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Der Norden Das „Gorch Fock“-Desaster: Wie konnte es soweit kommen?
Nachrichten Der Norden Das „Gorch Fock“-Desaster: Wie konnte es soweit kommen?
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19:09 15.03.2019
Ein Bild aus guten Zeiten: Derzeit liegt die „Gorch Fock“ in Bremerhaven im Dock, hinter dicker Plane. Quelle: Mohssen Assanimoghaddam/dpa
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Bremerhaven

Behäbig blähen sich die grauweißen Schutzplanen im Wind. Möwen kreischen über dem Fischereihafen. Unter den langen Kunststoffbahnen verbirgt sich die „Gorch Fock“ – oder was von ihr übrig ist. Eingerüstet, abgeschirmt, in Bauteile zerlegt liegt das Segelschulschiff im Trockendock der Bredo-Werft in Bremerhaven. Schon drei Jahre lang.

Ein Statussymbol unter Verschluss: Die „Gorch Fock“ im Trockendock. Quelle: dpa

Über einen schmalen Steg mit dem Dock verbunden schwimmt der „Knurrhahn“ im Wasser. So heißt das graue Marinewohnschiff „Y811“. Darauf lebt und arbeitet die Stammbesatzung des Dreimasters um Kommandant Nils Brandt. Und kann quasi zusehen, wie der von Korrosion zerfressene Metallrumpf aufgearbeitet wird.

Das Statussymbol „Gorch Fock“

Ende 2015 war das Schiff zur Instandsetzung, die wenige Monate dauern sollte, in die Werft gekommen. Jahre später erscheint die Reparatur als nicht enden wollende Irrfahrt, bei der die Marine und Bundesministerin Ursula von der Leyen in schwere See geraten sind.

Noch nicht geklärt ist, ob der Fall eher als Wirtschaftskrimi zu lesen ist, mit Managern als Drahtziehern in einem Firmengeflecht – mit Anteilen eines Familiendramas und Erbstreits. Oder vor allem als Beispiel von erheblichem Kontrollversagen der Marine bis in höchste Spitzen des Verteidigungsministeriums.

Sicher scheint schon jetzt, dass die Geschichte der „Gorch Fock“ zu einem Lehrstück geworden ist, wie öffentliche Aufträge aus dem Ruder laufen können. Wie langjährige Kontakte, ein Dschungel der Regelungen und fehlendes Risikomanagement bei der Marine zu einem unguten Mix werden, bei dem es für einen auf alle Fälle dick gekommen ist: für den Steuerzahler.

Es geht um ein Statussymbol. Die „Gorch Fock“ zierte einst die Rückseite des blauen Zehn-Mark-Scheins. Die Marine hängt an der über 60 Jahre alten Bark mit den prächtigen Rahsegeln. Für Kadetten bedeutet eine Fahrt wenig Schlaf, Kälte und Nässe, Sturm und Wellengang, Wind und Wetter.

Im Zwei-Jahres-Takt zur Kontrolle

„Es geht um Charakterformung. Nur durch die Erfahrung und Arbeit am Selbstbild gewinnt der zukünftige Offizier seine Kompetenz und Glaubwürdigkeit als Führer, Ausbilder und Erzieher“, urteilt Kapitän Nils Brandt. Wie gesagt: Die Marine hängt an dem Schiff. Das muss man verstehen, wenn man über das Debakel spricht.

Das Schiff musste in den vergangenen beiden Jahrzehnten im Zwei-Jahres-Takt zur Kontrolle und Instandsetzung. Mal waren es 3 Millionen Euro, mal 7,9 Millionen, mal knapp 10 Millionen Euro. Dass Kostenpläne gesprengt wurden, hatte der Bundesrechnungshof schon früher kritisiert. Die aktuelle sogenannte Depot-Instandsetzung läuft seit 25. November 2015. Damals wurden 9,6 Millionen Euro veranschlagt.

Jetzt stehen da insgesamt 135 Millionen Euro. Dies soll nun die strikte Kostengrenze sein – darauf haben sich Marine und Elsflether Werft geeinigt. Unter dieser Voraussetzung hat von der Leyen den vorübergehend verhängten Zahlungsstopp aufgehoben. Die Sanierung des Schiffes kann also weitergehen. 69 Millionen Euro sind bisher überwiesen worden. Wie konnte es so weit kommen?

