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Der Norden Warnstreik bei RBB legt Standort Göttingen lahm
Nachrichten Der Norden Warnstreik bei RBB legt Standort Göttingen lahm
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14:23 25.02.2019
Aufruf der EVG: Warnstreik bei der RBB am Montagmorgen.
Aufruf der EVG: Warnstreik bei der RBB am Montagmorgen. Quelle: R
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Göttingen

Mitarbeiter der Regionalbus Braunschweig (RBB) haben am frühen Montagmorgen für vier Stunden ihre Arbeit niedergelegt. Der Warnstreik hatte teils schwere Auswirkungen auf den Busverkehr in mehreren Städten in Niedersachsen. In Göttingen und Uelzen sei der Busverkehr bereits „stark beeinträchtigt“, bestätigte ein Bahnsprecher am Morgen. Auch in Goslar und Holzminden waren Busfahrer, Sachbearbeiter und Werkstattmitarbeiter zwischen 4 und 8 Uhr aufgerufen, die Arbeit niederzulegen. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hatte den Warnstreik am Sonntagabend angekündigt.

Nach Angaben einer Bahnsprecherin seien sämtliche RBB-Standorte bestreikt worden. Von 70 Bussen seien am Morgen nur 13 gefahren. Seit 9.30 Uhr seien die Busse wieder normal gefahren. EVG-Gewerkschaftssekretär Michael Kerl gibt an, dass allein in Göttingen rund 50 Kollegen im Warnstreik waren. Damit sei der komplette Standort lahmgelegt gewesen.

Schleppende Tarifverhandlungen

Hintergrund für den Arbeitskampf seien die „schleppenden Tarifverhandlungen“ mit der RBB, teilte die Gewerkschaft mit. „Eine unserer Kernforderungen, das volle EVG-Wahlmodell, wird vom Arbeitgeber schlichtweg abgelehnt. Nachdem wir mittlerweile in mehr als 70 Betrieben durchgesetzt haben, dass unsere Kolleginnen und Kollegen selber entscheiden können, ob sie 2,6 Prozent mehr Geld, 6 Tage mehr Urlaub oder eine Arbeitszeitverkürzung wollen, ist für uns völlig inakzeptabel, dass dies nicht auch bei der RBB gelten soll“, sagte Kerl. Das volle Wahlmodell gelte etwa bei den Beschäftigten der DB Regio.

Warnstreik an der UMG

Die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) wird während der Tarifauseinandersetzungen im Öffentlichen Dienst am Mittwoch, 27. Februar, von einem Warnstreik der Gewerkschaft Verdi betroffen sein. Die UMG habe dazu mit der Gewerkschaft eine Notdienstvereinbarung abgeschlossen, damit die notwendige medizinische Versorgung der Bevölkerung in der Krankenversorgung sichergestellt bleibt, teilt die UMG mit.

„Der Warnstreik am kommenden Mittwoch wird zu deutlichen Einschränkungen in der Krankenversorgung an der UMG führen. Dennoch hat die Sicherheit der Versorgung unserer Patienten während des eintägigen Warnstreikes an der UMG höchste Priorität“ sagt Dr. Martin Siess, Vorstand Krankenversorgung an der UMG. „Die Notfallversorgung unserer Patienten am Streiktag ist dadurch gewährleistet, ebenso wie die Versorgung der bereits aufgenommenen Patienten.“

In Bereichen der Patientenversorgung, etwa im Zentral-OP und im Pflegedienst, könne es jedoch am Mittwoch zu Verzögerungen und Terminausfällen kommen. So blieben etwa die Hälfte der Operationssäle und zwei OP-Säle in der Augenklinik am Standort Hainberg geschlossen. Die UMG empfiehlt Patienten, in den behandelnden Kliniken anzurufen, ob der Termin stattfinden kann.

Die EVG fordert in der laufenden Tarifrunde unter anderem 5,8 Prozent mehr Geld, einschließlich mehr vom EVG-Wahlmodell, eine Erhöhung der Ausbildungsvergütung sowie die Weiterentwicklung des Haustarifvertrags. „Diese Forderungen sind völlig legitim und würden die Arbeit der Busfahrer, Sachbearbeiter und Werkstattmitarbeiter in der gebotenen Form wertschätzen, es ist bedauerlich, dass sich der Arbeitgeber dem immer noch verweigert“, kritisierte Kerl. Die Bahn habe in zwei Schritten eine Lohnerhöhung von insgesamt 2,7 Prozent vorgeschlagen. Danach sollte die Vergütung für Auszubildende um 20 Euro steigen.

Bei diesem Arbeitgeberangebot nach zwei Verhandlungsrunden, so Kerl, sei der EVG nicht anderes geblieben, „als zum Warnstreik aufzurufen, um deutlich zu machen, dass es uns mit unseren Forderungen ernst ist.“ Der Warnstreik sei daher unumgänglich. Kerl hofft auf das Verständnis der Fahrgäste.

Verhandlungen bis 7. März

Am 7. März soll weiterverhandelt werden. Kerl hofft, mit dem Warnstreik am Montag, „ein Zeichen gesetzt“ zu haben. Bis dahin soll es ein „einmaliger Warnschuss“ gewesen sein.
Die RBB ist eines der größten Nahverkehrsunternehmen im östlichen Niedersachsen und eine Tochter der Deutschen Bahn.

Diakonie-Beschäftigte planen Protestaktionen in Tarifstreit

Die Gewerkschaft Verdi hat die Forderung der diakonischen Arbeitgeber in Niedersachsen zurückgewiesen, die Arbeitszeiten der Pflegekräfte auf 40 Stunden und mehr an sechs Tagen in der Woche auszuweiten. „In der Problemlösung könnten wir nicht weiter voneinander entfernt sein“, sagte Verdi-Verhandlungsführerin Annette Klausing am Montag in Hannover. Beide Seiten treffen sich am 13. März zur dritten Verhandlungsrunde.

Die Gewerkschafterin kündigte Protestaktionen der rund 38.000 Diakonie-Beschäftigten in Niedersachsen an. Bereits an diesem Dienstag wollten die Mitarbeitende des Agaplesion Diakonieklinikums und der Rotenburger Werke in Rotenburg/Wümme in einer „aktiven Mittagspause“ über die laufenden Tarifverhandlungen informieren.

Die Gewerkschaften und der Diakonische Dienstgeberverband Niedersachsen verhandeln seit Dezember über höhere Tarife. Verdi und die Ärzte-Gewerkschaft Marburger Bund fordern dabei sechs Prozent mehr Gehalt, mindestens aber 200 Euro mehr im Monat.

Die Arbeitgeber verwiesen zuletzt auf den Fachkräftemangel in der Pflege. Um Patienten auch künftig angemessen betreuen zu können, sei eine Anhebung der wöchentlichen Arbeitszeit von 38,5 auf 40 Stunden erforderlich, sagte ihr Verhandlungsführer Jens Rannenberg, Vorstand der Dachstiftung Diakonie in Hannover und Gifhorn. Dadurch werde sich das Gehalt um rund 3,9 Prozent erhöhen. epd

Von Michael Brakemeier / dpa