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Der Norden Alle Kinder werden einzeln mitgezählt: Das sind die neuen harten Kontaktregeln für Niedersachsen
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Corona: Das sind die neuen harten Kontaktregeln für Niedersachsen

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17:18 08.01.2021
„Wir leiten erneut harte Maßnahmen ein“: Claudia Schröder stellte die neuen Regeln vor. Quelle: Ole Spata/dpa
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Hannover

Von Sonntag an werden auch in Niedersachsen verschärfte Corona-Regeln gelten. Das Land setzt damit die Beschlüsse der Bund-Länder-Konferenz um. „Wir leiten erneut harte Maßnahmen ein“, sagte Claudia Schröder, stellvertretende Leiterin des Corona Krisenstabs der Landesregierung, am Freitagvormittag. Grundsätzlich dürfen sich künftig nur noch ein Haushalt sowie eine weitere Person treffen – unabhängig vom Alter der Kinder.

„Dann muss der Vater auf das Baby aufpassen“

So darf beispielsweise eine Mutter nicht mit ihrem Baby ihre beiden Eltern besuchen. „Dann muss sie den Vater oder jemand anderen bitten, so lange auf das Kind aufzupassen“, betonte Regierungssprecherin Anke Pörksen. Alle Kinder würden einzeln mitgezählt. Bei getrennt lebenden Eltern werden die Kinder jedoch zu beiden Haushalten gezählt, Treffen sind also weiter möglich.

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Ebenfalls wichtiger Bestandteil der Regeln: Es dürfen auch zwei Personen eines Hausstands eine Einzelperson besuchen – also dürfen beispielsweise auch Mutter und Tochter zur Oma fahren. Aber nicht zu Oma und Opa.

Auch für Begleitpersonen von Behinderten und Pflegebedürftigen gibt es Ausnahmen, ebenso dürfen zusätzliche Kinder zu Kitas und Grundschulen gebracht werden. Zudem gilt die sogenannte 1 plus 1-Regel bei Beerdigungen nicht. Hochzeiten sind nicht grundsätzlich verboten. „Aber wir bitten, davon möglichst Abstand zu nehmen“, sagte Pörksen.

Betreuung durch Tagesmütter weiter möglich

Bis zum 31. Januar werden Kitas grundsätzlich geschlossen, eine Notbetreuung ist aber vorgesehen. Das gilt auch für Kinder, die im Sommer eingeschult werden und bei denen Sprachförderbedarf besteht. Um die Anzahl der betreuten Kinder innerhalb der Gruppen zu reduzieren, dürfen Kitas die Zahl ihrer Gruppen erhöhen und dafür auch Räume nutzen, die bislang nicht zur Kinderbetreuung zur Verfügung standen. Eine private Kinderbetreuung etwa durch Tagesmütter in Kleingruppen oder durch Großeltern soll möglich sein.

Harsche Kritik kommt von der Initiative „Familien in der Krise“. Familien seien wieder mit der Betreuung und Beschulung ihrer Kinder alleingelassen, sagt Sprecherin Sina Denecke. Es sei unverständlich, warum Eltern, die im Homeoffice arbeiteten, keinen Anspruch auf Notbetreuung hätten. Dabei habe Claudia Schröder in der Pressekonferenz doch selbst gesagt, dass Homeoffice nur Arbeit an einem anderen Ort bedeute, aber eben immer noch Arbeit sei und sich dabei nicht noch nebenher kleine Kinder betreuen ließen. Selbst Kinder in Klasse 5 und 6 könnten noch nicht ausreichend selbstständig und ohne ihre Eltern allein zu Hause lernen, betont Denecke.

Eine Tagesmutter, die selbst drei schulpflichtige Kinder hat und unter Dreijährige bei sich zu Hause betreut, erklärte gegenüber der HAZ, es sei schwierig, wenn ihre eigenen Kinder sich sozial stark einschränken müssten, die Tageskinder aber munter in ihrem Haus ein- und ausgehen könnten. Tagespflegepersonen müssten mitunter ihren eigenen Nachwuchs in die Notbetreuung schicken, um ihrerseits fremde Kinder betreuen zu können.

Präsenzunterricht in den Schulen ist bis zum 31. Januar untersagt. Ausnahmen gibt es hier bei schriftlichen Arbeiten sowie grundsätzlich für die Abschlussjahrgänge 9 und 10 sowie für die Abiturklassen, die ins Wechselmodell gehen. Vom 18. Januar an gehen die Grundschüler und Förderschulen mit dem Schwerpunkt „geistige Entwicklung“ ins Wechselmodell und lernen in geteilten Klassen. Schulfahrten bleiben untersagt.

Eingeschränkter Bewegungsradius möglich

Darüber hinaus dürfen Landkreise und kreisfreie Städte Betretungsverbote für öffentliche Plätze aussprechen. Bei einer Inzidenz von mehr als 200 müssen die Behörden prüfen, ob der Bewegungsradius der Einwohner auf 15 Kilometer eingeschränkt werden muss. Das sei aber kein Automatismus, betonte Pörksen. Ausschlaggebend für den Radius ist die konkrete Wohnsitzadresse – hier weicht Niedersachsen von den bundesweiten Absprachen ab. Für medizinisch notwendige Fahrten oder die Betreuung von Angehörigen gibt es Ausnahmen von der Einschränkung. Auch Einkäufe könnten demnach zu den „triftigen Gründen“ gehören.

Am Freitag lag der landesweite Inzidenzwert bei 98,1, es gab 1762 Neuinfektionen in den vergangenen 24 Stunden. „Das ist ein nach wie vor hohes Infektionsgeschehen“, sagte Schröder. Grundlage für die Beschränkungen sind allerdings die regionalen Werte, die in Niedersachsen sehr unterschiedlich sind. In der Region Hannover haben sich in den vergangenen sieben Tagen 121,9 Menschen pro 100.000 Einwohner mit dem Coronavirus infiziert.

Corona-Test bei Einreise wird Pflicht

Neu ist eine sogenannte Zwei-Test-Verpflichtung bei Einreisen aus Risikogebieten. Hier muss nun unmittelbar nach der Einreise ein Test gemacht werden. Es gilt eine Quarantänepflicht von 10 Tagen, die durch einen negativen Test nach frühestens 5 Tagen verkürzt werden kann.

Von afa/dö