Die Elsflether Werft

Die 1958 auf der Hamburger Blohm&Voss-Werft gebaute „Gorch Fock“ kam zur Instandsetzung meistens zur Elsflether Werft. Die liegt im gleichnamigen niedersächsischen Ort an den Flüssen Hunte und Weser. 130 Beschäftigte. 100 Jahre Tradition. Hauptauftraggeber: die Marine. Auf sie entfallen rund 80 Prozent des Umsatzes.

Weil die Werft kein Trockendock hat, mietete sie für die „Gorch Fock“ eines bei der Bredo Dry Dock GmbH etwa 45 Kilometer weserabwärts auf der anderen Flussseite in Bremerhaven. Dort liegt die „GF“, so die Kurzbezeichnung, seit 5. Januar 2016 auf dem Trockenen.

Die Instandsetzungen wurden stets ausgeschrieben. Die Werft setzte sich zuletzt gegen vier Konkurrenten durch. 9,6 Millionen Euro sind für eine Schiffsreparatur kein ungewöhnlich hoher Posten. Auch frühere Wettbewerbe hatten die Elsflether gewonnen. Die Werft gab, so die Bundesregierung, „das wirtschaftlichste Angebot ab“. Mehrfach wurde es am Ende teurer. Hätte man also etwas ahnen können?

„Wir sind damals mit einem vergleichsweise sehr kleinen Betrag angetreten und hätten uns auch darüber schon gefreut. Das war das, mit dem wir damals die Ausschreibung gewonnen haben“, sagt Marcus Reinberg. Der Hamburger Anwalt war einer von zwei Werft-Vorständen. Bis zum 30. Januar 2019. An dem Tag wurden er und sein Vorstandskollege Klaus Wiechmann von den neu eingesetzten Notvorständen der Hamburger Sky-Stiftung abberufen. Die Stiftung ist die Eigentümerin der Werft. „Dass das jemals diese Dimensionen annimmt, konnte niemand ahnen, auch wir nicht“, beteuert er.

„Seit zwei Monaten werden wir nur verprügelt. Wir sind zum Spielball verschiedener Interessen geworden“, klagt Reinberg. Gegen beide Ex-Chefs ermittelt die Osnabrücker Staatsanwaltschaft wegen Untreue-Verdachts. Auf die direkte Frage, ob er sich persönlich bereichert habe, antwortet Reinberg ohne Zögern mit „Nein“.

Mit der Absetzung des Duos kam eine neue Führungsmannschaft. Die Hauptplayer: der neue Aufsichtsratschef Pieter Wasmuth, hauptamtlich Generalbevollmächtigter der Vattenfall GmbH für Hamburg und Norddeutschland, und Vorstandschef Axel Birk (53). Wasmuth kennt ihn als Manager aus der Windkraftbranche. Ein Projektteam „Gorch Fock“ durchforstete Bücher und Akten. Das Team kam zu dem Schluss, die alten Chefs hätten Geld in ein Firmengeflecht geleitet. „Die Herren wussten offenbar nicht mehr genau, was ist meins und was ist deins“, hieß es aus der Projektgruppe.

Neben der Werft hatte jeder Vorstand seine eigene Firma. Diese betrieben teils einzeln, teils zusammen weitere Firmen. Einige dienten als Zulieferer für die Werft. Andere investierten in schiffbauferne Branchen wie Film, Reisen und Goldförderung in der Mongolei. Geleitet worden seien die Unternehmen oft von „Angestellten und Lebenspartnern“ der Vorstände – so steht es im Insolvenzantrag. Mehr als 20 Firmennamen umfasst die Übersicht, und mehr als 20 Millionen Euro sollen an sie geflossen sein.

Am 20. Februar setzte sich Birk schließlich ins Auto, fuhr 35 Kilometer von Elsfleth nach Nordenham und ging ins Amtsgericht. Dort stellte er den Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung. Die Elsflether Werft war zahlungsunfähig. Allein die Forderungen des größten Unterauftragnehmers Bredo belaufen sich auf 3,9 Millionen Euro, wie aus dem Insolvenzantrag hervorgeht.

Die Bredo-Werft berechnet für die Dock-Kosten 10 000 Euro - pro Tag. Macht rund 300 000 Euro im Monat. Zudem wurden zwischen Bredo und der Elsflether Werft etwa 50 000 Euro im Monat für Liegeplatz und Versorgung des Mannschaftsschiffes „Knurrhahn“ vereinbart. Seit Mitte Januar rechnet die Marine selbst mit Bredo ab. So seien die Kosten reduziert worden, heißt es im Umfeld des Verteidigungsministeriums.

