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Der Norden Granit – die Lösung für Atommüll?
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19:21 29.05.2019
Umweltminister Olaf Lies (SPD) bei einer Pressekonferenz zu seinem Besuch in Finnland. Quelle: Christophe Gateau/dpa
Hannover

In Deutschland wird die Suche nach einem Endlager für hoch radioaktiven Atommüll noch mindestens zwölf Jahre dauern. Andere europäische Länder sind da schon weiter. Finnland hat als erstes Land weltweit ein Endlager genehmigt. Die Anlage entsteht derzeit auf der dünn besiedelten Insel Olkiluoto vor Finnlands Westküste in Granit, also kristallinem Gestein. „Den Finnen ist es gelungen, einen Endlagerstandort im gesellschaftlichen Konsens zu finden und in Rekordzeit eine sichere Einlagerung zu gewährleisten“, sagte Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) nach einem Besuch in der Anlage. Die Reise habe gezeigt, dass eine sichere Endlagerung insbesondere auch in kristallinen Formationen technisch machbar sei.

Endlager in Ton, Salz oder Granit möglich

Lies warnte allerdings vor einer Vorfestlegung auf eine geologische Formation in Deutschland. „Es geht darum, den Standort mit der bestmöglichen Sicherheit auszuwählen.“ Dazu gehörten auch die Art der Behältnisse und der Verfüllung. „Ich gehe davon aus, dass wir 2031 eine Standortentscheidung treffen.“ Lies will demnächst in Lothringen das französische Forschungsbergwerk Bure besichtigen. Frankreich setzt wie die Schweiz auf eine Endlagerung in Ton.

Jahrzehntelang war der Salzstock in Gorleben die bundesweit einzige Option zur dauerhaften Lagerung von hoch radioaktivem Atommüll. 2011 beschloss der Bundestag dann einen Ausstieg aus der Kernenergie bis 2022 – auch andere mögliche Standorte sollen nun geprüft werden. Niedersachsen verfügt über mehrere für die Endlagerung potenziell geeignete Gesteinsformationen: Granit im Harz, Ton und Salz in verschiedenen Regionen. Selbst die Region Hannover wird nach Angaben des Ministeriums nicht für ein Endlager ausgeschlossen. Die Bevölkerungsdichte spiele erst ganz am Ende des Auswahlverfahrens eine Rolle, hieß es.

Lies kritisiert Auswahl von Gorleben

„In der Vergangenheit hat man politisch entschieden, dass das Endlager in Niedersachsen – und damit im Salz – sein soll, und unter Zurückstellung auch geologischer Bedenken fiel die Wahl auf Gorleben“, kritisierte Lies. „Dieses willkürliche Verfahren war nicht in Ordnung, und deshalb ist jede Vorfestlegung der falsche Weg.“ Auch andere Gesteinsarten müssten nach einheitlichen wissenschaftlichen Kriterien geprüft werden. Lies: „Wo bei uns in der Vergangenheit viel Vertrauen verspielt wurde, gibt es in Finnland offenbar eine große gesellschaftliche Akzeptanz für staatliches Handeln.“

Von Marco Seng

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