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Der Norden Steinmeier besucht das Land der Leuchttürme
Nachrichten Der Norden Steinmeier besucht das Land der Leuchttürme
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18:23 09.04.2019
Keine abgehängte Region: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Wittmund in einer Integrationswerkstatt. Quelle: Carmen Jaspersen/dpa
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Wittmund

„Moin, moin“ sagt Frank-Walter Steinmeier zur Begrüßung. Der Bundespräsident ist aus Berlin nach Ostfriesland eingeflogen – doch er kennt natürlich die örtlichen Gepflogenheiten. Schließlich begann seine politische Karriere in Niedersachsen, als Büroleiter in der Staatskanzlei in Hannover.

Bei seiner Rundreise durch den ostfriesischen Landkreis Wittmund interessieren sich Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender jedoch mehr für die Sorgen der Menschen in ländlichen Gebieten. Steinmeier machte klar, dass Zukunftsperspektiven im ländlichen Raum schwieriger zu gestalten seien als in Städten. „Weil viele Läden zugemacht haben, weil manche Tankstelle nicht mehr existiert, die Wege zum Arzt und zur Schule auch weiter geworden sind“, sagte er.

Doch gerade Ostfriesland und die Nordseeküste seien mehr als nur touristische Leuchttürme. Viele Menschen sorgten in den kleinen Dörfern und Gemeinden immer wieder für neue Zukunftsperspektiven und Optimismus, lobte Steinmeier am Dienstag. Von abgehängten Regionen wollte er nicht sprechen.

Steinmeier interessiert sich bei seinen Reisen gerade für kleine überschaubare Projekte, an denen Eigeninitiative und Kreativität deutlich werden. Dazu gehört eine Integrationswerkstatt des Landkreises Wittmund. Dort werden 16 unbegleitete und geflüchtete Jugendliche aus Afrika und dem Nahen Osten auf ihre Ausbildung vorbereitet. „Sie bekommen Schul- und Sprachunterricht, alle Teilnehmer haben gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz“, sagte Projektleiterin Cornelia Kleen-Osterburg.

Steinmeier hatte zuvor eine 1863 gegründete Klinkermanufaktur besichtigt, die Rohstoffe aus der Region für die traditionelle Herstellung von Klinkersteinen nutzt. Am Nachmittag informierte sich das Staatsoberhaupt in einer Landarztpraxis in Esens über Möglichkeiten zur medizinischen Versorgung in dünn besiedelten Regionen.

Die Bundesregierung hat eine Kommission „Gleichwertige Lebensverhältnisse“ in Stadt und Land eingesetzt, die bis zur Mitte des Jahres Vorschläge vorlegen soll. Erst vorige Woche hatte eine neue Studie mehrere Problemzonen in einigen Gebieten Niedersachsens aufgezeigt. Zu den bundesweit 20 Kreisen und kreisfreien Städten mit den schlechtesten Zukunftsaussichten zählten Emden, Wilhelmshaven, Holzminden und Lüchow-Dannenberg. Auch der Kreis Wittmund gehörte darin zu den Sorgenkindern.

Die Landkreise in Niedersachsen fordern von der Landesregierung mehr gezielte Hilfe für strukturschwache Regionen wie das Wendland, das Leine-Weser-Gebiet und Teile Ostniedersachsens. SPD und CDU hätten im Koalitionsvertrag ein Ein-Milliarden-Programm zugunsten der Kommunen angekündigt. Dies sei bisher nicht umgesetzt worden, sagte der Hauptgeschäftsführer des Landkreistages, Hubert Meyer, vor dem Besuch von Steinmeier in Ostfriesland.

Von Hans-Christian Wöste