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Der Norden Bob Dylan demonstriert in Braunschweig, wie jung er ist
Nachrichten Der Norden Bob Dylan demonstriert in Braunschweig, wie jung er ist
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20:31 07.07.2019
Bob Dylan erlaubt keine Konzertfotos. Das Bild zeigt den Sänger 2012 in Washington bei der Verleihung der Medal of Freedom. Quelle: Archiv
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Braunschweig

Bob Dylan ist in Bastellaune. Wer „Blowin’ in the Wind“ in der Originalversion von 1963 liebt, kann sich die neue Budweiser-Reklame ansehen. Der 45-Sekunden-Spot ist mit der einstigen US-Bürgerrechtshymne unterlegt. Die Botschaft der Brauerei: Sie produziert ihr Bier jetzt mithilfe erneuerbarer Energien. Man hört das alte Lied – etwas Gutes von früher – und sieht die Zukunft in Form von Windkrafträdern. Der Untertitel: „Wind never felt better.“

In Braunschweig singt Bob Dylan „Blowin’ in the Wind“ als Zugabe. Er nimmt das Monument auseinander und baut es neu zusammen, wie jemand, der mit Lego spielt. Einige alte, abgegriffene Steine tauscht er durch andersfarbige aus. Die neue Melodie scheint er genau in diesem Augenblick, am 6. Juli 2019 kurz vor zehn, zu ertasten. Das klingt viel aufregender, als würde er Abend für Abend den alten Sechzigerjahre-Socken präsentieren.

Empfindliche Eingriffe

Seit Jahren mutet er dem Publikum empfindliche Eingriffe in seine Lieder zu. Er verbiegt die Originale, manche Textteile verschluckt er ganz, ohne zu kauen. Das macht er auch in der bei Weitem nicht ausverkauften Volkswagenhalle mit „It Ain’t Me, Babe“, „Tryin’ to Get to Heaven“ und „Boots of Spanish Leather“. Manchmal verfrickelt er sich, holpert und stolpert, und sein Mundharmonikaspiel wirkt wie ein selbstironisches Pusten. Man mag meinen, dass er seine Songs zerstört. Aber das stimmt nicht, er zerstört bloß die Sixties-Ikone, die viele in ihm sehen.

Seine Haltung erklärt der Songwriter in der neuen Dokumentation „Rolling Thunder Revue: A Bob Dylan Story“. Es ist die Forever-Young-Grundeinstellung eines 78-Jährigen, der auch im Alter beweglich, neugierig und zukunftsorientiert wie ein junger Mensch sein will. „Wir leben nicht, um uns zu finden oder etwas zu finden, sondern um uns zu erschaffen, Dinge zu erschaffen“, sagt er in die Kamera von Regisseur Martin Scorsese. Und an Fans, die sich Originalversionen und Nostalgiemagie erhoffen, richtet er folgende Worte: „Hat man hohe Erwartungen, wird man enttäuscht. Man darf keine Erwartungen haben.“

Vier der 20 Songs, die er in Braunschweig spielt, sind von „Tempest“, seinem bisher letzten Studioalbum mit eigenen Stücken. Auch diese Titel sind schon sieben Jahre alt. Mit einigen schien er die weltweite Finanzkrise zu kommentieren. Mit „Pay in Blood“ prangert er Habgier an und all die skrupellosen Trickser, die sich auf Kosten anderer bereichern. Mit den „Early Roman Kings“ in ihren Anzügen aus Haihaut meinte er 2012 vermutlich die Banker an der Wallstreet.

Lebendig durch Veränderung

Manche Kritiker werfen Dylan heute vor, er habe sich vom Weltgeschehen abgekoppelt. Zuletzt, während die populistischen Vereinfacher in den westlichen Demokratien immer lauter wurden, nahm er drei Alben mit alten Sinatra-Schnulzen auf. Auch stieg er ins Whiskey-Geschäft mit einer eigenen Marke ein. Die Sehnsucht nach neuen Songs, nach einem Statement zur aktuellen politischen Lage ist groß. Vermutlich hat der fahrende Sänger längst schon ein Album aufgenommen.

Wie wunderbar lebendig er seine Musik durch Veränderung hält, erkennt man besonders gut nach dem Konzert. Auf dem Platz vor der Multifunktionsarena covern Frankie aus Tschechien und Sissi aus Wiggensbach im Allgäu zweistimmig ganz alte Dylan-Nummern. So originalgetreu wie möglich. Frankie ist Bob und Sissi offenbar Joan Baez. Die beiden klingen zu süß und nostalgisch, zu harmlos und langweilig. Es hat wenig mit Bob 2019 zu tun.

Von Mathias Begalke

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