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Der Norden Rektor plündert über 180.000 Euro vom Schulkonto und wird verurteilt
Nachrichten Der Norden Rektor plündert über 180.000 Euro vom Schulkonto und wird verurteilt
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16:28 27.11.2019
Ein wegen Untreue verurteilter ehemaliger Schulleiter (l)vor Prozessbeginn in Braunschweig. Quelle: Sina Schuldt/dpa
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Braunschweig

Weil er seine Spielsucht mit Geld von Konten seiner eigenen Schule finanziert hat, ist ein Schulleiter zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt worden. Mit dem Urteil des Landgerichts Braunschweig wegen Untreue dürfte der 53 Jahre alte Pädagoge seinen Beamtenstatus verlieren. (Az.: 4 KLs 406 Js 50103/16 (76/16))

Der Ex-Rektor einer Hauptschule hatte zum Prozessauftakt gestanden, unter der Last von rund 300.000 Euro an Spielschulden Konten der Schule geplündert zu haben. Die Staatsanwaltschaft warf ihm vor, in seiner Funktion als Schulleiter von 2013 bis 2016 mehr als 182.000 Euro vor allem auf das Konto seiner Frau umgeleitet zu haben. „Gespielt, gewonnen und dann nahm das Unheil seinen Lauf“, so fasste die Anwältin der Ehefrau die Geschichte am Mittwoch knapp zusammen.

2006 wurde der Angeklagte Schulleiter einer Hauptschule in Salzgitter. Drei Jahre später fand er seiner Erinnerung nach einen Gutschein zum Online-Spielen im Briefkasten. „Ich habe direkt 1000 Euro gewonnen“, sagte er in seinem Geständnis zum Prozessauftakt. Was folgte, war eine Abwärtsspirale in die Spielsucht. „An manchen Tagen habe ich bis zu 20.000 Euro verloren“.

Ex-Rektor könnte Beamtenstatus verlieren

Wenn seine Frau schlief oder einkaufte, zockte der Lehrer teilweise die komplette Nacht hindurch - bis er wieder zur Schule musste. „Zum Schluss hatte ich neun Kreditkarten und unser Haus mit 130.000 Euro belastet“, bilanzierte der 53-Jährige selbst. Für das Gericht schilderte er glaubhaft, wie er ein Doppelleben aufbaute, um seine Sucht zu verdecken. Demnach funktionierte er als Schulleiter, Mann und Vater, ohne dass jemand sein Probleme erkannte.

Durch nachforschende Kollegen flog der Schulleiter 2016 doch auf und wurde suspendiert. Mit der Unterstützung seiner Familie begann er eine Therapie, die er nach Überzeugung des Gerichts erfolgreich abgeschlossen hat. Einen erheblichen Teil des Geldes hat der Lehrer bereits zurückgezahlt. Etwa 30.000 Euro stellte die Staatsanwaltschaft sicher. Der Rest soll noch vom Verurteilten eingezogen werden. Durch die Strafe muss er zudem mit der Entfernung aus dem Beamtenverhältnis rechnen. Eine Revision gegen das Urteil ist noch möglich.

Entschuldigung bei Schülern und Eltern

Der Richter machte in seinem Urteil aber auch deutlich, dass durch die damaligen Verhältnisse an der Schule die Taten zumindest nicht schnell beendet wurden. Eine ordentliche Kassenprüfung habe es nicht gegeben. Der Kontrolleur sei der Schulleiter selbst gewesen. Der Schulleitungsverband Niedersachsen teilte zu Beginn des Prozesses mit, dass keine ähnlichen Fälle von Unterschlagung in einer Schule in dieser Größenordnung bekannt seien. Man gehe davon aus, dass es sich um einen „bedauerlichen Einzelfall“ handele.

In seinem Schlusswort entschuldigte sich der Verurteilte bei den Schülerinnen und Schülern sowie seiner Familie. Seine Frau wurde vom Vorwurf der Beihilfe freigesprochen.

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Von RND/dpa

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