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Der Norden Spezialisten buddeln in der Heide chemische Kampfstoffe aus
Nachrichten Der Norden Spezialisten buddeln in der Heide chemische Kampfstoffe aus
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00:28 30.06.2019
Vor der geplanten Öffnung der Grube haben Fachleute in Schutzkleidung Bodenproben genommen. Quelle: Heidekreis
Hannover

Atemschutzmasken sind Pflicht, wenn hier der Boden aufgewühlt wird: Am Dethlinger Teich bei Munster lagern chemische Kampfstoffe im großen Stil. Arsen, Phosgen und Abbauprodukte von Senfgas wurden bei Probeentnahmen schon nachgewiesen.

Der Teich wurde von 1942 bis 1952 zur Entsorgung nicht transportfähiger chemischer Kampfstoffe genutzt. Unter anderem die Briten sollen die deutsche Munition nach dem Zweiten Weltkrieg hier abgekippt haben.

Welche Altlasten liegen in der Grube?

Welche Altlasten liegen noch in der Grube inmitten des Kiefernwaldes und in welcher Menge? Das soll sich ab Mitte September bei der Öffnung des vor Jahren zugeschütteten Teiches zeigen. „Er stellt eine der problematischsten Rüstungsaltlasten des Landes dar“, sagt eine Sprecherin von Umweltminister Olaf Lies (SPD) in Hannover.

Der Heidekreis hat für die Öffnung der Grube gerade einen Vertrag mit der Geka unterzeichnet, der bundeseigenen Gesellschaft zur Entsorgung von chemischen Kampfstoffen und Rüstungsaltlasten. Wie lange die Untersuchung dauert, ist unklar. „Das hängt davon ab, was wir finden“, sagt Geka-Geschäftsführer Frank Lorkowski.

Anwohner sollen nicht gefährdet werden

Auch die Windrichtung spielt bei den Arbeiten eine Rolle: Auf keinen Fall sollen Anwohner durch frei werdende Gase gefährdet werden. Der ehemalige Teich mit einem Durchmesser von rund 60 Metern liegt drei Kilometer südöstlich der Stadt Munster und einen Kilometer nordöstlich des Ortsteils Dethlingen. Das Gelände grenzt an die Bundesstraße 71 von Soltau nach Uelzen, die über Monate gesperrt werden muss.

Heidekreis richtet Sperrzone ein

Zunächst von September bis Dezember sperrt der Landkreis den Bereich aus Sicherheitsgründen weiträumig ab. Kein Unbefugter darf sich dann mehr als etwa 900 Meter nähern. Erst nach dem Abschluss der Untersuchung kann die eigentliche Sanierung beginnen.

Geschätzte Kosten dafür: 50 bis 60 Millionen Euro. Wenn bei der Überprüfung eine Gefahr für Leib und Leben nachgewiesen werden kann, muss der Bund als Rechtsnachfolger des Deutschen Reiches die Kosten tragen.

Die Kosten sind enorm

Schon jetzt bei der Öffnung der Senke ist der Heidekreis auf finanzielle Hilfe angewiesen. Das Umweltministerium übernimmt einen Großteil der Kosten. Eine Gefährdungsabschätzung inklusive einer Machbarkeitsstudie wird seit 2017 gemeinsam durchgeführt. Zusätzlich zum Boden wird regelmäßig das Grundwasser in der Nähe des Teichs untersucht.

Hinterlassenschaft der Wehrmacht

Bei den jetzt anstehenden Arbeiten übernimmt das Land 70 Prozent der anfallenden Kosten, bis zu zwei Millionen Euro wurden vereinbart; der Heidekreis übernimmt 30 Prozent. Aktuell ist davon auszugehen, dass zusätzliche Mittel erforderlich werden, die wohl ebenfalls anteilig aufgebracht werden. „Rechtlich sind wir zuständig, obwohl wir nichts dafür können“, sagte Landrat Manfred Ostermann (SPD) nach der Vertragsunterzeichnung mit der Geka der HAZ. Wenn eine Gefahr für Leib und Leben nachgewiesen werden kann, muss der Bund als Rechtsnachfolger des Deutschen Reiches später die Kosten einer Sanierung tragen.

In Oerrel wurden chemische Waffen produziert

Die Giftgrube im Wald ist eine Hinterlassenschaft der Luftwaffenmunitionsanstalt der Wehrmacht in Oerrel, einem Ortsteil von Munster. Dort waren chemische Waffen produziert, abgefüllt und gelagert worden. Nach der Kapitulation 1945 übernahmen die Briten die Anlage kampflos. Was sie an brisanter Munition nicht abtransportieren konnten, landete im Dethlinger Teich.

Das Bombenräumkommando des Landes Niedersachsen benutzte die Grube dann noch bis 1952 für die Entsorgung von Kampfstoffmunition. Nicht zuletzt weil Anwohner immer wieder unter großen Gefahren metallhaltige Munitionsteile aus der Grube holten, um sie an Schrotthändler zu verkaufen, wurde der Teich 1952 mit Bauschutt aufgefüllt und mit Erde abgedeckt.

Von Gabriele Schulte

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