Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Der Norden Zwei weitere Schulen in Hildesheim von Masern betroffen
Nachrichten Der Norden Zwei weitere Schulen in Hildesheim von Masern betroffen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:29 15.03.2019
In Hildesheim gibt es an zwei weiteren Schulen Masernfälle. Ab Montag müssen dort alle Schüler ihre Impfpässe vorzeigen. Quelle: Marius Becker/dpa
Hildesheim

Obwohl Dutzende nicht geimpfte Schüler in Hildesheim seit Anfang dieser Woche zu Hause bleiben müssen, sind an zwei weiteren Schulen die Masern ausgebrochen. Betroffen seien die Waldorfschule und die St.-Augustinus-Oberschule mit jeweils einem infizierten Schüler, teilte der Landkreis Hildesheim am Freitag mit. Damit stieg die Zahl der an Masern erkrankten Schüler im Landkreis Hildesheim auf 26 seit Jahresbeginn.

In ganz Niedersachsen sind den Behörden mit den zwei neuen Fällen in diesem Jahr nun insgesamt 28 Infizierte gemeldet worden. Nach Angaben des Landesgesundheitsamtes in Hannover muss mit einem weiteren Anstieg gerechnet werden. Im gesamten Jahr 2018 gab es landesweit nur 18 gemeldete Fälle. Eine Erkrankung kann für Kinder wie Erwachsene lebensbedrohlich verlaufen.

Mehr oder weniger Zufall

Dass die Masernfälle gehäuft in Hildesheim auftreten, ist wohl mehr oder weniger Zufall. „Es ist bis zu einem gewissen Grad Pech, dass es diesen Landkreis trifft und nicht den Nachbarlandkreis“, sagte Susanne Glasmacher, Sprecherin des für Infektionskrankheiten zuständigen Robert-Koch-Instituts (RKI).

Die Ausbreitung der Krankheit in Deutschland kann laut RKI nur verhindert werden, wenn mindestens 95 Prozent der Bevölkerung geimpft sind. In Hildesheim liegt die Impfquote bei den Schuleingangsuntersuchungen bei 94 Prozent. Das entspricht nahezu exakt dem Landesdurchschnitt von 93,7 Prozent. Dennoch gibt es Bevölkerungsgruppen ohne ausreichenden Impfschutz. „Das große Problem bei Masern ist, dass wir eine große Lücke bei den jungen Erwachsenen haben“, erklärt RKI-Sprecherin Glasmacher.

Eltern sollen Masernschutz der Kinder prüfen

Die Gesundheitsbehörden ermittelten im Moment die Kontaktpersonen der betroffenen Schüler im privaten und schulischen Umfeld. „Es geht vor allem darum, herauszufinden, wo die Schüler Unterricht hatten, welche Wege sie in und zur Schule genommen haben und ob sie beispielsweise noch einen Verein oder eine Chorprobe besucht haben“, erklärte Birgit Wilken, Sprecherin des Landkreises.

Parallel würden die Eltern sämtlicher Schüler an den betroffenen Schulen informiert. Sie müssten als erstes in den Impfpass der Kinder nachsehen, ob ein ausreichender Schutz da ist, betonte Wilken. Falls nicht, sollen sich die Familien an einen Arzt wenden.

Hohe Ansteckungsgefahr

„Zusätzlich informieren wir über Krankheitssymptome von Masern“, sagt Wilken. Sollte das Kind Anzeichen zeigen, müsse es zu Hause bleiben und den Kontakt mit vielen Menschen vermeiden. Erste Symptome wie Husten und Schnupfen sollten ernst genommen werden. „Andere können sich sehr schnell anstecken.“ Besonders für Säuglinge, Schwangere und Immungeschwächte sei das gefährlich.

Schüler ohne Impfung müssen zu Hause bleiben

Am Montag müssten die zwei Klassen, die die beiden Erkrankten besucht haben, ihre Impfpässe zum Nachweis eines Impfschutzes vorlegen. „Wer keinen Impfnachweis erbringen kann, bekommt dann ein Schulbetretungsverbot“, sagt Wilken. „Wir werden auch in diesen Fällen mit der gleichen Konsequenz vorgehen, wie wir es bei den anderen Schulen getan haben.“

Nach mehreren Masernfällen wurden rund 100 Schüler der Hildesheimer Oskar-Schindler-Gesamtschule wegen einer fehlenden Impfung noch bis Ende kommender Woche vom Unterricht ausgeschlossen. Mittlerweile haben allerdings eine Reihe dieser Schüler ihren Impfschutz nachreichen können.

