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Der Norden Jäger vergiftet neun Greifvögel und erhält Geldstrafe
Nachrichten Der Norden Jäger vergiftet neun Greifvögel und erhält Geldstrafe
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00:17 29.06.2019
Vor allem Mäusebussarde fielen dem Serientäter bei Cloppenburg zum Opfer. Quelle: dpa
Cloppenburg

Es war eine beispiellose Serie: Im April vergangenen Jahres wurden in der Feldmark bei Cappeln im Landkreis Cloppenburg neun tote Greifvögel entdeckt. Die sieben Mäusebussarde und zwei Habichte waren zu unterschiedlichen Zeiten vergiftet worden.

Nun hat ein 71 Jahre alter Jäger die Tötung zugegeben und einen Strafbefehl über 90 Tagessätze – insgesamt 5400 Euro – akzeptiert. „Die Sache ist rechtskräftig“, bestätigte Amtsgerichtsdirektor Thomas Cloppenburg der HAZ. Als Nächstes entscheidet der Landkreis, ob der Mann zudem seinen Jagdschein und seine Waffenbesitzkarte verliert.

Vögel waren zum Teil schon verwest

Die toten Greifvögel waren in der Nähe von Hochsitzen in unterschiedlichen Verwesungszuständen gefunden worden. „Das zeigte an, dass es sich um eine lang anhaltende, vermutlich sogar langjährige Serientat im direkten Umfeld von Jagdeinrichtungen handelt“, sagt Ludger Frye vom Naturschutzbund Nabu in Vechta.

Er war als Erster über die toten Vögel informiert worden, die an der Grenze zum Landkreis Vechta entdeckt worden waren. Gemeinsam mit der Kriminalpolizei durchsuchte er den etwa fünf Hektar großen Fundbereich. „Dort lagen in Gruppen Dutzende mit Gift bestrichene Ringeltauben sowie Hühnereier mit Injektionslöchern auffällig und exponiert auf Baumstümpfen“, berichtet er.

Tauben und Hasen als Giftköder

Zusätzlich lagen Haustauben-, Fasanen-, Enten- und Hasenkadaver als Köder aus. Die Giftköder waren blau eingefärbt, möglicherweise um Menschen nicht zu gefährden.

Nach den Funden gab es schnell Hinweise auf den Jäger, die Polizei fand bei einer Durchsuchung bei ihm zu Hause Gift. „Die Frage bleibt offen, inwieweit es Mittäter oder Mitwisser gegeben hat“, meint Frye. „Jemand, der im Revier unterwegs ist, konnte diese Tat kaum übersehen haben.“

Nach Angaben des Nabu sehen Jäger zum Teil die Greifvögel als unliebsame Konkurrenten. Bei der Anzahl der Fälle von Greifvogelverfolgung durch Menschen liege Niedersachsen nach Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Bayern auf Platz vier der Bundesländer. Seit 2005 wurden in Niedersachsen 88 Fälle illegaler Angriffe auf Greifvögel nachgewiesen, 25 davon durch Gift.

In diesem Jahr gab es bereits drei Fälle: im Mai einen vergifteten Rotmilan am Mittellandkanal in Peine sowie eine Leiterfalle für Habichte in Diepenau (Kreis Nienburg). Im Juni wurde ein vergifteter Wanderfalke im Nationalpark Harz entdeckt.

Nabu sieht Urteil als gutes Signal

Der Fall im Kreis Cloppenburg sei bundesweit erst der zweite, bei dem ein solcher Giftleger überführt und auch rechtskräftig verurteilt worden sei. „Wir hoffen, dass diese Verurteilung eine Signalwirkung hat“, sagt der Nabu-Landesvorsitzende Holger Buschmann.

Der Landkreis Cloppenburg prüft nun ebenfalls rechtliche Konsequenzen. „Der Jäger wird von uns angehört werden“, sagte ein Sprecher der HAZ. Die Untere Jagdbehörde sei nach dem Bundesjagdgesetz verpflichtet, den Jagdschein zu entziehen, wenn die erforderliche Zuverlässigkeit bei einem Jäger nicht mehr vorhanden ist. Bei Verurteilungen zu mindestens einem Jahr Freiheitsstrafe geschehe dies automatisch.

Eine grundsätzliche Unzuverlässigkeit nehme der Gesetzgeber auch dann an, wenn jemand zu 60 Tagessätzen und mehr verurteilt wurde. In solchen Fällen müsse der Betroffene aber zwingend angehört werden, um die Umstände der Tat aus seiner Sicht schildern und besondere Umstände geltend machen zu können.

Von Gabriele Schulte

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