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Der Norden Baggern bei Borkum: Spezialschiff hebt den Müll der „MSC Zoe“
Nachrichten Der Norden Baggern bei Borkum: Spezialschiff hebt den Müll der „MSC Zoe“
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16:56 27.03.2019
Das Bergungsschiff „Atlantic Tonjer“ hebt die Container, die die „MSC Zoe“ dort Anfang Januar verloren hatte. Quelle: dpa
Emden

 Auf der Nordsee, Position 53,74461 Grad Nord 6,525403 Grad Ost - das ist nordwestlich der Insel Borkum am Rand der internationalen Schifffahrtsstraße Richtung Deutsche Bucht. Dort sucht das niederländische Spezialschiff „Atlantic Tonjer“ nach Müll, den der schwere Schiffsunfall auf der „MSC Zoe“ hinterlassen hat. In der Sturmnacht vom 1. auf 2. Januar gingen bei dem 396 Meter langen Riesen mehr als 340 Container über Bord. Die meisten Metallkisten zerbarsten beim Aufprall im Wasser.

Seitdem muss auf See und an der Küste geborgen, gesäubert, aufgeräumt werden. Die Arbeiten nach dem Unfall werden noch Wochen, wenn nicht sogar Monate dauern, sagt Helmut Olthoff: „Es geht nicht so schnell, wie man es sich vorstellt.“ Der Kapitän in Diensten des Wasser- und Schifffahrtsamtes Emden hat mit dem Tonnenleger „Gustav Meyer“ eine Inspektionsfahrt hinaus zur „Atlantic Tonjer“ gemacht. Sein Amt führt auf deutscher Seite die Aufsicht über die Bergung.

Tauchroboter sollen den Müll unter Wasser orten

An ruhigen Tagen auf der Nordsee hievt das rot-weiße Bergungsschiff mit seinem großen Greifarm Trümmerteile und Müll aus gut 20 Meter Wassertiefe. Doch diesmal hat ein Sturm kräftigen Seegang hinterlassen. Ab 1,50 Meter Wellenhöhe müssen die Niederländer die Arbeit einstellen. Um die Wartezeit zu nutzen, wird aus der Seite des Schiffs ein Tauchroboter zu Wasser gelassen. Unter den grauen Wellen wird die nächste Fundstelle erkundet.

Ein Schiffsunglück wie das der „MSC Zoe“ hat die Nordseeküste noch nicht erlebt - der erfahrene Kapitän Olthoff denkt kurz nach, kann sich an nichts Vergleichbares erinnern. Es ist keine Ölpest, aber wie eine Pest haben sich Tausende Tonnen Ladung im Wasser und an den Küsten verteilt: Plastikblumen, Kinderspielzeug, Elektrogeräte aus China - die Waren einer globalisierten Wirtschaft.

Plastik und Gefahrgut – die Folgen der Havarie sind enorm

Abermillionen Teilchen Plastikgranulat versanken. „Das Risiko besteht, dass dieses Plastik seinen Weg durch die Nahrungskette nimmt, vor allem wenn es sich auflöst“, schreibt die Universität Groningen. Das Granulat ist nur schwer zu entfernen. „Man kann ja nicht den Meeresboden mit dem Staubsauger absaugen“, sagt Olthoff.

Von einem Gefahrgutcontainer voller Batterien fehlt jede Spur. Säcke mit Chemikalien aus einem anderen vermissten Gefahrgutcontainer sollen auf Borkum gefunden worden sein, erzählt der Kapitän. Von der niederländischen Insel Terschelling, wo die „MSC Zoe“ die ersten Transportkisten verlor, bis zur deutschen ostfriesischen Insel Langeoog zieht sich die Spur der Ladung.

Die Containertrümmer seien keine Gefahr für den Schiffsverkehr, sagt Olthoff knapp drei Monate nach dem Unglück. Betroffen sind jetzt eher die Fischer. Deren Netze werden zerrissen, oder sie holen Müll an die Oberfläche. Auf den beliebten Ferieninseln in Deutschland und den Niederlanden wird weniger Müll angeschwemmt als in den ersten Tagen. Aber Schluss ist noch längst nicht mit Treibgut von der „MSC Zoe“.

Ursachen des Unglücks sind weiterhin unklar

Zwar holt die „Atlantic Tonjer“ viel Müll vom Meeresgrund herauf. Zugleich wirbelt jeder Baggergriff lose Teilchen auf, verteilt sie weiter. Ideal wäre es, allen Müll einzusammeln, sagt Olthoff. „Aber rein technisch wird das nicht zu erreichen sein.“ So wächst die Befürchtung, dass die Nordseeküste noch jahrelang mit den Altlasten der „MSC Zoe“ zu kämpfen haben wird.

Warum die Container in der Sturmnacht über Bord gingen, ist noch nicht geklärt. Federführend ermittelt die niederländische Behörde Onderzoeksraad voor Veiligheid. Auch Panama ist beteiligt, weil die „MSC Zoe“ unter der Flagge des mittelamerikanischen Landes fährt. Von deutscher Seite ermittelt die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung in Hamburg. Bis zu Ergebnissen werde es noch mehrere Monate dauern, sagt deren Chef Ulf Kaspera.

Von Friedemann Kohler/dpa

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