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Der Norden Löwenattacke: Wie gefährlich ist der Serengeti-Park?
Nachrichten Der Norden Löwenattacke: Wie gefährlich ist der Serengeti-Park?
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00:20 09.05.2019
„Würden Sie da aussteigen?“ Der Serengeti-Park Hodenhagen hat mehrere Löwen. Zwei Tiere, die nicht im Bild sind, haben am Sonnabend einen Pfleger schwer verletzt. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa

Frau Knoth, im Serengeti-Park Hodenhagen ist ein Pfleger
von zwei Löwen attackiert worden
– eine beängstigende Nachricht natürlich auch für die Besucher. Wie gefährlich ist ein Besuch in Ihrem Park?

Die Sicherheitsstandards sind bei uns sehr hoch. Bei den Löwen fährt man mit dem Auto durch und schaut aus dem Fenster. Aussteigen ist strengstens verboten, die Fenster müssen zu jeder Zeit geschlossen sein. Da gibt es gar keine Möglichkeit, den Zaun anzufassen oder durchzugreifen.

Vor fünf Jahren gab es einen Vorfall, bei dem ein Löwe eine Autoscheibe zerschlagen hat, hinter der eine Familie saß. Welche Konsequenzen hat der Serengeti-Park daraus gezogen?

Damals hat jemand mit einem Laserpointer oder einem Blitzlicht beim Fotografieren die Tiere irritiert. Das ist inzwischen untersagt. So lange man sich als Gast an die Regeln und den normalen Menschenverstand hält, ist das völlig unkritisch. Ich meine, würden Sie da aussteigen?

Wohl kaum. Wann kann es denn für Pfleger zu gefährlichen Situationen mit den Löwen kommen?

Eine Gefahrensituation für den Menschen mit den Löwen entsteht immer dann, wenn er im direkten Kontakt mit dem Tier ist. Bei uns ist es grundsätzlich so, dass wir keinen direkten Kontakt zu den Löwen haben. Über Nacht sind die Tiere in einem abgeschlossenen Stall. Bevor sie morgens in die Außenanlage gehen können, gibt es eine Sicherheitskontrolle. Da gilt die goldene Regel der Tierpfleger: Wann immer man das Gehege betritt, muss man sich vorher vergewissern, wo sich das Tier befindet. Das gilt übrigens im Umgang mit allen Tieren, nicht nur bei Löwen, sondern auch bei Lamas, Alpakas oder gar Ziegen. Man vergewissert sich also, dass die Tiere im abgeschlossenen Stall sind. Dann kann man die Außenanlage kontrollieren, also die Zäune abgehen. Und erst wenn die Außenanlage wieder sicher abgeschlossen ist, öffnet man den Schieber von außen, der den Weg aus dem Stall in die Freianlage freigibt.

Es gibt also normalerweise keine Situation, in der sich die Pfleger ungeschützt in der Nähe der Löwen befinden?

Bei uns nicht, nein. Ich wüsste auch nicht, ob es Einrichtungen gibt, in denen das anders ist. Wenn man bei Handaufzuchten Raubkatzenbabys hat, die man mit der Flasche aufzieht, dann nähert man sich denen natürlich schon und ist im direkten Kontakt. Aber wir haben keine ausgewachsenen Tiere, mit denen wir im direkten Kontakt sind.

Asta Knoth, Sprecherin im Serengeti-Park Hodenhagen Quelle: privat

Was müssen denn Pfleger – abgesehen vom Abschließen – noch beachten?

Man muss immer beachten, dass es sich bei diesen Tieren um Raubtiere handelt – egal wie lange man mit denen arbeitet und wie gut man die einzelnen Tiere kennt. Und diese Tiere haben natürliche Instinkte. Daher muss man die Sicherheitsrichtlinien genau einhalten.

Was besagen die Richtlinien?

Nicht im direkten Kontakt sein und die unterschiedlichen Schließsysteme immer fachgerecht schließen. Das oberste Gebot ist und bleibt aber immer absolute Wachsamkeit und Konzentration beim Umgang mit Tieren.

Ändert sich an diesem System etwas nach dem Vorfall?

Nein. Wir und auch die Behörden haben alle Sicherheitssysteme und Arbeitsabläufe überprüft. Hier gibt es an keiner Stelle einen Grund zur Beanstandung. Unser Mitarbeiter hat bedauerlicherweise den Fehler gemacht, die Anlage zu betreten, ohne vorher sicherzustellen, dass die Löwen nicht dort, sondern im Stall sind.

Zwei Kollegen konnten den Pfleger vor den Löwen retten. Wie haben sie das geschafft?

Sie haben von beiden Seiten des Geheges laut gerufen und Radau gemacht. Das hat die Tiere tatsächlich irritiert, und sie haben sich in den Stall zurückgezogen. So konnten die Kollegen die Löwen sicher verwahren und das Gehege betreten. Es war unglaublich viel Glück, das muss man ganz klar sagen. Hier waren natürlich schon alle Kommunikationsketten in Gang gesetzt worden. Auch die Veterinäre sind schon unterwegs gewesen. Wenn man die Tiere nicht unverzüglich trennen kann, hätte man natürlich weitere Maßnahmen ergreifen müssen, bis hin zur Tötung der Tiere. Das war in diesem Fall glücklicherweise nicht nötig.

Wie geht es dem Kollegen jetzt?

Er hatte zum Glück keine lebensbedrohlichen Verletzungen und ist inzwischen wach und ansprechbar. Er liegt zwar noch auf der Intensivstation, weil seine Bisswunden noch versorgt werden müssen, aber es geht ihm den Umständen entsprechend gut.

Das ist der Serengeti-Park Hodenhagen

Der Serengeti-Park Hodenhagen ist der größte Safaripark in Europa. Er wurde im Jahr 1974 eröffnet. Mehr als 1500 wilde Tiere leben dort auf einer Fläche von insgesamt 220 Hektar. Neben Löwen hält der Park auch Tiger, Affen, Antilopen und andere exotische Tiere. Die Publikumslieblinge sind die afrikanischen Elefanten, Breitmaulnashörner, Giraffen, der Bisonbulle und die Amurleoparden.

Der Park teilt sich in drei Bereiche. Durch die Serengeti-Safari können Besucher mit eigenen Autos fahren und die freilebenden Tiere beobachten. Alternativ gibt es Busführungen. Schimpansen, Totenkopfäffchen, Weißkopfmaki und 17 weitere Affenarten leben im Bereich Dschungel-Safari. Dort können Besucher die Gehege teilweise auch betreten.

Der dritte Bereich ist die Abenteuer-Safari mit rund 40 Fahrgeschäften wie Achterbahn, Riesenschiffschaukel und Wildwasserbahn. Zudem gibt es täglich mehrere Shows und die Möglichkeit, in einer Lodge in dem Tierpark zu übernachten.

Vor zehn Jahren erhielt der Park durch das niedersächsische Kultusministerium die Zertifizierung als außerschulischer Lernort im Bereich „Bildung für nachhaltige Entwicklung“.

Von Johanna Stein

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