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Der Norden Immer mehr Schüler scheitern am Abitur – vor allem in Niedersachsen
Nachrichten Der Norden Immer mehr Schüler scheitern am Abitur – vor allem in Niedersachsen
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21:01 26.03.2019
Schwitzen für das Abitur: Am Donnerstag schreiben niedersächsische Schüler die erste Klausur. Quelle: Imago
Hannover

Für immer mehr junge Leute endet das Abitur mit einer handfesten Enttäuschung. Eine wachsende Zahl an Schülern fällt in Deutschland durch die Prüfung. In Niedersachsen ist die Quote der Schüler, die am Abitur scheitern, besonders hoch. Im vergangenen Jahr fielen nach Angaben des Kultusministeriums landesweit knapp 5,5 Prozent durch. 2008 waren es nur 3,4 Prozent gewesen, 2017 bereits 4,5 Prozent. In ganz Deutschland betrug die Quote 3,78 Prozent im Jahr 2017.

Ob sich die Entwicklung so fortsetzt, wird sich bald zeigen. Am Dienstag war in Niedersachsen der letzte reguläre Schultag vor den diesjährigen Prüfungen. Am Donnerstag startet in Niedersachsen der letzte G8-Jahrgang ins Abitur. Die erste Klausur wird im Fach Geschichte abgelegt.

Durchfallerquote an Gesamtschulen ist höher

Auffällig bei den Noten sind die Unterschiede zwischen den Schulformen: Während an den Gymnasien, wo das Abitur nach zwölf Jahren abgelegt wird, zuletzt 4,85 Prozent der Schüler durchfielen, scheiterten an den Gesamtschulen 8,48 Prozent beim Abitur nach 13 Jahren. Andererseits führen die Gesamtschulen auch viele Schüler zur Hochschulreife, die auf den Gymnasien niemals die Chance dazu gehabt hätten. Bei den beruflichen Gymnasien fielen 5,9 Prozent der Schüler durch.

Besorgniserregend findet Horst Audritz, Vorsitzender des niedersächsischen Philologenverbandes, die gestiegene Durchfallerquote nicht: „Wenn von 100 Gymnasiasten vier das Abitur nicht schaffen, ist das nicht viel.“ Auch beim Landesschülerrat oder bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ist man nicht alarmiert.

Gibt es zu viele Abiturienten?

Philologenchef Audritz warnt jedoch davor, dass immer mehr Schüler Abitur machen. Inzwischen seien es schon 55 Prozent eines Jahrgangs – und der Wert werde sicher noch auf 60 Prozent klettern. „Wenn alle das Abitur machen, ist die Hochschulreife nichts mehr wert. Es wird andere Auswahlkriterien bei Hochschulen und Unternehmen geben.“

Die GEW-Vorsitzende Laura Pooth und der Landesschülerratsvorsitzende André Brinkmann begrüßten die steigende Abiturientenzahl dagegen ausdrücklich. Damit hole Deutschland nur das nach, was andere OECD-Länder bereits vorgemacht hätten, sagte Pooth.

Immer mehr Bestnoten im Abitur

Während auf der einen Seite mehr Schüler durchfallen, erzielen aber auch immer mehr Bestnoten. Von einer „Inflation der guten Noten“ könne in Niedersachsen aber nicht die Rede sein, heißt es im Kultusministerium. Zwar sei die Zahl der 1,0-Abschlüsse in den vergangenen zehn Jahren von 0,5 auf 1,0 Prozent aller Abiturienten gestiegen, in anderen Bundesländern habe sich der Wert zum Teil aber verzehnfacht.

„Das Abitur in Niedersachsen wird auf sehr hohem Niveau abgenommen und von den Schülern nur mit viel Lernaufwand erreicht. Das niedersächsische Abitur ist anspruchsvoll, da werden auch in Zukunft keine Abstriche gemacht“, betonte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD).

Deutschlandweit hatte 2017 fast jeder vierte Abiturient eine 1 vor dem Komma. Die Abinoten werden also extremer. Das verdeutliche die Abhängigkeit des Bildungserfolgs vom Elternhaus der Kinder, sagt der Vorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann. Bei der einen Gruppe könnten die Eltern die notwendige Förderung und Unterstützung privat organisieren, die anderen fielen „durch den Rost“. „Die Schere öffnet sich immer weiter“, sagt Beckmann.

Entscheidend sind Leistungen in den zwei Jahren der Oberstufe

Das Abitur sei keine punktuelle Prüfung, betont Audritz, sondern ein Prozess, der sich über zwei Jahre ziehe. Tatsächlich errechnet sich die Abi-Note zu zwei Dritteln aus den Noten, die in den vier Halbjahren erreicht worden sind und nur zu einem Drittel aus der schriftlichen und mündlichen Abiturprüfung. Wer durchfalle, sei meist schon gar nicht erst zur schriftlichen Prüfung zugelassen worden.

Die Abiturienten müssen zwischen 32 und 36 Kursnoten einbringen, 20 bis 24 Ergebnisse werden einfach gewertet, die Leistungskurse zählen doppelt. Wer in sechs Kursen schlechter als fünf Punkte (ausreichend) abgeschnitten hat, kann immer noch das Abitur bestehen.

Von Saskia Döhner

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