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Der Norden Das Schiffshebewerk Scharnebeck hat Betonkrebs
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00:19 15.06.2019
Das Tankschiff „Blackbear“ liegt im zweiten Hebetrog des Schiffshebewerkes Scharnebeck im Kreis Lüneburg. Mit dem 1976 fertiggestellten Bau überwinden die Schiffe einen Höhenunterschied von 38 Metern. Quelle: Philipp Schulze/dpa
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Scharnebeck

Wenn Helge Meyer seine Baustelle besucht, hat er vor allem Augen für die Wände. Haben sie Flecken oder nicht, das ist die Frage, die den Ingenieur umtreibt. Denn Flecken sind das sichtbare Zeichen für unsichtbare Schäden hinter der Oberfläche: Das Schiffshebewerk Scharnebeck im Landkreis Lüneburg hat Betonkrebs. Noch bis 2022 dauern die Sanierungsarbeiten.

Helge Meyer ist Projektleiter beim Wasser- und Schifffahrtsamt Uelzen, er weiß genau, an welchem Tag in Scharnebeck welche Seilscheibe und welche Spindel saniert und welche Wand abgespritzt wird. Denn überall, wo Flecken zu sehen sind, müssen die Arbeiter den Beton mit extrem hohem Druck abstrahlen und anschließend neu aufbringen. „An einigen Stellen sind die Schäden weit stärker als vermutet“, sagt der Maschinenbauingenieur. „Wir müssen daher mehr Beton ersetzen als gedacht.“

Projektleiter Helge Meyer arbeitet seit dem Jahr 2000 für das Wasser- und Schifffahrtsamt Uelzen. Quelle: Carolin George

In einem Hebewerk können Schiffe Höhenunterschiede in Wasserstraßen überwinden. Im Schiffshebewerk Scharnebeck sind es 38 Meter. Als es 1974 mit seinen zwei parallelen, mit Wasser gefüllten Riesenfahrstühlen gebaut wurde, war es zwar das größte seiner Art weltweit. Doch eines wussten die Planer bei aller technischer Finesse damals nicht: wie bestimmte Kiesel im Beton mit Zement reagieren. Mit den Folgen haben ihre Nachfolger jetzt, 35 Jahre später, zu kämpfen: Der Beton ist an manchen Stellen so weich geworden, dass man ihn ersetzen muss.

Risse entstehen

Was landläufig Betonkrebs heißt, ist eine Alkali-Kieselsäure-Reaktion: Die im Beton verarbeiteten Kiesel, also Feldspat oder Flint, reagieren mit dem Zement. Kommt Feuchtigkeit hinzu, wird die Masse gelartig und vergrößert sich. Risse entstehen, die wiederum noch mehr Feuchtigkeit in die Wand lassen. „Ganz schlecht ist, wenn die Schäden bis zu dem Stahl im Beton vordringen“, erklärt Helge Meyer.

Scharnebeck ist kein Einzelfall, wegen der damals unbekannten Reaktion mussten bereits ganze Brücken abgerissen werden. Die Statik war in Gefahr und nicht mehr zu retten. „Betonkrebs ist vergleichbar mit faulem Fleisch, das sich zersetzt“, sagt Meyer.

Enormer Sanierungsaufwand

Die Statik in Scharnebeck ist zwar nicht in Gefahr. Der Sanierungsaufwand ist trotzdem enorm: Bis zu 15 Zentimeter tief muss der Beton aufgeraut, also abgespritzt werden. Danach bringen die Handwerker einen neuen, faserverstärkten Beton auf, der feuchtigkeitshemmend wirkt und dessen pH-Wert keine weiteren chemischen Reaktionen verursacht. „Das Hebewerk bekommt eine neue Haut“, so der Ingenieur.

