Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Der Norden Regelschulen können jetzt Sonderpädagogen fest anstellen
Nachrichten Der Norden Regelschulen können jetzt Sonderpädagogen fest anstellen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 29.03.2019
Sonderpädagogen wie hier an der IGS Stöcken in Hannover sollen fest an Regelschulen angestellt werden. Quelle: Insa Catherine Hagemann (Archiv)
Hannover

Ab August können Sonderpädagogen nicht mehr nur an Förderschulen, sondern auch fest an Regelschulen angestellt werden. Bislang ist das nur an einigen Schulen im Land möglich, die sich fest der Inklusion, also dem gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Förderbedarf verschrieben haben, in Hannover sind das etwa die Integrierten Gesamtschulen Stöcken und Linden, die Otfried-Preußler-Schule und die Gebrüder-Körting-Schule. Die anderen Förderschullehrer, die an Regelschulen tätig sind, sind abgeordnet, bald sollen sie fest ins Team der Regelschule gehören. Es gebe schon zahlreiche Versetzungsanträge von Förderschullehrern, die lieber an Regelschulen angestellt werden wollen, berichtete Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) am Montagabend gegenüber Journalisten anlässlich der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention vor zehn Jahren. Nach Einschätzung des Kultusministeriums gibt es bereits an fast jeder Regelschule einen Sonderpädagogen, aber eben als abgeordnete, nicht festangestellte Kraft. Eine Ausnahme dürften die Gymnasien bilden.

Laura Pooth von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft lobt die mögliche Versetzung von Sonderpädagogen an Regelschulen, Philologenchef Horst Audritz warnt davor, dass dies möglicherweise das Personal von den Förderschulen ziehe und diese in ihrem Bestand gefährdet seien. Torsten Neumann vom Verband Niedersächsischer Lehrkräfte moniert, dass es viel zu wenig Sonderpädagogen auf dem Markt gebe. Den Schulen fehlten immer noch die multiprofessionellen Teams.

Seit 2009 gilt UN-Behindertenrechtskonvention

Die Behindertenrechtskonvention sichert den Menschen mit Handicap gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu. Das Ende aller Förderschulen könne man damit nicht begründen, sagte Tonne, wohl aber das Recht von Eltern mit behinderten Kindern die Schule zu wählen, die sie wollen. Dieses Recht haben Familien in Niedersachsen seit 2013. Inzwischen sei die Inklusionsquote auf rund 64 Prozent gestiegen. Von den knapp 28.000 Kindern in den Jahrgängen 1 bis 9, die eine Beeinträchtigung haben und auf eine Regelschule gehen, haben rund 14.100 Lern- und 5400 Verhaltensprobleme, 3200 haben einen Sprachförderbedarf und 2000 eine geistige Behinderung.

Mehr Hilfe für Umgang mit verhaltensauffälligen Kindern

Gerade Kinder mit einem emotional-sozialen Förderbedarf seien für Lehrer an Regelschulen eine besondere Herausforderung, sagt Tonne. „Bei meinen Gesprächen mit Lehrkräften, Schulleitungen und Eltern zeigt sich, dass Verstöße gegen schulische Regeln oder Grenzüberschreitungen im Umgang mit Lehrkräften oder Mitschülern eine hohe Belastung darstellen können.“

Niedersachsen steckt zwischen 2018 und 2022 im Zuge der Mittelfristigen Finanzplanung 1,9 Milliarden Euro in die Inklusion. Kritik, dass dies eine große Summe sei angesichts von 800.000 Schülern insgesamt und nur 28.000 Inklusionskindern, hält der Minister entgegen, dass der gemeinsame Unterricht von Kindern mit und ohne Handicap keine wirtschaftliche Frage sei. Gesellschaftliche Teilhabe sei ein Menschenrecht, da sei jede Investition gerechtfertigt.

Fördergutachten sollen schneller und leichter gehen

Im nächsten Jahr will Tonne das Verfahren zur Feststellung von sonderpädagogischem Förderbedarf vereinfachen. Wer ein Down-Syndrom habe oder Autist sei, müsse nicht immer wieder neu begutachtet werden. Auch die bislang vorgeschriebene Überprüfung vom Wechsel von der Grundschule auf eine weiterführende Schule sei nicht unbedingt sinnvoll.

... und was ist mit den Elternrechten?

Schulen können auch gegen den Willen der Eltern eine Überprüfung des Kindes auf Förderbedarf anordnen. Wenn die Verfahren vereinfacht werden, dürften die Elternrechte nicht eingeschränkt werden, sagt Tonne. Wie das sichergestellt werden soll, ist allerdings noch unklar.

Wenn weiterführende Schulen Sonderpädagogen einsetzen, wird ihr Einsatz bislang am Förderbedarf des einzelnen Schülers bemessen. So bekommt ein Kind mit geistiger Behinderung beispielsweise fünf Stunden pro Woche Unterstützung durch einen Sonderpädagogen. Man müsse darüber nachdenken, ob nicht auch an weiterführenden Schulen eine sonderpädagogische Grundversorgung für alle Klassen der bessere Weg sei, sagt Tonne.

Von Saskia Döhner

Bauarbeiten am Hörsaalgebäude zwingen die Uni in Braunschweig zu einer kreativen Lösung. Vorlesungen finden ab dem Sommersemester auch in einem Zirkuszelt statt.

26.03.2019

Die Zahl der tödlichen Unfälle auf Niedersachsens Autobahnen steigt. Härtere Maßnahmen gegen Verkehrssünder werden da nur bedingt Abhilfe schaffen, meint unser Kommentator.

28.03.2019

Baustellen schneller abarbeiten, weniger Fahrspuren sperren: Hilft das gegen schwere Unfälle auf Autobahnen wie der A2? „Ein bisschen mehr Wirkung hätte ich mir erhofft“, sagt Niedersachsens Innenminister Pistorius.

28.03.2019