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Der Norden Beim Atommülllager haben neue Probebohrungen begonnen
Nachrichten Der Norden Beim Atommülllager haben neue Probebohrungen begonnen
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19:50 11.08.2019
Mit Testbohrungen im Umfeld des Atommüllagers Asse werden seismische Messungen vorbereitet. Quelle: Christophe Gateau/dpa
Remlingen

Im Umfeld des Atommülllagers Asse bei Wolfenbüttel finden seit dieser Woche Testbohrungen statt. Damit würden 3-D-seismische Messungen vorbereitet, die ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Rückholung der radioaktiven Abfälle sein sollen, wie eine Sprecherin der zuständigen Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) sagte. In dem Bergwerk lagern seit Jahrzehnten 126.000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen. Weil täglich Wasser in das marode Bergwerk eindringt, gibt es den gesetzlichen Auftrag, die Asse II unverzüglich stillzulegen und den Müll zurückzuholen, wenn das radiologisch und sicherheitstechnisch möglich ist.

Messungen sollen genaue Daten für Rückholung liefern

Mit den Probebohrungen wird laut BGE die Ausrüstung getestet, um die einzusetzende Technik sowie die erforderliche Zeit besser planen zu können. Ende 2019 sollen dann die 3-D-seismische Messungen folgen, für die kurze Bohrungen erforderlich seien. „Die Messungen dienen dazu, belastbare Daten zum Aufbau des Deckgebirges und zur geologischen Struktur des Asse-Höhenzuges zu gewinnen“, erläuterte die BGE-Sprecherin. Mit den gewonnenen Daten könnten die Genehmigungsunterlagen für die Rückholung und die anschließende Stilllegung mit der notwendigen Genauigkeit erstellt werden.

Kritik an Verfahren

Für die Bergung des Mülls sei der Bau eines neuen Schachtes vordringlich, sagte Andreas Riekeberg vom Asse II-Koordinationskreis. Inwieweit aber eine 3-D-Seismik der Rückholung dienen kann, sei fraglich. Mit den Messungen könnten die gefährlichen Risse und Klüfte im Gestein nicht dargestellt werden.

Die aktuellen Testbohrungen sind laut BGE maximal 15 Meter tief mit einem Durchmesser von 70 bis 100 Millimetern. Nach Abschluss der Bohrungen sollen diese wieder verfüllt werden. „Sprengungen erfolgen in den Testbohrungen nicht“, teilte die BGE mit. Für die späteren Messungen würden kleine Sprengungen erzeugt, um seismische Wellen auszusenden.

Mehr Salzwasser Anfang Juni

Weil Anfang Juni dieses Jahres deutlich mehr Salzwasser zufloss als üblich, war die Forderung aufgekommen, einen Sonderbeauftragten für die Asse einzusetzen. Das niedersächsische Umweltministerium sah aber keine veränderte Gefährdungslage, da sich die Menge an zugeflossenem Salzwasser kurz darauf wieder normalisiert habe.

Von Christian Brahmann