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Der Norden Bioenergiedorf Jühnde geht das Geld aus
Nachrichten Der Norden Bioenergiedorf Jühnde geht das Geld aus
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21:03 11.11.2018
Einstiges Pionierprojekt: Jühnde versorgt sich selbst mit Strom und Wärme aus Biomasse. Quelle: Foto: Mühlhausen/pid
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Jühnde

Deutschlands erstes Bioenergiedorf in Jühnde (Kreis Göttingen) hat ein Geldproblem. Weil sich die gesetzlichen Vorgaben für Biogasanlagen verschärft haben, müssen die Betreiber erheblich in bauliche und technische Veränderungen investieren. Weil die Betreibergesellschaft des viel beachteten Vorzeigeprojekts jedoch nicht genug Eigenkapital hat, haben die Genossenschaftsmitglieder auf ihrer jüngsten Generalversammlung den Vorstand beauftragt, nach einem Investor zu suchen.

Vorreiter in Deutschland

Jühnde hatte im Herbst 2005 als erstes Dorf in Deutschland seine Energieversorgung auf erneuerbare Energien umgestellt. Seitdem beziehen die in einer Genossenschaft zusammengeschlossenen Bewohner des 750-Einwohner-Ortes Strom und Wärme ausschließlich aus Biomasse. Die Energieversorgung ruht auf drei Säulen: Örtliche Landwirte liefern Acker- und Grünlandpflanzen, die in der Biogasanlage zusammen mit der Gülle aus Rinder- und Schweineställen zum Biogas Methan vergoren werden. Das Methan wird im benachbarten Blockheizkraftwerk verbrannt und in Strom umgewandelt. Die Abwärme, die dabei entsteht, wird in das eigens gebaute örtliche Nahwärmenetz eingespeist und heizt die angeschlossenen Häuser der rund 150 Wärmekunden. Um den größeren Wärmebedarf im Winter decken zu können, wird in einer HolzhackSchnitzelanlage Restholz aus den umliegenden Wäldern verbrannt.

Das Pionierprojekt war anfangs nicht nur eine ökologische, sondern auch eine ökonomische Erfolgsgeschichte. 2013 konnte die Genossenschaft erstmals eine Dividende an ihre knapp 200 Mitglieder ausschütten. 2017 erwirtschaftete die Genossenschaft jedoch ein Minus von 200 000 Euro.

Dazu hätten mehrere Faktoren beigetragen, sagt Eckhard Fangmeier, Vorstandsmitglied und Sprecher der Bioenergiedorf Jühnde e. G.. Um die Energieerzeugung noch effizienter, bedarfsgerechter und langfristig wirtschaftlicher gestalten zu können, hatte die Genossenschaft 2015 in neue Technologien investiert – unter anderem in eine Anlage, in der Bakterien die organischen Stoffe besser aufschließen und abbauen können.

Die Genossenschaft war davon ausgegangen, dass sie für die technische Aufrüstung einen im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vorgesehenen Technologiebonus bekommen müsste. Der Betreiber des Stromnetzes zahle diese Zusatzvergütung jedoch nicht, die Genossenschaft habe bereits Klage beim Landgericht Kassel eingereicht. Inzwischen fehlten Einnahmen von rund einer Viertelmillion Euro, sagt Fangmeier.

Auch die 2017 vom Bund erlassene neue Düngemittelverordnung bringt das Bioenergiedorf in Bedrängnis. Diese sieht vor, dass Gärsubstrat statt sechs künftig neun Monate lang gelagert werden muss. Dafür reicht die Lagerkapazität in Jühnde nicht aus. „Wir müssen einen neuen Gärrestbehälter bauen“, erklärt Fangmeier. Außerdem müsse der Wall verlängert werden. Um die Vorgaben erfüllen können, müsse man bis zu 700 000 Euro investieren. Dies könne die Genossenschaft nicht selbst stemmen.

Von Heidi Niemann

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