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Der Norden EKD verabschiedet den Sozialexperten Gerhard Wegner
Nachrichten Der Norden EKD verabschiedet den Sozialexperten Gerhard Wegner
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17:11 09.05.2019
Diskutiert und streitet gern: Gerhard Wegner, scheidender Chef des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD in Hannover Quelle: HC Plambeck
Hannover

„Die evangelische Kirche ist viel zu selbstgenügsam, sie hat viel zu wenig produktive Unzufriedenheit in sich“, findet Gerhard Wegner. Der dies sagt, ist kein junger, aufmüpfiger Pastor, sondern ein Professor, der kurz vor dem Ruhestand steht. Seine These: Die Kirche müsste viel stärker aus sich herausgehen und versuchen, sich neue Milieus zu erschließen anstatt sich in den alten allzu wohl zu fühlen. Wegner selbst hat immer wieder versucht, diesen Anschluss zu finden – als Theologe, Wissenschaftler und Kirchenmanager. Jetzt geht der 66-jährige Chef des Sozialwissenschaftlichen Institutes der EKD in den Ruhestand. Ein profilierter Protestant aus Niedersachsen tritt ab.

„Begeisterungsfähigkeit ist wesentlich“

Das Sozialwissenschaftliche Institut mit Sitz in Hannover ist eine Denkstube der Evangelischen Kirche in Deutschland. 15 Jahre lang stand Wegner dem Institut vor. Es hat große Studien etwa zur Armut in Niedersachsen entworfen oder zur Wahrnehmung kirchlicher Arbeit.

Am Sonnabend wird Wegner mit einem Kongress in Berlin verabschiedet. Doch Spuren hat der gebürtige Hamburger, der in Wilhelmsburg am Hafenrand aufwuchs und persönlich die große Sturmflut von 1962 erlebt hat, vor allem in Niedersachsen hinterlassen. Etwa als Gründungsgeschäftsführer der Hanns-Lilje Stiftung in Hannover oder als Leiter des evangelischen Expo-Büros und Direktor des Christus-Pavillons auf der Weltausstellung im Jahr 2000.

Von diesen Zeiten schwärmt er noch heute, denn die Begegnungen und Veranstaltungen seien sehr auf- und anregend gewesen. „Da haben wir uns als sprudelnde, lebendige Kirche gezeigt, die sich begeistern ließ und andere begeisterte.“ Begeisterungsfähigkeit, sagt Wegner, sei und bleibe wesentlich für das Christentum.

Unverstellter Blick auf die Realität

Nach der Expo-Zeit leitete Wegner den Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt – bis er zum Direktor des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD berufen wurde. Auf die Wirklichkeit hat er stets einen kühlen, wenig theologisch verklärten Blick geworfen und immer wieder dargelegt, wie und warum etwa die Reichweite religiöser und kirchlicher Kommunikation abnimmt. An solchen Faktoren müsse sich die Kirche stets abarbeiten, auch um im Gespräch zu bleiben. Wegner fragt sich, warum die Protestanten etwa in der Karwoche in höchster Qualität Matthäuspassionen anböten, aber sich nicht gleichzeitig auch mit neuen musikalischen Formen auseinandersetzten. „Da geschieht mir zu wenig.“

Weiterhin aktiv bleiben wird der 66-jährige als Vorsitzender des niedersächsischen Bundes für Freie Erwachsenenbildung. In dieser Position hat der Protestant, der seit Studienzeiten auch Sozialdemokrat ist, wenig Scheu, auch Ministern auf die Füße zu treten. Wenn’s denn sein muss.

Von Michael B. Berger

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