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Der Norden Jäger und Naturschützer wollen "Kurti" töten
Nachrichten Der Norden Jäger und Naturschützer wollen "Kurti" töten
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00:16 29.04.2016
Von Heiko Randermann
"Kurti" hat sich mehrfach Menschen genähert und zuletzt auch einen Hund angegriffen. Quelle: dpa Symbolbild
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Celle/Springe

"Kurti" hatte sich mehrfach Menschen genähert und zuletzt auch einen Hund angegriffen. „Erwachsene Wölfe aus freier Wildbahn vertragen eine Gefangenschaft in aller Regel nicht. Das wäre Tierquälerei“, sagt Roland Gramling, Sprecher des Tierschutzbundes WWF. Zum einen ist es sehr schwierig, einen Wolf zu betäuben, da man sich ihm dafür sehr stark nähern muss. In Sachsen habe man erleben müssen, dass aus der Wildnis gefangene Wölfe in Gefangenschaft hospitalistische Verhaltensweisen annähmen und nicht lange überleben.

Umweltstaatssekretärin Almut Kottwitz (Grüne) hatte im Umweltausschuss am Montag erklärt, MT6 solle im Wisentgehege Springe untergebracht werden. Doch dort wird er nur kurz bleiben können. „Natürlich können wir ihn drei bis fünf Tage unterbringen“, sagt Thomas Hennig, Leiter des Wisentgeheges. „Für acht, zehn oder zwölf Wochen habe ich aber keinen Platz.“ In die drei bestehenden Wolfsgruppen im Wisentgehege könnte Kurti zudem nicht integriert werden. Als rudelfremdes Tier „würde er von den anderen vermutlich nicht geduldet“, sagt Hennig. „Das würde sehr, sehr schwierig werden.“ Auch Frank Faß, Leiter des Wolfcenters Dörverden, sieht den Versuch, den Wolf zu fangen, mit Skepsis: „Wir haben kein Gehege dafür. Und wir würden das auch nicht ausprobieren.“

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WWF-Sprecher Gramling plädiert dafür, das Tier zu erschießen: „Wir halten eine letale Entnahme in diesem Fall für die einzig mögliche Option.“ Man müsse bedenken, dass ein Wolf sein Verhalten vererben kann - das dürfe man nicht zulassen. Außerdem dürfe es nicht sein, dass ein einzelner verhaltensauffälliger Wolf die Akzeptanz für die Rückkehr des Wolfes insgesamt in Gefahr bringe.

„Ein in Freiheit aufgewachsenes Wildtier wie der Wolf wird sich an eine Gehegesituation nicht gewöhnen. Deshalb ist eine letale Entnahme als Alternative hier vorzuziehen“, sagt auch ein Sprecher der Landesjägerschaft Niedersachsen.

Das Umweltministerium will dennoch an seinem Plan festhalten. Gestern am ­Nach­mittag konnten Beauftragte des Ministeriums den Wolf orten, es gelang aber nicht, ihn zu betäuben. Doch auch das Ministerium schließt nicht aus, den Wolf töten zu müssen. „Wir wissen, dass es schwierig ist, ein Tier einzufangen und in einen Käfig zu sperren“, sagte eine Sprecherin. Sollte der Wolf mit der Gefangenschaft nicht zurechtkommen oder sich kein großes Gehege finden, das ihn dauerhaft aufnimmt, „werden wir ihn einschläfern lassen müssen.“

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