommerzeit plädiert auch Jana Lodders, Mitarbeiterin der Gaststätte „Paulaner“ Zur alten Brauerei: „Bei längeren Sommerabenden sitzen die Leute lange draußen, gerade wenn der Biergarten geöffnet ist, und es entsteht deutlich mehr Umsatz.“ Andere Göttinger Gaststätten, die anonym bleiben wollen, können keine deutliche Steigerung des Umsatzes feststellen.

Raus aus der Höhle, rein in die Höhle

„Der Mensch hat einen inneren Rhythmus, den haben wir seit der Steinzeit: Wenn es hell wurde, mussten wir aus der Höhle und wenn es dunkel wurde, haben wir uns zurückgezogen. Das heißt, wenn es eine Stunde früher hell wird, werden wir auch früher wach.

Wenn jemand gegen seinen inneren Rhythmus angehen muss, ist das eine Art von Vergewaltigung“, meint Claus-Heinrich Quast, leitender Oberarzt des Schlaflabors Lenglern. Er bezeichnet die Zeitumstellung als „Eingriff in die Natur“ und meint, egal ob die Winter- oder Sommerzeit übernommen wird: „Hauptsache der Rhythmus kann beibehalten werden.“

Tageblatt-Leser sind zwar ebenfalls der Meinung, dass die Zeitumstellung abgeschafft werden sollte. Sie sind sich aber nicht darüber einig, welche Zeit beibehalten werden sollte: „Die Sommerzeit muss bleiben. Ich habe es abends, an den warmen Tagen, lieber länger hell“, meint beispielsweise Alexander Guenther. Pia Rea Hartmann und Birgit Frederichs sind dagegen und befürworten die Ursprungszeit: Die Winterzeit.

Die Mehrheit der Deutschen lehnt die Zeitumstellung ab. Mehr zur Forsa-Umfrage lesen Sie hier.

Vor 125 Jahren führte Deutschland die Mitteleuropäische Zeit ein. Eine kurze Geschichte der Uhrzeit.

Von Madita Eggers