Was Zulieferer berichten

Die Zulieferer leiden stark, sie kommen - auch ohne Baustopp - nur schleppend voran. Beispiel: die Janssen Elektromaschinen GmbH. Die Firma aus Emden soll die elektrische Installation liefern. Doch wie Kabel ziehen in einem Schiff, dessen Rumpf nicht fertig ist? „In den Rumpf kommen wir noch nicht hinein“, sagt Geschäftsführer Dieter Janssen. Die Schulden der Elsflether Werft bei ihm seien zwar nicht existenzgefährdend, aber: „Das ist äußerst schmerzhaft, eventuell so viel Geld verlieren zu müssen.“

50 bis 60 große und kleine Subunternehmer waren oder sind in den „Gorch Fock“-Auftrag involviert. Betroffen seien 500 Arbeitsplätze neben der Werft, schätzt die Gewerkschaft IG Metall.

Unter der Hand berichten Betriebe von ruppigem Geschäftsgebaren des alten Vorstands, von mühseligen Kämpfen um fällige Bezahlung. Im Insolvenzantrag steht, dass die Werftleitung von Zulieferern überhöhte Angebote eingeholt und bei der Marine abgerechnet haben soll. Die Zulieferer bekamen danach 15 Prozent weniger. Der alte Vorstand gibt keinen Kommentar. Womöglich geht es hier um Straftaten.

Der Wendepunkt bei der „Gorch Fock“

Lange blieben diese Dinge unter der Decke, sie fügten sich nicht zu einer Geschichte. Doch ein Erbzwist und Machtkämpfe bei der Werft sorgten dafür, dass die Vorgänge in Elsfleth breiter hinterfragt wurden. So fiel auch ein neues Licht auf das Reparaturprojekt „Gorch Fock“ und auf womöglich mangelnde Kontrollen der Militärs.

Werftbesitzerin Brigitte Rohden hatte 2009 die Sky-Stiftung gegründet und ihr den Schiffbaubetrieb übertragen. Bis heute hält die Stiftung 6 Prozent der Anteile direkt, 94 Prozent über eine Vermögensverwaltungsgesellschaft.

Am 27. Januar 2018 starb Rohden mit 77 Jahren, die Sky-Stiftung erbte ihr Vermögen. Alleiniger Vorstand der Stiftung und Rohdens Testamentsvollstrecker war ihr Vertrauter Reinberg. Nicht zur Freude von Rohdens beiden Töchtern: Sie beauftragten die Hamburger Kanzlei Roxin, kursierende Vorwürfe gegen Reinberg zusammenzufassen. Es entstand ein Dossier mit 27 Seiten, das im September 2018 an die Stiftungsaufsicht ging. Auch danach passierte erstmal - nichts.

Bis Mitte Dezember. Da offenbarte sich ein Mitarbeiter des Marinearsenals in Wilhelmshaven. Die Behörde ist für die Wartung von Schiffen und Hafenanlagen der Marine zuständig - und Vergabestelle bei Ausschreibungen. Jener Mitarbeiter verantwortete die technische Preisprüfung bei der Sanierung der „Gorch Fock“. Er zeigte sich selbst bei seinem Vorgesetzten an, mit der Angabe, dass er vergünstigte Darlehen über mehrere Hunderttausend Euro von der Werft und einer anderen beteiligten Firma bekommen habe.

„Als im Dezember 2018 die Selbstanzeige des Marinearsenal-Mitarbeiters kam, war dies der Wendepunkt. Das war der Trigger. Von da an wurde alles neu, und zwar von null an, diskutiert“, sagt Ex-Vorstand Reinberg. Und wundert sich, weil zu diesem Zeitpunkt kostenmäßig alles geklärt schien: „Es war keine einzige Zahl beim Auftragsvolumen geändert worden.“ Das Verteidigungsministerium zog nach der Anzeige die Notbremse und verhängte im Dezember 2018 den mehrmonatigen Zahlungsstopp.

