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Der Norden „Mein Vater hat kein Wort mitzureden“
Nachrichten Der Norden „Mein Vater hat kein Wort mitzureden“
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00:22 10.03.2019
„Beteiligung meines Vaters ist nicht erforderlich“: Ernst August junior im Hof der Marienburg. Quelle: Rainer-Droese
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Hannover

Im Familienstreit um die Zukunft der Marienburg verschärft sich der Ton im Welfenhaus zusehends. Ernst August Prinz von Hannover hat sich jüngst erfreut darüber gezeigt, dass der von seinem Sohn geplante Verkauf des Schlosses bei Pattensen gescheitert ist. Jetzt geht Ernst August junior seinerseits mit dem Senior hart ins Gericht. „In der Vergangenheit überzeugte mein Vater nicht durch Engagement für Erhalt und Betrieb der Marienburg“, erklärte der Sohn. Als er das Schloss 2004 von seinem Vater übernahm, sei dies in einem baulich schlechten Zustand gewesen. „Im Unterschied zu meinem Vater habe ich in den letzten Jahren in den Erhalt und die touristische Nutzung investiert“, sagt er.

Der Sohn hatte ursprünglich geplant, die sanierungsbedürftige Burg für einen symbolischen Euro an die öffentliche Hand abzugeben. Sein Vater hatte das Vorhaben torpediert und seine Schenkungen an seinen Sohn aus dem Jahr 2004 wegen „groben Undanks“ zurückgefordert. Inzwischen ist der Verkaufsplan ad acta gelegt. Die Landesregierung habe „offenbar das rechtswidrige Verhalten des Erbprinzen und dessen Berater richtig eingeschätzt“, ließ der Vater dazu nun wissen. Sein Sohn habe gezeigt, dass er nicht in der Lage sei, den Erhalt der Burg ohne Steuergelder zu bewerkstelligen.

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„Neuerliches Debakel verhindern“

Der junge Erbprinz weist die Vorwürfe seines Vaters jetzt vehement zurück – ebenso wie dessen Besitzansprüche: „Alle gesetzlichen Fristen für eine eventuelle Rückforderung der Schenkungen meines Vaters sind seit langem abgelaufen“, erklärt der Junior. Ein Rechtsgutachten des Landes habe bestätigt, dass er selbst uneingeschränkter Eigentümer der Marienburg sei. „Es besteht somit kein Zweifel daran, dass ich ohne Zustimmung meines Vaters zum Abschluss aller beabsichtigten Verträge berechtigt bleibe“, sagt er. „Somit hat mein Vater über die Zukunft dieses Kulturdenkmals schon seit langem kein Wort mehr mitzureden. Dabei wird es bleiben.“

Nach dem Scheitern des Verkaufs will der Sohn nun übergangsweise Eigentümer der Burg bleiben, diese aber möglichst bald in eine Stiftung einbringen, in deren Gremien er selbst und das Land vertreten sein sollen. Nachdem dieser neue Plan bekannt wurde, meldete sich prompt der Vater zu Wort, der zurückgezogen im österreichischen Grünau lebt: Er gehe davon aus, dass Sohn und Landesregierung ihn „bei allen künftigen Gesprächen rechtzeitig und vollumfänglich miteinbeziehen“, um ein „neuerliches Debakel zu verhindern“, erklärte er. Ein Ansinnen, das der Junior postwendend zurückwies: „Eine Beteiligung meines Vaters an den Gesprächen mit der Landesregierung zur Umsetzung der vorgesehenen Zukunftslösung für die Marienburg ist rechtlich nicht erforderlich.“

Von Simon Benne