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Der Norden Schafzuchtverbände fordern Abberufung von Wolfsberatern
Nachrichten Der Norden Schafzuchtverbände fordern Abberufung von Wolfsberatern
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20:05 14.02.2019
Objekt der Debatte: Ein Wolf aus dem Kreis Nienburg soll bereits zehn Rinder und drei Ponys gerissen haben. Quelle: dpa
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Hannover

Die Debatte um den Abschuss eines Wolfes im Kreis Nienburg geht weiter: Jetzt haben vier niedersächsische Schafzuchtverbände in einem offenen Brief an Umweltminister Olaf Lies (SPD) gefordert, 14 Wolfsberater wegen Befangenheit von ihrem Amt zu entheben. Die Berater ließen im Falle des zum Abschuss freigegebenen Wolfes aus dem Rodewalder Rudel die „notwendigen Neutralität “ vermissen, hieß es in dem Schreiben.

Anstoß der Forderung war ein offener Brief von ehrenamtlichen Wolfsberatern aus verschiedenen Landkreisen, der ebenfalls an das Umweltministerium gerichtet war. Die Berater beklagten darin die Intransparenz bei der Entscheidungsfindung und zweifelten an der Faktenlage als Voraussetzung für die Abschussfreigabe.

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Das Schreiben der Wolfsberater enthalte überzogene Anforderungen, hieß es in dem Brief der Schafzuchtverbände. Aus ihrer Sicht stellten die Forderungen, den Wolf nicht abzuschießen, „einen schweren, unzulässigen Eingriff in die Rechte der Schafzüchter“ dar. Die Basis einer vertrauensvollen Zusammenarbeit sei damit erschüttert.

Minister Lies rief dazu auf, „angesichts der vielfältigen Herausforderungen aufeinander zuzugehen und weiterhin konstruktiv zusammenzuarbeiten“. Das Ministerium habe die Wolfsberater zunächst nicht detailliert genug über die Gründe der Entscheidung informiert. Es sei verständlich, dass diese Fragen an den Umweltminister herangetragen hatten. Gegen den Abschuss des Wolfes hätten sich die Wolfsberater allerdings nicht gestellt, betonte eine Sprecherin des Ministeriums. Es komme von allen Seiten „auf eine klare, nachvollziehbare Kommunikation an“.

Olaf Lies hatte einen bestimmten Wolfsrüden im Kreis Nienburg zum Abschuss freigegeben, der allein zehn Rinder und drei Ponys gerissen haben soll. Die Genehmigung ruht derzeit, da eine Naturschutzvereinigung einen einstweiligen gerichtlichen Rechtsschutz beantragt hatte. Nun wird die Entscheidung des Verwaltungsgerichts Oldenburg abgewartet. Das Gericht will möglichst bald entscheiden.

Dem Landvolk hingegen geht die Abschussgenehmigung nicht weit genug. Nach Einschätzung der von Wolfsrissen betroffenen Tierhalter habe der Rüde sein Jagdverhalten bereits an die Nachkommen weitergegeben, sagte Landvolkvizepräsident Jörn Ehlers am Donnerstag. Wölfe oder ganze Rudel, die sich derart stark auf Nutztiere als leichte Beute spezialisiert hätten, blieben eine dauernde und unberechenbare Gefahr für Weidetiere und müssten entnommen werden.

Von Lisa Neugebauer