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Der Norden „Mein Ex-Mann verfolgt mich in meinen Träumen“
Nachrichten Der Norden „Mein Ex-Mann verfolgt mich in meinen Träumen“
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00:15 25.05.2017
„Stoppt die Gewalt gegen Frauen“: Wenige Tage nach der Tat halten Menschen in Hameln eine Mahnwache ab. Foto: dpa Quelle: Julian Stratenschulte / dpa
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Hameln

Der unfassbare Gewaltexzess löste bundesweit Entsetzen aus: Im November misshandelte ein Mann laut Anklage seine Ex-Frau in Hameln auf der Straße fast zu Tode, band sie dann an sein Auto und fuhr mit Vollgas los. Die Mutter eines zweijährigen Jungen wurde hinter dem Wagen hergeschleift, bis das Seil sich löste. Wie durch ein Wunder überlebte die Frau schwer verletzt. Ab Montag muss sich der frühere Lebensgefährte der 28-Jährigen wegen versuchten Mordes und Bedrohung vor dem Landgericht Hannover verantworten.

Voraussichtlich wird sich der 39-Jährige zu den Vorwürfen äußern. „Mein Mandant wird nicht schweigen“, sagte Verteidiger Matthias Waldraff. Nach dem brutalen Verbrechen hatten sich Hunderte Bürger der Fachwerkstadt im Weserbergland zu einer Mahnwache versammelt. Teilnehmer hielten Fotos des Opfers Kader K. in die Höhe. Hamelns Oberbürgermeister Claudio Griese sagte: „Ich bin entsetzt über das Ausmaß der Brutalität und Gewalt.“

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Mit der Axt geschlagen

Kader K. leidet bis heute sowohl körperlich als auch psychisch unter den Folgen der Tat. „Mein Ex-Mann verfolgt mich in meinen Träumen“, sagte sie in einem Interview mit der „Dewezet“. „Er läuft hinter mir her. Irgendwann falle ich ins Bodenlose“, erzählt die 28-Jährige. Wenn sie aufwache, sei sie meist schweißgebadet. Hinzu kämen unter anderem Kopf- und Nackenschmerzen. „Ich kann auch nicht lange stehen, bin schnell erschöpft, kann mich nicht gut auf eine Sache konzentrieren“, berichtet die Hamelnerin. Auch ihr Sohn leide. Er habe sehen müssen, was sein Vater mit ihr gemacht habe.

Laut Anklage war Nurettin B. bei der Rückgabe des gemeinsamen Kindes am 20. November 2016 gegen 18 Uhr mit seiner Ex-Partnerin in Streit geraten. In dessen Verlauf soll er auf die Frau eingeprügelt, mit einem Messer auf sie eingestochen und sie mit der stumpfen Seite einer Axt geschlagen haben. Schon einen Monat zuvor soll der Mann aus Eimbeckhausen bei Bad Münder ihr gedroht haben, einer von ihnen werde bald nicht mehr leben, wenn eine Unterhaltspfändung nicht aufhöre.

Sohn war mit im Auto

Der Gewaltexzess, den mehrere Menschen aus dem Fenster beobachtet haben sollen, gipfelte nach Polizeiangaben darin, dass der Mann der schwer verletzten Frau einen Strick um den Hals legte, an das Auto band und losraste. Nach etwa 200 Metern soll sich das Seil gelöst haben. Während der Fahrt befand sich der damals zweijährige Sohn der beiden im Auto. Die Frau leidet nach Auskunft ihres Anwalts Roman von Alvensleben erheblich unter den Folgen der Tat. Für den Prozess sind drei Verhandlungstage angesetzt. Demnach könnte am 31.Mai das Urteil gesprochen werden.

Christina Sticht und Ulrich Behmann

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