Das Schiffshebewerk Scharnebeck wird für 80 Millionen Euro saniert. Bis 2020 dauern die Arbeiten. Quelle: Carolin George

Die Sanierung der Wände ist dabei nur ein Teil eines umfangreichen Instandsetzungsprojekts, das 35 Jahre nach Inbetriebnahme des Bauwerkes im Jahr 1976 ohnehin vorgeschrieben ist und in den ersten Planungsschritten bereits 2010 begann. Knapp 80 Millionen Euro sind für die Sanierung sämtlicher Komponenten von der Antriebshydraulik über die Tore und das Tragwerk bis zum Seiltrieb eingeplant. Im Oktober 2022 soll alles fertig sein.

Doch es könnte bald eine neue Baustelle in Scharnebeck folgen, und zwar direkt nebenan. Weil die Containerschiffe immer länger werden und teilweise schon nicht mehr in die 100 Meter langen Tröge des Schiffshebewerks hineinpassen, gilt es seit Jahren als Nadelöhr des Elbe-Seitenkanals. Daher ist der Bau einer zusätzlichen Schleuse geplant.

Die Schleuse steht mit der Projektnummer W12 im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans, die entsprechende Unterlage für den Haushaltsausschuss ist zurzeit in Planung.

Es gibt enormes Potenzial

Bereits im Jahr 2013 hatte die Studie „Transportpotenzial nach Ausbau des Elbe-Seitenkanals“ des Beratungsunternehmens Hanseatic Transport Consultancy ausgerechnet, dass eine Steigerung des Transportvolumens auf dem Kanal um mehr als 80 Prozent auf 16,5 Millionen Tonnen jährlich möglich ist, wenn das Schiffshebewerk um eine Schleusenkammer für längere Schiffe und Schubverbände vergrößert wird.

Zurzeit bewegen sich rund acht Millionen Tonnen Güter pro Jahr auf dem Kanal, vor allem Kohle und Dieselkraftstoff. Während die Tonnage in den vergangenen drei Jahren leicht zurückging, wächst die Anzahl der Container seit 2012 stetig und liegt zurzeit bei mehr als 120.000 Standardcontainern (TEU) pro Jahr. „Das liegt daran, dass die Güter in den Containern leichter sind als zum Beispiel Kohle und landwirtschaftliche Produkte“, erklärt Sachbereichsleiter Kai Römer vom Wasser- und Schifffahrtsamt Uelzen. Vor allem Zugänge im Braunschweiger Hafen und das neue Containerterminal von Volkswagen in Wolfsburg führen laut Römer dazu, dass der Elbe-Seitenkanal an Containern zulegt.

 

Nur Weihnachten geschlossen

Fast 50 Schiffe passieren das Schiffshebewerk Scharnebeck pro Tag im Durchschnitt: rund 40 Güterschiffe sowie ungefähr zehn Sport- und Ausflugsschiffe. 2018 haben exakt 17.414 Fahrzeuge den Riesenfahrstuhl genutzt. Das Hebewerk zählt 361 Betriebstage im Jahr: Geschlossen ist lediglich am ersten und zweiten Weihnachtstag und an Neujahr, Heiligabend und Silvester fahren die Tröge nur einen halben Tag lang.

Gebaut zwischen 1969 und 1976, überwindet das Schiffshebewerk Scharnebeck einen Höhenunterschied in der Landschaft von 38 Metern. Insgesamt 240 Seilscheiben und 26 Kilometer Seile sind nötig, damit in den zwei riesigen, mit Wasser gefüllten Trögen die Schiffe hinauf- und heruntertransportiert werden können. Die Baukosten betrugen 152 Millionen D-Mark (heute etwa 78 Millionen Euro). Ein zweites Bauwerk mit diesem Zweck steht in Uelzen: Die Schleuse dort hat eine Hubhöhe von 23 Metern. Der 115 Kilometer lange Elbe-Seitenkanal verbindet die Elbe im Nordosten Niedersachsens mit dem Mittellandkanal westlich von Wolfsburg.

Von Carolin George

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