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Der Norden Angst vorm Wolf vertreibt Kinder
Nachrichten Der Norden Angst vorm Wolf vertreibt Kinder
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00:18 26.04.2015
Von Kristian Teetz
Ein in einem Wald bei Soltau gesichteter Wolf versetzt die Menschen in Aufregung (Symbolfoto). Quelle: dpa
Soltau

Seit 20 Jahren lernen Kinder der Kita Wiesenstraße in Soltau in den Waldwochen viel über die Natur. In diesem Jahr aber hat die Kita-Leiterin Martina Dahms die mehrwöchige Veranstaltung abgesagt – weil in der Nähe des Waldstücks kürzlich ein Wolf gesehen wurde. „Der Wolf wurde zwar nur einmal gesehen, aber für die Kinder besteht ein minimales Risiko“, sagt Kita-Leiterin Dahms. „Ich kann dafür nicht die Verantwortung übernehmen.“

Die Waldwochen sollten in einem Wald am Wacholderpark in der Nähe von Soltau stattfinden. Dass dort ein Wolf aufgetaucht ist, durchkreuzt jetzt die Pläne. Im Gespräch mit der Kita-Leiterin wird deutlich, dass Dahms weit davon entfernt ist, Panik zu schüren. „Ich gehe auch weiterhin in den Wald. Aber mit den Kindern ist es etwas anderes“, sagt sie.

Keine hundertprozentige Sicherheit

Die Waldwochen stehen im Bildungsplan der Kita. Während der Ausflüge sollen die Kinder die Tiere und Pflanzen des Waldes in ihrer Umgebung kennenlernen. „Kinder verstehen keine Theorie, die müssen raus in die Praxis“, sagt Dahms. Als die Kinder von der Absage erfahren haben, seien sie natürlich sehr traurig gewesen. „Aber wir suchen schon nach einem alternativen stadtnäheren Waldgebiet. Vielleicht klappt es ja für unsere 60 Kinder doch noch mit unseren Waldwochen.“

Wolfsberater Ralf Neumann betont, man müsse „die Bedenken und Ängste der Bürger ernst nehmen“. Es sei aber auch eine Frage, wie man darauf reagiert. „Ich halte es nicht für unbedingt erforderlich, die Waldwochen abzusagen.“ Ein gewisses Risiko gebe es bei solchen Veranstaltungen im Wald immer, sagt Neumann. „Wir müssen alle lernen, wie wir uns in der Natur bewegen. Und der Wolf wird in Zukunft zur Natur dazugehören.“

Für das niedersächsische Umweltministerium stehe der Schutz und die Sicherheit von Menschen immer an vorderster Stelle, betont eine Ministeriumssprecherin. Grundsätzlich gelte, dass von gesunden Wölfen keine Gefahr für Menschen ausgehe. „Daher ist nicht davon auszugehen, dass für die Kinder mit der Durchführung von Waldwochen besondere Gefahren verbunden wären“, so die Sprecherin weiter. „Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es in Bezug auf Wildtiere jedoch nie.“

Die letztendliche Entscheidung über eine solche Veranstaltung müssten die Erzieherinnen gemeinsamen mit den Eltern vor Ort treffen, hieß es weiter. „Wenn die Unsicherheit angesichts einer Wolfssichtung groß ist, kann eine Absage dem Rechnung tragen.“ Besonders wichtig sei es, sich über den Wolf zu informieren, so die Sprecherin. Die für diese Region zuständigen Wolfsberater seien mit vielen Leiterinnen von Kindertagesstätten und Eltern im Gespräch.

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