„Der 12. Dezember war als Tag des Zahlungsstopps gewissermaßen der D-Day“, sagt auch der Hamburger Rechtsanwalt und vom Amtsgericht Nordenham bestellte Sachwalter für die Werft, Per Hendrik Heerma. „Als der Bund die Zahlungen einstellte, war logisch, dass die Werft zahlungsunfähig werden wird, falls die Lieferanten nicht ihre Forderungen stunden.“

Es war mithin eine Frage der Zeit. Reinberg und Wiechmann müssen aus seiner Sicht trotzdem noch vieles erklären. „Der alte Werft-Vorstand hat viele Millionen Euro für Zwecke gezahlt, deren Hintergrund aufgeklärt werden muss. Das hat die Zahlungsfähigkeit der Werft massiv gefährdet.“

Die Kosten

Die Kostenexplosion ist zwar seit der Insolvenz der Werft ein großes Thema. In Gang gekommen ist sie aber schon sehr früh: Mehr und mehr Teile des Schiffes, die anfangs nicht vorgesehen waren, wurden erneuert.

Seit Beginn der Instandsetzung bis 10. Dezember 2018 ergaben sich 124 Änderungen zum ursprünglichen Auftrag. „Faktisch handelt es sich in Folge dessen nicht mehr um einen Instandsetzungsauftrag, sondern eher um einen Neubau des Schiffes“, steht im Insolvenzantrag. So sieht es auch Werft-Betriebsratschef Ralf Templin. Der Stahlrumpf sei zu 85 bis 90 Prozent fertig. „Da kann man schon das Wort Neubau in den Mund nehmen.“

Ex-Vorstand Wiechmann (50), der vor allem für die technische Seite zuständig war, skizziert die Auftragsabläufe so: „Die Werft geht nicht zur Marine und sagt, das müsst ihr tun und das nicht. Wir haben das ausgeführt, was uns die Marine als Auftraggeber sagte und letztlich in Auftrag gab.“ Etwa alle 14 Tage habe es eine Statusbesprechung mit allen Vertretern gegeben - und anschließend Protokolle.

„Die Marine hat immer klar gesagt: Man will eine „Gorch Fock". Man restauriert das Schiff. Das Geld war da nicht die Hauptfrage“, beschreibt Wiechmann seine Sicht der Dinge. Für ihn ist es wichtig, dass die Grenze von „128 Millionen Euro plus“ schon seit März 2018 bekannt war.

Die Ministerin

Verteidigungsministerin von der Leyen, die seit über fünf Jahren im Amt ist, setzt in ihren Aussagen andere Schwerpunkte. Sie geht eher Richtung Wirtschaftskrimi. Bei ihr kommt die abgelöste Werftspitze nicht gut weg: „Die alte Geschäftsführung hat, soweit wir das bisher aufklären konnten, Summen in Millionenhöhe, die die Bundeswehr ihr bereits gezahlt hat für die "Gorch Fock", nicht an die Unterauftragnehmer weitergeleitet“, sagte die CDU-Politikerin am 20. Februar, dem Tag des Insolvenzantrages, in Berlin.

„Sie hat ein Firmengeflecht aufgebaut von vielen Tochter- und Unterfirmen. Sie hat Millionen aus der Elsflether Werft in dieses Firmengeflecht geleitet.“ Zur Insolvenz der Werft habe die Entnahme von Geldern geführt, nicht der angeordnete Zahlungsstopp des Verteidigungsministeriums. Von der Leyen war in diesem Jahr zwei Mal auf der Bredo-Werft, am 21. Januar und am 7. Februar. Ausdrücklich lobte sie die neue Geschäftsführung.

Das Verteidigungsministerium

Die 60-jährige Ministerin führt eine Megabehörde, die schon für mehrere ihrer Vorgänger zur politischen Endstation wurde: zwei dunkle Schiebetore für Fahrzeuge, ein Tor für Fußgänger, eine Wache. „Den Anweisungen der Feldjäger ist Folge zu leisten“, steht auf einem Schild am Eingang zum Verteidigungsministerium in Berlin.

Befehl und Gehorsam sind der äußere Rahmen, doch die Militärverwaltung neigt auch zum Eigenleben. Rüstungsverträge laufen über viele Jahre oder Jahrzehnte, kaum ein Minister steht bis zum Ende für die Folgen seiner Entscheidungen gerade. Dass eine Reihe von Offizieren in der Rüstungsindustrie eine zweite, lukrative Karriere hingelegt hat, macht manches nicht leichter. Dazu eine Atmosphäre der Geheimhaltung - begleitet von Durchstecherei, die sich auch gegen Minister richtet.

