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Der Norden US-Kinderporno-Ermittler bringen Behörden auf Spur eines Lehrers in Stadthagen
Nachrichten Der Norden US-Kinderporno-Ermittler bringen Behörden auf Spur eines Lehrers in Stadthagen
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18:00 06.06.2019
Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen einen 36-jährigen Lehrer aus Stadthagen wegen des Besitzes von kinderpornografischen Daten und Missbrauchs. Quelle: Uwe Zucchi/dpa
Stadthagen

Fassungslosigkeit hat am Donnerstag bei Schülern und Teilen der Lehrerschaft an einem Gymnasium in Stadthagen geherrscht: Ein beliebter Lehrer soll sein eigenes Kind missbraucht und eine Vielzahl an kinderpornografischem Material besessen haben. Der 36-Jährige sitzt in Untersuchungshaft. Für die Schüler und Lehrer steht jetzt ein Team von Psychologen zur Verfügung. Nach Bekanntwerden der schwerwiegenden Vorwürfe gegen den Pädagogen war der Fall das Thema des Tages an der Schule, WhatsApp-Gruppen von Schülern und Lehrern liefen heiß. Ein Vater berichtet davon, dass sein Sohn „geschockt und traurig“ sei. „Der Lehrer war sehr beliebt“, sagt der Vater. Der Beschuldigte habe sich immer freundlich verhalten, sei locker und positiv eingestellt gewesen.

Verdächtiger soll Kinderchöre geleitet haben

Wie die zuständige Landesschulbehörde in Lüneburg mitteilt, wurde die Stadthäger Schule von der Polizei über das Ermittlungsverfahren informiert und setzte wiederum das übergeordnete Amt in Kenntnis. Kinderporno-Ermittler aus den USA hatten die deutschen Behörden auf die Spur des Lehrers gebracht. Die nordamerikanischen Spezialisten waren im Zuge weltweiter Ermittlungen gegen Kinderporno-Ringe im Internet auf den Pädagogen gestoßen. Sie informierten erst die Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt und diese wiederum die für die Bekämpfung von Kinderpornografie zuständige Staatsanwaltschaft Hannover. Bei dem Pädagogen soll es sich nach Angaben aus Ermittlerkreisen um einen 36-jährigen Musiklehrer handeln. Der Verdächtige habe zudem Kinderchöre in Kirchengemeinden der Region geleitet. Bis zuletzt war er dem Vernehmen nach noch in einer Gemeinde aktiv. Der Mann sitzt seit dem 28. Mai in Untersuchungshaft.

Nachdem die Staatsanwaltschaft Hannover über den Verdacht der US-Ermittler gegen den Lehrer informiert wurde, habe seine Behörde zunächst ein Ermittlungsverfahren wegen des Besitzes und der Verbreitung von Kinderpornografie eingeleitet, sagte Sprecher Thomas Klinge. Am 15. Mai habe es dann eine erste Durchsuchung im Haus des Mannes gegeben.

Auswertung aller Daten dauert mehrere Monate

Bereits bei einer ersten Sichtung der beschlagnahmten Datenträger sei jede Menge kinderpornografisches Material entdeckt worden, sagte Klinge. Unter anderem stießen die Beamten auch auf Bilder eines sexuellen Missbrauchs in der eigenen Familie des Lehrers aus dem Jahr 2015. Nach Informationen der „Schaumburger Nachrichten“ soll es sich bei dem Opfer um den zweijährigen Sohn des Verdächtigen handeln. Daraufhin habe die örtlich zuständige Staatsanwaltschaft Bückeburg ein gesondertes Ermittlungsverfahren wegen sexuellen Missbrauchs gegen den Lehrer eingeleitet. Eine zweite Durchsuchung habe dann weiteres kinderpornografisches Material zutage gebracht, sagte Klinge. Die vollständige Auswertung aller sichergestellten Datenträger werde mehrere Monate dauern.

Keine Hinweise auf Missbrauch außerhalb der Familie

Im Zusammenhang mit dem mutmaßlichen Missbrauch seines eigenen Kindes sei der Pädagoge dann am 28. Mai in Untersuchungshaft genommen worden, berichtete Nils-Holger Dreißig, Sprecher der Staatsanwaltschaft Bückeburg, die das Verfahren wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs betreut. Weitere Angaben zum Verdächtigen wollte er nicht machen. Auch ob der 36-Jährige sich zu den Vorwürfen geäußert hat, blieb offen. „Es gibt bislang aber keinen Hinweis darauf, dass der Lehrer auch außerhalb der Familie Missbrauchstaten begangen hat“, sagte Dreißig.

Die niedersächsische Landesschulbehörde wollte am Donnerstag wegen der laufenden Ermittlungen keine konkreten Angaben zu möglichen disziplinarischen Maßnahmen machen. „Wenn gegen Lehrkräfte Strafverfahren laufen, werden aber grundsätzlich dienstrechtliche Schritte geprüft“, sagte eine Sprecherin. Das Verfahren ruhe in der Regel jedoch während der Strafverfahrens. Die Schule, an der der verdächtige Pädagoge unterrichtet hat, werde derzeit schulpsychologisch unterstützt, sagte die Sprecherin. Gemeinsam mit den Experten und der Polizei werde die Schulleitung darüber entscheiden, wie sie die Schulöffentlichkeit über den Fall informiere.

Von Verena Gehring und Matthias Brunnert