„Gegen Masern schützt nur eine Impfung

Darüber hinausgehende Maßnahmen könne der Landkreis nicht ergreifen, sagte die Sprecherin. „Gegen Masern schützt nur eine Impfung, und mehr als sensibilisieren können wir nicht.“ Trotz der zwei neuen Masernfälle sieht Wilken einen kleinen Lichtblick: „Wir sind im engen Kontakt mit den niedergelassenen Ärzten und bekommen die Rückmeldung, dass viele Menschen ihren Impfpass suchen und die Masernimpfung kontrollieren lassen – auch außerhalb der betroffenen Gebiete.“

Masernimpfung liegt in der Verantwortung der Eltern

Mike Finke, Vorsitzender des Landeselternrates, sieht über die Aufklärung hinaus keine Möglichkeit einzugreifen. Er begrüße es, Eltern wiederholt über Impfungen zu informieren und Empfehlungen für das Impfen auszusprechen, sagte er. „Ich finde es schlimm, dass die Krankheit wieder aufflammt.“ Es gebe aber für viele Eltern Gründe, ihr Kind nicht zu impfen. Sie hätten Bedenken, dass Impfungen nicht hundertprozentig risikolos seien, sagte Finke. Auch das müsse man respektieren. „Es liegt in der Eigenverantwortung der Eltern und betrifft das Persönlichkeitsrecht eines jeden“, sagt der Vorsitzende.

Masern: Krankheitsverlauf

Masern sind eine der ansteckendsten Krankheiten. Sie können schon durch einen kurzen Kontakt oder Einatmen übertragen werden – Sprechen, Husten, Niesen setzt die Erreger frei.

Die Zeit zwischen der Ansteckung und dem Ausbrechen einer Infektionskrankheit liegt zwischen sechs und 21 Tagen. Bereits drei bis fünf Tage nach der Ansteckung ist die Krankheit ansteckend.

In dieser Zeit treten auch die ersten Symptome auf: Krankheitsgefühl, Appetitverlust, Husten, Schnupfen und Fieber.

Nach weiteren drei bis fünf Tagen tritt der charakteristische Ausschlag auf. Unmittelbar davor ist die Ansteckungsgefahr am größten.

Der Ausschlag bleibt etwa vier bis sieben Tage bestehen, es dauert aber mindestens sechs Wochen, bis der Körper sich vollständig erholt hat.

Eine Masernerkrankung hinterlässt lebenslange Immunität.

Die Gefahr einer Masernerkrankung besteht darin, dass die Viren schwere Lungenentzündungen, Hirn- oder Hirnhautentzündungen hervorrufen können. Daraus können dauerhafte Lähmungen, Sprechstörungen und andere gefährliche Defekte entstehen.

Zwei Impfungen im Kleinkindalter führen zur lebenslangen Immunität. Die erste Impfung sollte im Alter zwischen elf und 14 Monaten erfolgen, die zweite im Alter von 15 bis 23 Monaten.

Von Lisa Neugebauer/RND/lni

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

In vielen Orten Niedersachsens bereiten sich die Menschen auf den Frühling vor - so aber nicht im Harz: In Braunlage hoffen die Wintersportler, dass der Winter noch länger dauert. Am Donnerstag hat es noch mal kräftig geschneit.

15.03.2019

An diesem Wochenende ist der Hauptbahnhof in Bielefeld wegen Bauarbeiten gesperrt. Wer von Hannover nach Nordrhein-Westfalen fährt, ist mindestens 45 Minuten länger unterwegs.

15.03.2019

In Braunschweig ist ein achtjähriges Mädchen am Donnerstag von einem Feuerwehrauto erfasst worden, das mit Blaulicht und Martinshorn auf dem Weg zu einem Einsatz war. Das Mädchen verletzte sich bei dem Unfall leicht.

15.03.2019