Allerdings ist bei der „Gorch Fock“ einiges anders. Die Kostensteigerungen hat von der Leyen selbst in den Jahren 2017 und 2018 abgezeichnet. Dabei sei sie allerdings Fehlinformationen aus ihrem Haus aufgesessen, stellte der Bundesrechnungshof am 3. Januar in einem Prüfbericht fest. Der Bericht kann als harte Abrechnung mit Vorgängen im Hause der CDU-Politikerin gelesen werden.

Die Arbeiten seien begonnen worden, ohne den Zustand des Schiffes und die Wirtschaftlichkeit des Projektes ausreichend zu prüfen, heißt es in dem vertraulichen Dokument. Die letzte vollständige dokumentierte Untersuchung der „Gorch Fock“ gab es demnach vor etwa 40 Jahren. Die vielen regelmäßigen Reparaturen boten keine derartige Grundschau. „Beide Entscheidungen der Bundesministerin zur Fortsetzung der Instandsetzung basierten somit auf falschen oder nicht hinreichend aussagekräftigen Informationen“, urteilen die Prüfer.

Die Kontrolleure formulieren Zweifel, ob eine Sanierung der „Gorch Fock“ der richtige Weg sei. Sie stellen auch in Frage, dass ein Neubau heute etwa 170 Millionen Euro kosten könnte, wie bei den Entscheidungen angenommen.

Zuletzt sei der Betrieb der „Gorch Fock“ womöglich sogar eine Gefahr für die Besatzung gewesen, warnen die Prüfer. Das Verteidigungsministerium wies dies zwar energisch zurück, erkannte allerdings wesentliche andere Punkte an. Die Kritik des Rechnungshofes sei „Auslöser einer umfangreichen internen Prüfung“ gewesen, schrieb das Ministerium am 28. Februar. Es werde noch untersucht, wie die zwei fraglichen Leitungsvorlagen für die Ressortchefin 2017 und 2018 zustande gekommen seien.

Die Rechnungshof-Experten scheinen aber unzufrieden. Nach dpa-Informationen haben die Prüfer inzwischen zusätzliche Informationen angefordert, so dass die Sache so schnell nicht zu den Akten gelegt werden dürfte.

Kann sie ja auch nicht, denn im Trockendock Bremerhaven liegt ja weiter der traurige Stahlrest des stolzen Schiffes. Und die Kostenuhr tickt, ob gearbeitet wird oder nicht. Das Gerüst kostet, das Dock kostet auch.

Wird die „Gorch Fock“ wieder Segel setzen?

Schwimmen wird die „Gorch Fock“ auf jeden Fall wieder. Die neue Werftleitung arbeitet darauf hin, dass das Schiff bis Juni/Juli schwimmfähig sein soll. Allein dafür sind maximal elf Millionen Euro nötig. Ins Wasser muss die Bark, und sei es für die letzte Fahrt zum Abwracken. Doch ein solch ruhmloser Untergang gilt als unwahrscheinlich.

Erst recht nachdem Ministerin von der Leyen am 14. März das Ende des Zahlungsstopps ankündigte. „Es gibt jetzt eine gute Chance, dass die „Gorch Fock“ wieder auf den Weltmeeren segeln wird“, sagte sie nach intensiven Gesprächen mit der neuen Werftführung. Die Politikerin sprach von einem schmerzhaften Weg der Erkenntnisse, was schief gelaufen sei. „Die Gorch Fock ist noch nicht in Sicherheit, das will ich auch sagen. Aber wir sehen gemeinsam Licht am Horizont.“

Die Besatzung hat indes das Segeltraining schon wieder aufgenommen. Eigentlich nutzt die Marine das rumänische Schwesterschiff „Mircea“ als Ersatz für die „Gorch Fock“. Doch aus Sicherheitsgründen dürfen die deutschen Kadetten auf dem Segelschulschiff nicht in die Takelage. Die Crew der „Gorch Fock“ übt nun auf der „Alexander von Humboldt II“, einem 65 Meter langen Dreimaster. Mit den typischen grünen Segeln ist die Bark wie ihr Vorgängerschiff aus der Bierwerbung bekannt. Der Neubau - Motto: „Unser Stolz mit 24 Segeln“ - wurde vor einigen Jahren von einer Stiftung mit spitzer Feder gerechnet. Kostenpunkt: knapp 16 Millionen Euro.

Von Carsten Hoffmann, Helmut Reuter, Friedemann Kohler