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Der Norden Ermittlerteam zerschlägt 13 Diebesbanden – und jagt jetzt auch falsche Polizisten
Nachrichten Der Norden Ermittlerteam zerschlägt 13 Diebesbanden – und jagt jetzt auch falsche Polizisten
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18:45 24.09.2019
Spurensicherung an der Haustür: Die zentrale Ermittlungsgruppe hat in drei Jahren rund 350 Taten aufgeklärt. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa (Symbolfoto)
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Osnabrück

Drei Jahre lang hat eine spezielle Ermittlergruppe der Polizeidirektion Osnabrück Einbrecherbanden gejagt, die vor Grenzen nicht haltmachen. Die Arbeit der zentralen Ermittlungsgruppe Wohnungseinbruchdiebstahl, mit Unterstützung der Europäischen Union gegründet, war ein Erfolg: 13 international tätige Banden wurden zerschlagen. Der Wert der gestohlenen Wertgegenstände liegt bei mehr als zwei Millionen Euro. Rund 350 Taten wurden aufgeklärt und 86 Tatverdächtige ermittelt, 38 Personen wurden festgenommen. Teils gab es bereits Urteile.

Ermittlungen enden oft an Ländergrenzen

Bislang war die Polizei auf international agierende Verbrechen nicht eingestellt: Jedes Bundesland hat seine eigene Polizeiorganisation, und auch die Strafverfolgung über die Staatsgrenzen hinweg ist kompliziert, denn die deutsche Polizei darf nicht einfach Hausdurchsuchungen etwa in den Niederlanden oder Belgien veranlassen – und umgekehrt.

Wichtig war der Osnabrücker Polizei daher die Vernetzung mit Dienststellen der Polizei in den Nachbarländern und Nachbarstaaten sowie der Informationsaustausch mit Europol. Auch die enge Zusammenarbeit zwischen Tatanalyse und operativer Polizeiarbeit sei eine Besonderheit, sagte der stellvertretende Osnabrücker Polizeipräsident Michael Zorn am Dienstag.

Familie begeht 64 Einbrüche

Unter anderem schnappten die Ermittler eine aus dem Ruhrgebiet heraus agierende Bande, die in einem Umkreis von 300 Kilometern Einbruchdiebstähle begangen haben soll, wie der Leiter der Ermittlungsgruppe, Jörg Bockstiegel, sagte. Die Täter schlugen in Hessen ebenso zu wie in Rheinland-Pfalz oder Niedersachsen. In einem anderen Fall wurden Taten einer im Grenzgebiet lebenden niederländischen Großfamilie aufgeklärt, auf deren Konto allein in Niedersachsen 25 Einbrüche gingen, weitere 39 waren es in Nordrhein-Westfalen.

Insgesamt, so Zorn in seiner Bilanz, habe sich die Zahl der Wohnungseinbrüche im Gebiet der Polizeidirektion Osnabrück in drei Jahren mehr als halbiert. Auch wenn die EU-Förderung jetzt ausläuft, soll das Team fester Bestandteil der Polizeiarbeit werden. Neben Einbrüchen sollen auch andere Eigentumsdelikte bearbeitet werden.

Falsche Polizisten im Visier

Ein Beispiel ist der Anstieg von Fällen, bei denen falsche Polizisten sich vor allem das Vertrauen älterer Menschen erschleichen, um sie um Geld und Wertgegenstände zu bringen. Die Zahl dieser Delikte stieg allein in Niedersachsen von 49 Fällen mit einer Schadenssumme von 35 000 Euro im Jahr 2013 auf 4235 Fälle mit einem Schaden von 4,7 Millionen Euro im vergangenen Jahr. „Diese Straftaten wirken sich sehr negativ auf das Sicherheitsgefühl der Menschen aus“, betonte Zorn.

Von Elmar Stephan