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Der Norden Forscher: Jeder vierte Niedersachse glaubt an Verschwörungen
Nachrichten Der Norden Forscher: Jeder vierte Niedersachse glaubt an Verschwörungen
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00:18 01.06.2019
Der Landtag in Hannover: Viele Menschen in Niedersachsen zweifeln einer Umfrage zufolge jedoch an der Kompetenz der Politiker. Quelle: Ole Spata/dpa
Hannover

Fast jeder vierte Niedersachse befürchtet, dass die staatlichen Behörden alle Bürger ganz genau überwachen. Gut 24 Prozent der Bürger glauben an Verschwörungstheorien, fast 43 Prozent meinen, geheime Organisationen würden Einfluss auf politische Entscheidungen nehmen.

Dies sind nur einige von vielen Ergebnissen, die der erste „Niedersächsische Demokratiemonitor“ erbracht hat. „Nahezu jeder dritte Niedersachse stimmt der Aussage zu, dass hinter Ereignissen, die auf den ersten Blick nichts miteinander gemeinsam haben, geheime Aktivitäten stecken würden“, sagte der Göttinger Forscher Matthias Micus vom Göttinger Institut für Demokratieforschung, der die Ergebnisse der Umfrage am Mittwoch vorstellte.

Matthias Micus (r.), wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Göttinger Institut für Demokratieforschung, stellt die Studie vor. Quelle: dpa

Der Demokratiemonitor soll ein Bild vom inneren Zustand der Demokratie in Niedersachsen zeichnen – mit vielen Fragen und Widersprüchen. Basis war eine repräsentative Befragung, die das Meinungsforschungsinstitut Forsa zwischen November und Dezember 2018 mit 1001 niedersächsischen Bürgern unternommen hat.

Großes Vertrauen in die Polizei

Die Göttinger Forscher um Matthias Micus waren selbst überrascht, wie viele Niedersachsen an den Einfluss geheimer Organisationen glaubten. Zugleich belegt die Studie ein großes Vertrauen in staatliche Organisationen. 85 Prozent bekannten, stark der Polizei zu vertrauen, 76 Prozent nannten das Bundesverfassungsgericht, 62 Prozent die Landesregierung als besonders vertrauenswürdig – und 54 Prozent die Tagespresse.

Reichlich Kritik an der Politik

Gleichzeitig bemängelten sie die Kompetenz der Politik, Probleme auch lösen zu können. Fast die Hälfte der Befragten meinen, dass die Politik die drängenden Probleme entweder überhaupt nicht wahrnehme oder zumindest ignoriere. Fast ein Viertel (22 Prozent) sprach der Politik jegliche Lösungskompetenz ab.

Die Demokratie wird von den Befragten als Idee für gut befunden. 14 Prozent zeigten sich aber unzufrieden, zehn Prozent sehr zufrieden und 35 Prozent eher zufrieden. Als großer Vorteil der Demokratie wurde am häufigsten (30 Prozent) die Meinungsfreiheit genannt, gefolgt von politischer Teilhabe (18 Prozent) und Freiheit (10 Prozent).

Als Nachteil taucht an erster Stelle die Länge von Entscheidungsprozessen auf (21 Prozent), dann kommt die Qualität des politischen Personals (8 Prozent) und das Auseinanderklaffen von Anspruch und Realität (6 Prozent).

Viele wollen starke Führung

Stark verbreitet ist auch der Wunsch nach autoritärer Führung. Drei von fünf Personen in Niedersachsen stimmen der Aussage voll und ganz zu (30 Prozent) beziehungsweise eher zu (31 Prozent), dass Deutschland eine starke Führung brauche, an deren Vorgaben sich alle halten müssten.

Als wichtigste Probleme wurden die soziale Gerechtigkeit und die Migration gesehen – unabhängig von den jeweiligen Parteipräferenzen. Umweltschutz und Klimawandel, derzeit hoch im Kurs, gaben bei der Befragung Ende letzten Jahres nur sieben Prozent als wichtigstes Thema an, allerdings war ein knappes Drittel der Befragten 65 Jahre und älter.

Niedersachsen haben großes Ungerechtigkeitsempfinden

Höher als in anderen Bundesländern sei in Niedersachsen das Ungerechtigkeitsempfinden, urteilten die Göttinger Forscher. Denn auf die Frage, „Geht es in Deutschland gerecht zu?“, hätten nur zwei Prozent geantwortet, dass es sehr gerecht zugehe. 37 Prozent meinten, es gehe „eher gerecht“ zu. 34 Prozent antworten auf die Frage „weder noch“, 21 Prozent sagten, es gehe „eher ungerecht“ zu, und 6 Prozent finden die Verhältnisse sehr ungerecht. Damit würden mehr Menschen in Niedersachsen die Verhältnisse als ungerecht empfinden als in Sachsen-Anhalt, wo bei einer ähnlichen Befragung die Hälfte der dort lebenden Ostdeutschen angegeben hätten, bei ihnen gehe es gerecht zu.

Die Grünen reagierten bereits auf die Umfrage: „Wir müssen Demokratie erlebbarer machen; die Wahlbeteiligungen bei der Europawahl und auch bei Landtagswahlen sind immer noch zu niedrig, wir erreichen ganz viele Menschen nicht“, sagte die Fraktionschefin der Grünen im niedersächsischen Landtag, Anja Piel.

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Von Michael B. Berger

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