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Impfungen für Menschen über 70: Niedersachsen startet nächste Phase

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16:36 12.03.2021
Stellt sich den Fragen der Landespressekonferenz: Sozialministerin Daniela Behrens.
Stellt sich den Fragen der Landespressekonferenz: Sozialministerin Daniela Behrens. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
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Hannover

Über 70-Jährige in Niedersachsen können ab sofort einen Termin für die Corona-Schutzimpfung vereinbaren. Damit zum offiziellen Start der Terminvergabe für diese Gruppe am Montag alles verlässlich funktioniert, seien Internetportal und Telefon-Hotline bereits freigeschaltet worden, teilte das Gesundheitsministerium am Freitagnachmittag mit. „Wir haben die Schlagzahl deutlich erhöht und starten jetzt in die nächste Phase unserer Impfkampagne“, sagte Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD). Insgesamt umfasst die nun anstehende Priorisierungsgruppe zwei rund 750.000 Personen.

Noch 60.000 Personen auf der Warteliste

Die Impfungen in Niedersachsen laufen nach einem Schema mit drei Gruppen. Zunächst waren und sind die Über-80-Jährigen an der Reihe, die sogenannte Gruppe 1 („Höchste Priorität“). Hier steht die Kampagne landesweit vor dem Abschluss. 60.000 Betroffene stehen noch auf der Warteliste, aus Mangel an Impfstoff. Behrens berichtete, dass mittlerweile alle Bewohnerinnen und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen eine Erstimpfung erhalten hätten und 90 Prozent eine Zweitimpfung. „Damit haben wir einen wichtigen Meilenstein erreicht bei dieser Gruppe der hochverletztlichen Personen.“

Zudem haben bereits die Impfungen des Personals in Kitas und in Grundschulen, Sonderschulen und Förderschulen begonnen. „Wir starten jetzt die nächste Phase“, sagte Behrens. Gemeint ist damit der Beginn der Impfungen in der sogenannten Prioritäten-Gruppe 2. Dazu gehören in erster Linie alle Menschen im Alter zwischen 70 und 80, aber auch Transplantationspatienten, Demente und Menschen mit bestimmten Behinderungen sowie bestimmten Krankheiten (siehe Tabelle unten), unabhängig von ihrem Alter.

Land will Fehler des Impfstarts nicht wiederholen

Um einen Ansturm mit einer Überlastung von Hotline und Impfportal wie zum Start der Impfkampagne zu vermeiden, setzt die Landesregierung auf ein nach Jahrgängen gestaffeltes Anschreiben der Impfberechtigten ab 70 Jahren von Ende kommender Woche an. Da das Informationsschreiben für eine Terminvereinbarung aber nicht erforderlich ist, können sich alle Jahrgänge bereits ab sofort um einen Impftermin bemühen. Eine Altersreihenfolge gibt es weder bei der Vergabe der Termine, noch bei den Impfungen für diese Gruppe. Ministerin Behrens bat die Betroffenen dennoch darum, sich erst nach Erhalt des Schreibens um einen Termin zu bemühen, um Chaos zu vermeiden.

Lesen Sie auch: Pleiten, Pech und Pannen: Was bei der Impfkampagne in Niedersachsen alles schiefläuft

Impfteams sollen vervierfacht werden – um das Tempo zu erhöhen

Noch ist Impfstoff knapp, doch das soll schon bald anders werden. „Wir erwarten ab April in Deutschland 2,25 Millionen Dosen Impfstoff pro Woche. In Niedersachsen werden das dann 180.000 Dosen wöchentlich sein“, sagte Behrens. Um diesen Stoff schnellstmöglich zu nutzen, stocken das Land und die Landkreise nun ihre Kapazitäten auf: Aus aktuell 52 Impfteams sollen zunächst 120, später 200 werden. Vor Ort bauen auch die Landkreise und kreisfreien Städte ihre Kapazitäten in den Zentren aus, wie es kürzlich auch die Region Hannover angekündigt hat, wo eine weitere Messehalle mit sogenannten Impfstraßen ausgebaut wird.

Ärzte impfen ab April in ihren Praxen

Nach Angaben der Gesundheitsministerin könnten deutlich mehr Impfungen verabreicht werden, wenn mehr Dosen zur Verfügung stehen würden. Demnach wären schon jetzt rund 240.000 Impfungen pro Woche möglich, es werden im April aber pro Woche nur 180.000 Dosen geliefert. Noch deutlich größer werden die Kapazitäten, wenn im April auch die Hausärzte impfen dürfen: „Laut Schätzung sind dort 800.000 Impfungen in der Woche möglich“, sagte Behrens. In Summe könnte Niedersachsen ab April also etwa 1 Million Impfungen wöchentlich verabreichen – ein vielfaches der dann voraussichtlich gelieferten Dosen.

Eine Prognose, wann alle Niedersachsen durchgeimpft seien, wollte Ministerin Behrens nicht geben. Dies lasse sich nicht seriös beantworten, da es davon abhänge, wieviel Impfstoff man letztlich bekomme. Man erwarte eine spürbare Verbesserung im dritten Quartal des Jahres.

Hier sollen sich die Bürger künftig kostenlos testen lassen können

Der Bund hat jedem Bürger einen kostenlosen Coronatest pro Woche versprochen – doch das System kommt noch nicht in Fahrt. Niedersachsen will das nun intensivieren und hat dazu neue Details genannt. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, das hochzufahren“, sagte Claudia Schröder, stellvertretende Leiterin des Corona-Krisenstabs der Landesregierung. Es seien Gespräche mit den Kammern von Ärzten und Apothekern sowie den kommunalen Spitzenverbänden gelaufen. Demnach haben sich bereits jetzt mehr als 1000 niedergelassene Ärzte zur Teilnahme bereit erklärt, auch die Apotheken „machen in großer Mehrheit mit“. Demnach werden an folgenden Orten Tests möglich sein – ab wann genau, ist noch unklar:

  • niedergelassene Ärzte, in der Regel Hausarztpraxen
  • Apotheken
  • kommunale Testzentren
  • private Testzentren
  • weitere Zentren etwa von Hilfsorganisationen oder einzelnen Laboren
  • weitere niedergelassene Ärzte, etwa Zahnärzte

Die Kosten wird generell der Bund tragen. Alle genannten Einrichtungen können ihre Kosten dann über die gängigen Wege der kassenärztlichen Vereinigung abrechnen, auch die privatwirtschaftlichen Träger. Eine einheitliche Liste, Karte oder sonstiges zur Information, wo man sich konkret testen lassen kann, werde es aus organisatorischen Gründen leider nicht geben, so Behrens.

Von mbb/mic